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Veröffentlicht: 23.01.2014, 17:39 Uhr

Akademikerball in Wien Ein rechter Tanz

Ein für Freitag geplanter „Akademikerball“ versetzt die Wiener Polizei in Alarmbereitschaft. Rechtsextreme und Burschenschaftler aus ganz Europa reisen an - entsprechend groß sind die Proteste.

von , Wien
© picture alliance / dpa Teilnehmer des Akademikerballs, aufgenommen im Januar 2012

Eine Million Deutsche reisen pro Jahr nach Wien und werden dort in der Regel gerne und gut beherbergt. Doch von sieben Bussen aus Städten wie Hamburg, Köln, Magdeburg oder Göttingen, die in Richtung der österreichischen Hauptstadt unterwegs sein sollen, würde die Wiener Polizei lieber die Rücklichter sehen. Denn darin, so die Befürchtung der Ordnungshüter, könnten Leute sitzen, die ausschließlich zu dem Zweck anreisen, Krawall zu machen.

Stephan Löwenstein Folgen:

Es sind aber beileibe nicht nur die deutschen Busreisenden, wegen derer die Wiener Innenstadt am Freitag abgesperrt sein wird, als befürchte man ukrainische Verhältnisse. Drei Demonstrationszüge sind angemeldet worden, deren Veranstalter mit jeweils bis zu 1500 Teilnehmern rechnen, aus deren Reihen, so befürchtet die Polizei, eine gewalttätige Eskalation provoziert werden könnte. Ziel des Protestes ist eine Veranstaltung, die in der - in Wien ebenso geläufigen wie harmlosen - Gestalt eines Balles daherkommt: der Akademikerball. Veranstalter ist die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) - für die österreichische Linke ein ebenso rotes Tuch wie die Burschenschaften, die für den Ball (früher hieß er Wiener Korporations-Ball, kurz WKR) namensgebend sind.

„Keine Räume für Rechtsextreme“

Veranstaltungsort ist die Hofburg - nicht der Teil, in welchem das österreichische Staatsoberhaupt sitzt, sondern die Festsäle, die öffentlich sind und vermietet werden. Dagegen richtet sich nun der Protest, zu dem verschiedene Gruppierungen aufgerufen haben, die sich teilweise überschneiden: Sozialdemokraten und Grüne sind ebenso dabei wie eine Gruppe von überlebenden einstigen KZ-Häftlingen und antifaschistische Gruppen. Ihre Forderungen lauten in etwa so: „Die Räumlichkeiten unserer Republik stehen für Veranstaltungen und Vernetzungsaktivitäten rechtsextremer Verbände nicht zur Verfügung.“

Doch die Veranstalter der Hofburg erklärten, sie sähen keine Handhabe, den Akademikerball abzuweisen. Obgleich nun sowohl die Veranstalter des Balles als auch die der Demonstrationen zu Friedfertigkeit aufgerufen haben, haben die Sicherheitsbehörden nach eigenen Angaben Hinweise auf drohende Ausschreitungen. „Wir wissen von Personen innerhalb der Demonstrationszüge, die nicht bereit sind, ausschließlich friedlich gegen den Akademikerball zu protestieren“, sagte Erich Zwettler, Leiter des Wiener Landesamtes für Verfassungsschutz (LV), nach Angaben der Nachrichtenagentur APA. Es habe bereits derartige Vorfälle gegeben.

Innenstadt wird großflächig abgeregelt

Vor einem Polizeianhaltezentrum sei ein Funkwagen angezündet worden, und es habe vier schweren Sachbeschädigungen bei Burschenschafterbuden gegeben. „Man kann davon ausgehen, es wird nicht gänzlich friedlich ablaufen“, so wurde der LV-Chef zitiert. Daher wird ab dem Nachmittag ein geräumiger Teil der Innenstadt gesperrt, von der Hofburg bis zum Schwarzenbergplatz einschließlich des vielbefahrenen Rings. Mehrere Bus- und Straßenbahnlinien werden dort zeitweilig den Betrieb einstellen. Außerdem gilt in mehreren Innenstadtbezirken ein Vermummungsverbot: Bis um drei Uhr früh wird es verboten, das Gesicht zu verhüllen. Das könnte für Demonstranten, Ballbesucher und Passanten unangenehm werden, denn der Wetterbericht sagt Schnee- oder gar Eisregen voraus.

Schulen in der Gegend haben jedenfalls reagiert, indem sie den Schülern nach der sechsten Stunde freigeben und – sofern sie Nachmittagsbetreuung anbieten – dazu raten, die Kinder möglichst am frühen Nachmittag abzuholen. Was die befürchteten deutschen Krawalltouristen betrifft, sagte der Verfassungsschutz-Leiter, es gebe gesicherte Informationen, dass die Aktivisten Unterstützung aus Deutschland bekommen werden. Zumindest sieben Busse aus mehreren deutschen Städten - der LV-Chef nannte Hamburg, Köln, Magdeburg und Göttingen – seien unterwegs. Zwettler verwies auf die schweren Ausschreitungen in Hamburg im Dezember, als gegen die Schließung des linken Kulturzentrums „Rote Flora“ protestiert wurde: „Wir wissen, dass deutsche Aktivisten wesentlich brutaler vorgehen, als hierzulande geplant.“ 2000 Polizisten sollten den reibungslosen Ablauf des Balles und die Gewaltfreiheit der Proteste dagegen garantieren.

Verbale Entleisungen

Die Proteste gegen den WKR-Ball beziehungsweise den Akademikerball haben bereits eine lange Tradition – und ebenso traditionell kommt es dabei zu gewalttätigen Ausschreitungen. Teilnehmer des Balles werden angepöbelt oder auch besudelt, und auch Polizisten, die die Veranstaltung sichern, werden angegriffen. Wobei der Wiener FPÖ-Vorsitzende Johann Gudenus unwidersprochen feststellen konnte, „dass die Gewalt stets von den Linken ausgeht. Es gibt und gab in der Vergangenheit nicht ein Fehlverhalten eines Gastes oder gar eine Anzeige gegen einen Besucher des Balls.“ Wohl aber gab es verbale Entgleisungen. Der FPÖ-Vorsitzende Heinz-Christian Strache wurde vor zwei Jahren mit den Worten vernommen, die von den Linken bedrängten Teilnehmer des Balles seien „die neuen Juden“, ein anderer FPÖ-Mann sprach von „Pogromstimmung“. Strache wies später den Vorwurf, er habe die Judenverfolgung relativieren wollen, zurück und ließ erklären, er sei im Privatgespräch belauscht und das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

Überliefert ist auch ein auf den früheren IWF-Präsidenten Dominique Strauss-Kahn gemünztes Zitat mit durchaus antisemitischem Unterton des französischen Front-National-Gründers Jean-Marie Le Pen: Der WKR-Ball sei „Strauss ohne Kahn“. Das war als Lob gemeint.

Vermiedene Eskalation

Von Jochen Stahnke

Weder Israels Ministerpräsident noch der Palästinenserpräsident oder der jordanische König haben Interesse an einem Krieg. Doch alle drei stehen ihrem eigenen wütenden Volk gegenüber. Mehr 43

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