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Amerika und der Irak-Krieg Früherer CIA-Direktor Tenet rechnet mit dem Weißen Haus ab

27.04.2007 ·  Der ehemalige CIA-Direktor George Tenet macht dem Weißen Haus gravierende Vorwürfe: Man habe ihn zum Sündenbock für den Irak-Krieg gemacht. Amerika habe den Feldzug begonnen, ohne zu diskutieren, ob Saddam wirklich eine Bedrohung darstellte.

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Der frühere Direktor des amerikanischen Geheimdienstes CIA George Tenet wirft dem Weißen Haus unehrenhaftes Verhalten bei der Begründung des Krieges gegen den Irak vor. Amerika sei in diesen Krieg gezogen, ohne jemals seriös diskutiert zu haben, ob Saddam Hussein tatsächlich eine akute Bedrohung für die Vereinigten Staaten darstellte. Es sei auch nie überlegt worden, ob Saddam nicht auch ohne eine Intervention hätte in Schach gehalten werden können.

In seinem Buch „Im Auge des Sturms“, das am Montag erscheinen soll, schreibt Tenet laut „New York Times“, man habe ihn zum Sündenbock für den Krieg gemacht. Eine später berühmt gewordene angebliche Äußerung Tenets über Massenvernichtungswaffen sei aus dem Zusammenhang gerissen worden und hätte - anders als vom Weißen Haus dargestellt - kaum die Entscheidung beeinflusst, in den Krieg zu ziehen. Tenets Kritik richtet sich vor allem gegen den amerikanischen Vizepräsidenten Dick Cheney.

„Man wirft nicht einfach jemanden über Bord“

Tenet war vom Weißen Haus im Zuge des Irak-Kriegs wiederholt mit der Äußerung zitiert worden, die Existenz von Massenvernichtungswaffen sei eine „todsichere Sache“ („slam dunk“). In seinem Buch schildert er den detaillierten Verlauf eines Treffens im Oval Office im Dezember 2002, als die Regierung den Feldzug plante. Demnach habe Präsident George W. Bush die der Öffentlichkeit zu präsentierende Begründung für den Krieg verstärken wollen („add punch“). Nur in diesem Zusammenhang habe er, Tenet, von einer „todsicheren Sache“ gesprochen, was später dann auf die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak bezogen worden sei.

Die Äußerung sei in verzerrter Form der „Washington Post“ zugespielt worden, nachdem im Irak keine Massenvernichtungswaffen gefunden worden seien, sagte Tenet dem Sender CBS in einem Interview, das am Sonntag ausgestrahlt werden soll. Diese „Enthüllung“ sei gezielt darauf angelegt gewesen, ihn zu einem Sündenbock zu machen, beklagt sich Tenet. Wer die Quelle sei, wisse er nicht. „Es ist die verabscheuungswürdigste Sache, die mir jemals zugestoßen ist... Man wirft nicht einfach jemanden über Bord, um damit (von den wahren Vorgängen) abzulenken.“

„Tiefpunkt meiner Amtszeit“

Am schlimmsten sei, dass diese Äußerung über Jahre immer wieder zitiert worden sei und immer noch zitiert werde, um die Kriegsentscheidung zu begründen. Dabei seien die wichtigsten Beschlüsse zur Invasion schon lange vorher gefallen.

Gleichwohl gibt Tenet zu, dass er von der Existenz unkonventioneller Waffen in Saddams Arsenal überzeugt gewesen sei. In seinem Buch schlägt er wohl auch selbstkritische Töne an. Einen Bericht seiner Behörde aus dem Jahr 2002 über das irakische Waffenprogramm bezeichnete er als „einen Tiefpunkt meiner siebenjährigen Amtszeit“. Tenet bedauert demnach, dass dieser Bericht nicht differenzierter ausgefallen sei.

Nach heftiger Kritik an der Arbeit der CIA im Vorfeld des Irak-Kriegs hatte Tenet im Juli 2004 seinen Rücktritt erklärt und die Öffentlichkeit anschließend weitgehend gemieden. Präsident Bush hatte ihn nach dem Ausscheiden aus dem Amt mit der Friedensmedaille ausgezeichnet. In seinem Buch schreibt Tenet nun von der - später dann doch verworfenen - Überlegung, diese Medaille abzulehnen.

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