12.05.2006 · Die Senatswahlen sind für Hillary Clinton nur ein Aufgalopp. 2008 will die Frau des früheren amerikanischen Präsidenten Bill Clinton selbst ins Weiße Haus. Da sind Wahlkampf-Spenden von konservativer Seite besonders willkommen.
Von Matthias Rüb, WashingtonDieses Jahr ist Wahljahr in Amerika, und man könnte meinen, es gehe um das Weiße Haus. Doch am 7. November werden nur die 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 33 der 100 Posten im Senat neu vergeben. Für Hillary Clinton jedenfalls ist 2006 Wahljahr, denn sie bewirbt sich um eine zweite Amtszeit als Junior-Senatorin für den Staat New York im Kongreß zu Washington.
Sie hat sehr gute Chancen, wiedergewählt zu werden: Sie hat viel Geld, einflußreiche Freunde, war immens fleißig im Senat, wo sie kaum eine Sitzung des Verteidigungsausschusses verpaßte, und sie hat für die republikanisch geprägten Landkreise im Hinterland „Upstate“ viel aus dem Bundeshaushalt herausgeschlagen und sich dort auch oft sehen lassen. Schon beim ersten Anlauf im November 2000 hatte die damals noch amtierende First Lady mit dem komfortablen Vorsprung von 55 zu 43 Prozent gegen den prominenten Republikaner Rick Lazio gewonnen - und für den Wahlkampf die Rekordsumme von 41,5 Millionen Dollar ausgegeben.
Murdoch sammelt Spenden
Für die Wahlen in diesem Jahr ist ihre Kriegskasse schon mit gut 20 Millionen Dollar gefüllt - und sie hat es nur mit zwei relativ schwachen Herausforderern zu tun. Nun wurde bekannt, daß der konservative Großverleger Rupert Murdoch, der mit seinem Boulevardblatt „New York Post“ und seinem Nachrichtensender „FoxNews“ bisher die Clintons und deren linke Klientel stets heftig angegriffen hatte, bereit ist, eine Veranstaltung zum Sammeln weiterer Spenden für die demokratische Senatorin auszurichten. Das hatte Murdoch, der allein in New York City 5000 Menschen beschäftigt, auch im Jahre 2003 für Charles Schumer gemacht, den demokratischen Senior-Senator des Bundesstaates New York.
Senatorin Clinton, die für ihre Annäherung an die Rechten vom linken Flügel der Demokratischen Partei heftig gescholten wird, zeigte sich zufrieden, daß Murdoch mit ihrer Arbeit zufrieden sei - denn als New Yorker Unternehmer und Wahlbürger gehöre er zu jenen, deren Interessen sie im Kongreß in Washington zu vertreten habe. Wer wie Murdoch und Clinton nach vorne blickt, kann über den wütenden Streit der späten neunziger Jahre hinwegsehen: Hillary Clinton sah damals eine „umfassende Verschwörung der Rechten“ als Grund für den Lewinsky-Skandal um die außerehelichen Affären ihres Mannes an, und die „New York Post“ stellte den schwindelnden Präsidenten und seine Frau als zwei der übelsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts dar.
Hillary Clinton wird in diesem Jahr ganz gewiß nicht ihre ganzen Spenden aufbrauchen. Sie schielt wie der Rest Amerikas schon auf das große Wahljahr 2008 und kann Startkapital für den Kampf um das Weiße Haus gut gebrauchen. Wie die meisten anderen potentiellen Präsidentschaftskandidaten beider Parteien ist sie damit beschäftigt, ihre politischen Kanten so abzuschleifen, daß sich kein Wähler in der breiten Mitte des politischen Spektrums daran stoßen kann.
Was kann Hillary Clinton der loyalen Basis zumuten?
Doch anders als Murdoch, der aus Geschäftsinteresse keine der beiden Parteien dauerhaft aus seinem Herzen und von seinem Spendentopf ausschließen darf, laufen gar zu flexible Politiker Gefahr, bald wie Charaktermasken ohne tiefe Überzeugungen zu erscheinen. So erging es zum Beispiel den beiden zuletzt gescheiterten Kandidaten der Demokraten Al Gore und John Kerry, die den Wahlkampfstrategen von George W. Bush breite Angriffsfläche boten, um sie als wetterwendische Zustimmungsschacherer darzustellen. Wie weit, so stellt sich die Frage, kann sich die einstige Präsidentengattin und amtierende Senatorin verbiegen, ohne daß ihr Bild als Frau von politischen Prinzipien in Stücke springt?
Die Frage, was man der loyalen eigenen Basis zumuten und wie man zugleich neue Wähler in der Mitte oder gar an den politischen Rändern gewinnen kann, müssen freilich auch die potentiellen Kandidaten der Republikaner zu beantworten versuchen. An diesem Wochenende hält der gemäßigte Senator John McCain (Arizona), der bei den Vorwahlen von 2000 George W. Bush unterlegen war und es 2008 noch einmal versuchen will, die Festansprache zum Semesterabschluß an der „Liberty University“.
Bush bringt Bush ins Gespräch
Die christlich-konservative Universität in Lynchburg (Virginia) wurde von dem führenden Evangelikalen Jerry Falwell gegründet, der vor sechs Jahren den konservativen Kandidaten Bush unterstützt hatte und von McCain als „Förderer der Intoleranz“ gescholten worden war. Längst hat McCain Falwell die Hand der Versöhnung geboten, denn er weiß, daß ohne die Stimmen der evangelikalen Christen Vorwahlen in wichtigen Bundesstaaten im Süden und Mittleren Westen nicht zu gewinnen sind - während er sich breiter Zustimmung in der politischen Mitte weiter gewiß sein kann.
Passend zur hohen Zeit der Kandidatenformung hat auch der derzeitige Präsident eine Idee zum besten gegeben: Sein Bruder Jeb Bush, dessen zweite Amtszeit als erfolgreicher Gouverneur von Florida Anfang 2007 endet, wäre „ein großartiger Präsident“, sagte George W. Bush.
Absolutely Hillarious !
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 12.05.2006, 23:25 Uhr
Matthias Rüb Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
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