Der amerikanische Vizepräsident Biden hat in China politische Gespräche begonnen. Sein fünftägiger Besuch findet unter dem Eindruck der Schuldenkrise in den Vereinigten Staaten und der wachsenden Bedeutung Chinas für die Weltwirtschaft statt. Im Vordergrund sollte nach amerikanischen Angaben ein besseres Kennenlernen Bidens mit dem chinesischen Vizepräsidenten Xi Jinping stehen, der von der derzeitigen Führung offenbar schon als zukünftiger Staats- und Parteiführer auserkoren wurde.
Biden traf Xi am Donnerstag. Dabei sprach sich der Amerikaner für eine bessere Zusammenarbeit der beiden größten Wirtschaftsnationen aus. „Ich bin fest davon überzeugt, dass die wirtschaftliche Stabilität der Welt zu einem nicht unwesentlichen Teil von der Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und China abhängt. Das ist der Schlüssel zur globalen wirtschaftlichen Stabilität“, sagte Biden. Xi Jinping sagte, der Ausbau der Beziehungen zwischen den beiden Ländern sei im Interesse der ganzen Welt. „Unter den geänderten Umständen verbinden China und Amerika noch weitergehende gemeinsame Interessen, und schultern noch mehr gemeinsame Verantwortung“, sagte Xi.
Die beiderseitigen Appelle zur stärkeren Zusammenarbeit sind angesichts der politischen Weltlage nicht unbegründet. Durch den Aufstieg Chinas treten die Differenzen zwischen beiden Mächten immer stärker zu Tage. Das zunehmend aggressive Auftreten Chinas im Südchinesischen Meer hat dazu geführt, dass die Vereinigten Staaten ihre Stellung als asiatisch-pazifische Macht weiter stärken möchten. Darüber hinaus belasten Streitpunkte wie die unterbewertete chinesische Währung, Protektionismus, Produktpiraterie und Internetspionage sowie die mangelnde Achtung der Menschenrechte in China das Verhältnis.
China ist Amerikas größter Gläubiger
Für China stehen die Fragen der Souveränität über Taiwan und Tibet sowie über die umstrittenen Seegebiete im Südchinesischen und Ostchinesischen Meer an vorderer Stelle. Zudem ist China Amerikas größter ausländischer Gläubiger. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua nannte den Besuch des Vizepräsidenten deshalb „zeitlich günstig“. Biden bemühte sich denn auch, die Sorgen des Gläubigers in Interviews mit der chinesischen Presse zu zerstreuen.
Die Obama-Regierung verpflichte sich dazu, die wirtschaftlichen Grundlagen der amerikanischen Wirtschaft zu bewahren, die die Sicherheit, Liquidität und den Wert der amerikanischen Schatzanleihen sichern, sagte Biden dem Wirtschaftsmagazin Caixin. Er gab außerdem zu verstehen, dass Amerika aus seiner Sicht weiter die führende Weltmacht bleiben werde. Schon früher sei behauptet worden, Amerika befinde sich im Niedergang. Das habe damals schon nicht gestimmt, und es stimme auch heute nicht, sagte Biden.
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