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Amerika und Israel : Es gilt die Agenda des Gastes

Gespanntes Verhältnis: Israels Ministerpräsident Netanjahu (rechts) bei dem amerikanischen Präsidenten Obama Bild: dpa

Netanjahus Verhältnis zu Obama ist seit jeher getrübt. Doch der Israeli spricht mit dem Präsidenten nur noch über Iran. Friedensprozess, Siedlungsbau? Heute nicht.

          Nicht bei jedem Besuch in Washington wird einem israelischen Ministerpräsidenten die Ehre zuteil, vor beiden Kammern des Kongresses zu sprechen, wo sich Benjamin Netanjahu im vorigen Jahr feiern ließ. Doch jedes Mal, wenn ein israelischer Regierungschef zur Jahreskonferenz der jüdischen Lobbyorganisation „American Israel Public Affairs Committee“ (Aipac) kommt, hält er faktisch doch eine Rede vor beiden Kammern des Kongresses. Denn zum Galadinner von Aipac kommen so viele Kongressmitglieder zusammen wie sonst das ganze Jahr über nur bei der Rede des Präsidenten zur Lage der Nation. Aipac hat noch mehr Superlative aufzubieten. 13.000 Teilnehmer wurden dieses Jahr verzeichnet – und auch die Liste wichtiger Redner und einflussreicher Politiker wird jedes Jahr länger.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Netanjahu ist ein erfahrener Politiker und Redner, neben dem selbst Präsident Barack Obama verblasst. Beim Treffen im Weißen Haus lassen sich die beiden vor dem offenen Kamin filmen und geben kurze Erklärungen ab. Während sich Obama von Kunstpause zu „Äh“ hangelt, um der heimischen und ausländischen Presse kein unbedachtes Wort zu liefern, spult Netanjahu seine Erwiderung ab wie einen vorgefertigten Redetext. Im Zentrum steht eine sarkastische Zustimmung zur Weltsicht der iranischen Führung: „Für die sind Sie der Große Satan“, sagt Netanjahu an Obama gerichtet, „und wir sind der Kleine Satan. Für die sind Sie wir, und wir sind Sie. Und wissen Sie was, Herr Präsident: Wenigstens in diesem einzigen Punkt haben sie recht: Wir sind Sie, und Sie sind wir. Wir sind zusammen.“ Und dann bekräftigt Netanjahu abermals, dass Israel die Fähigkeit und das Recht haben muss, sich zu verteidigen. „Denn dies ist letztlich der Sinn und Zweck des Judenstaats: Dass das jüdische Volk die Kontrolle über sein eigenes Schicksal wiedererlangt.“

          „Illusionen von einem Frieden“

          Abends beim Aipac-Dinner bietet sich Netanjahu die zweite Gelegenheit, der Welt vorzuführen, dass er die politische Partitur von Washington mindestens so gut beherrscht wie Obama. Der Präsident hatte sich am Sonntag an die Kongressteilnehmer gewandt, dabei Israel der unerschütterlichen Unterstützung Amerikas versichert, zugleich aber das „leichtfertige Gerede vom Krieg“ kritisiert und im Atomstreit eine weitere Chance für die Diplomatie gefordert. Dafür wurde der Präsident nicht bejubelt wie tags drauf Netanjahu, zu dessen Begrüßung die Ovationen gar nicht aufhören wollen. „Ihren Beifall und Ihre Rufe hört man bis nach Jerusalem, die ewige und ungeteilte Hauptstadt Israels“, sagt der Ministerpräsident – und erntet noch mehr Beifall.

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