Der Computervirus „Flame“ ist nach Angaben der Tageszeitung „Washington Post“ von amerikanischen und israelischen Geheimdiensten gemeinsam entwickelt worden. Wie das Blatt unter Berufung auf Regierungsmitarbeiter am Mittwoch berichtete, wurde der Virus zum Ausspähen iranischer Computernetzwerke eingesetzt und sollte Informationen für einen möglichen Cyberangriff liefern. An der Aktion seien Washingtons Auslandsgeheimdienst CIA, der amerikanische Nachrichtendienst National Security Agency (NSA) sowie das israelische Militär beteiligt gewesen.
Auch der gleichfalls von Amerika und Israel entwickelte „Stuxnet“-Virus, der gegen die von Siemens entwickelten Steueranlagen von iranischen Uranzentrifugen eingesetzt wurde, sei Teil einer umfassenden Cyber-Strategie gewesen. Wie die Zeitung berichtete, sei „Flame“ vor allem als Waffe für eine längerfristige Cyber-Attacke gegen einen Gegner der Vereinigten Staaten entwickelt worden. „Flame“ und „Stuxnet“ seien Bestandteile einer Kampagne, die bis heute andauere.
„Eine gefährliche Waffe“
Sprecher der CIA, der NSA und der israelischen Botschaft in Washington äußerten sich zu den Angaben der „Washington Post“ nicht. „Flame“ wurde im Mai von Antivirus-Fachleuten des russischen IT-Sicherheitsspezialisten Kaspersky entdeckt. Die Software kann Gespräche über das Mikrofon eines Rechners abhören, Bildschirminhalte scannen und Tastatureingaben abfangen. Kaspersky bezeichnet die Software als gefährliche Waffe und will eine Verbindung zwischen „Flame“ und „Stuxnet“ festgestellt haben, weil ein Modul im Code beider Programme benutzt wird.
Westliche Diplomaten suchten unterdessen den Eindruck zu zerstreuen, die Verabredung „technischer“ Gespräche über das iranische Atomprogramm auf niedriger Ebene sei lediglich eine Notlösung, um den bisher ergebnislosen Verhandlungsprozess nicht vollends abbrechen zu lassen. Die fünf UN-Vetomächte sowie Deutschland hatten am Dienstagabend in Moskau mit Iran vereinbart, dass Fachleute beider Seiten am 3. Juli in Istanbul ihre jeweiligen Forderungen und Anreize genauer ausbuchstabieren sollen. Erst danach soll entschieden werden, ob ein weiteres Treffen auf hoher diplomatischer Ebene wie in Moskau Sinn habe.
Deutliche Forderung nach weniger Sanktionen
Eine ranghohe Vertreterin der amerikanischen Regierung sagte in Moskau, die Iraner seien detaillierter auf das Vorschlagspaket der Sechsergruppe eingegangen als erwartet. „Unsere Differenzen haben sich nicht vermindert, aber es liegen jetzt viel mehr Informationen auf dem Tisch“, fügte sie hinzu. Es sei sinnvoll, diese von Fachleuten klären zu lassen. Zuvor hatte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton im Namen der Sechsergruppe von einer „erheblichen Kluft zwischen der Substanz beider Positionen“ gesprochen. „Wir haben noch einen sehr, sehr langen Weg zurückzulegen“, sagte Frau Ashton.
Sehr viel deutlicher als zuletzt fordert Iran nach Informationen aus Verhandlungsdelegationen in Moskau die Aufhebung sämtlicher Sanktionen. In der übernächsten Woche sollen das Ölembargo der EU und verschärfte Finanzsanktionen der amerikanischen Regierung in Kraft treten. Westliche Diplomaten in Moskau machten deutlich, es sei dringend nötig, auf diese Weise den Druck auf Teheran zu erhöhen. Iran fordert die Anerkennung eines „Rechts auf Urananreicherung“ und verlangt, dass das Ausland die Fatwa des geistlichen Führers Ali Chamenei, Atomwaffen seien unislamisch, als Garantie für die friedlichen Absichten des Landes akzeptiert.
Erschüttertes Vertrauen in das Atomprogramm
Eine Fatwa ist ein verbindliches religiöses Rechtsgutachten. Die Sechsergruppe verweist Iran dagegen auf den Vertrag zur Nichtverbreitung von Atomwaffen, der neben Rechten auch Pflichten festlegt. Der UN-Sicherheitsrat verlangt von Iran die Aussetzung der Urananreicherung, bis das wegen heimlicher Aktivitäten erschütterte Vertrauen in die friedliche Natur seines Atomprogramms hergestellt ist.
Allenfalls in Andeutungen stellte der iranische Chefunterhändler Said Dschalili nach Darstellung von Diplomaten in Aussicht, Iran lasse mit sich über die vor zwei Jahren begonnene höhere Urananreicherung und über eine verbesserte Transparenz reden. Doch verweigert Teheran nach wie vor einem eigentlich längst ausverhandelten Abkommen mit der Internationalen Atomenergiebehörde die Zustimmung, das der UN-Behörde weitere Kontrollen ermöglichen sollte. Nach wie vor versucht Iran ferner, „regionale Fragen“ wie den Syrien-Konflikt oder die Schiiten-Aufstände in Bahrein mit dem Atomstreit zu vermengen, was die Sechsergruppe ablehnt.
Dschalili sagte in Moskau, die Gespräche „hätten besser verlaufen können“. Zu einem besonders heiklen Moment war es am Dienstagnachmittag gekommen, als plötzlich auch die Einigung auf das Treffen der Nuklearfachleute wieder in Frage stand und die Sitzung etliche Male unterbrochen wurde. Iran reagierte verärgert auf den Vorschlag der Sechsergruppe, die technischen Gespräche in Istanbul am 2. Juli abzuhalten.
Am 2. Juli 1988, kurz vor Ende des Iran-Irak-Kriegs, hatte ein amerikanisches Kriegsschiff im Persischen Golf - angeblich irrtümlich - ein iranisches Verkehrsflugzeug abgeschossen und 290 Passagiere getötet. Nach Worten der amerikanischen Regierungsvertreterin hatte die Gruppe das bei ihrem Terminvorschlag nicht bedacht und schlug nach Dschalilis empörter Reaktion sofort den 3. Juli vor, auf den man sich sodann einigte.
Umgekehrt wär's schon ein Krieg
Walter Müller (camier)
- 21.06.2012, 06:51 Uhr
Ein Computer-Progrogramm, das andere Computer auspäht, ist moderne
Spionage und kein Krieg.
Lothar Wölfel (LWoelfel)
- 20.06.2012, 20:26 Uhr
Cyber War ist keine Spielerei, sondern Krieg!
Gerd Weghorn (weghorn)
- 20.06.2012, 19:10 Uhr
Die Kasperskyleute und der russische Geheimdienst konnten also bisher
die Iraner nicht schützen?
klaus keller (klkeller)
- 20.06.2012, 19:00 Uhr
