14.02.2007 · Drei Tage nach seiner umstrittenen Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz hat Russlands Präsident Wladimir Putin seine Kritik an den Vereinigten Staaten verteidigt und erneuert. Laut einer Umfrage steht eine Mehrheit der Deutschen hinter ihm.
Drei Tage nach seiner umstrittenen Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz hat Russlands Präsident Wladimir Putin seine Kritik an den Vereinigten Staaten verteidigt und erneuert. Was er über die Politik Washingtons gesagt habe, spiegele lediglich wider, was in vielen anderen Ländern auch gedacht werde, sagte Putin am Dienstag während eines Besuches in Jordanien. In einigen Staaten würden die Bedenken lauter angesprochen, in anderen eher hinter vorgehaltener Hand.
Washington beschwöre die Präsenz einer russischen Bedrohung herauf, um vom Kongress Finanzmittel für Einsätze in Afghanistan und im Irak zu erhalten und ein Raketenabwehrsystem quer durch Europa zu bauen, sagte Putin. Russland sei in den vergangenen zehn Jahren geduldig gewesen und habe sich die Kommentare der Partner zu allen Angelegenheiten angehört.
„Offen und ehrlich sagen, was wir denken“
Putin hatte den Vereinigten Staaten am Samstag in einer der schärfsten Reden seiner Amtszeit vorgeworfen, mit exzessivem Einsatz von Gewalt nach der Weltherrschaft zu greifen und das internationale Recht mit Füßen zu treten. Die Erweiterung der Nato nach Osten und die geplante Stationierung von Waffensystemen in Osteuropa nannte Putin eine Bedrohung für den Frieden. Seine Rede stieß bei vielen auf Kritik und wurde als Abkehr vom pro-westlichen Kurs des Landes bewertet.
3500 Polizisten sollen an diesem Wochenende dafür sorgen, dass die Gäste der Sicherheitskonferenz ungestört bleiben. Als Redner werden unter anderen Bundeskanzlerin Merkel, Russlands Präsident Putin und der amerikanische Verteidigungsminister Gates erwartet.
Generell gibt es derzeit Spannungen zwischen Russland und dem Westen - unter anderem deshalb, weil Putin das Bestreben nachgesagt wird, den russischen Imperialismus mittels ökonomischer Ressourcen wiederbeleben zu wollen. „Ich persönlich komme zu der Schlussfolgerung, dass - egal was wir sagen - es immer Leute geben wird, die eine neue Möglichkeit finden, Russland zu attackieren“, sagte Putin nun. „Das Beste ist für uns, einfach offen und ehrlich zu sagen, was wir denken.“
Mehrheit der Deutschen unterstützt Amerika-Kritik
Laut einer repräsentativen Umfrage unterstützen etwa zwei Drittel der Deutschen Putins Kritik an den Vereinigten Staaten. Wie die am Dienstag veröffentlichte Emnid-Umfrage im Auftrag des Nachrichtensenders N24 ergab, sind 68 Prozent der Bundesbürger der Meinung, Putin habe Recht, wenn er den Vereinigten Staaten ein einseitiges Streben nach der Weltherrschaft unterstelle. Nur 22 Prozent der Befragten wiesen diese Darstellung zurück. Emnid befragte am Montag telefonisch 1000 Bundesbürger.
(Siehe auch Putins Paukenschlag auf der Münchner Sicherheitskonferenz und Kommentar: Ein Sieg für Putin)