http://www.faz.net/-gpf-90cm5

Chinas toter Nobelpreisträger : Ai Weiwei: Tod von Liu Xiaobo „rätselhaft“

  • Aktualisiert am

Der chinesische Künstler Ai Weiwei in Buenos Aires Bild: dpa

Der chinesische Künstler Ai Weiwei ist verwundert über die Umstände des Todes von Chinas Nobelpreisträger Liu Xiaobo. Aber auch der Westen trage eine Mitschuld.

          Der chinesische Konzeptkünstler Ai Weiwei (59) hat den Tod des Friedensnobelpreises Liu Xiaobo als „sehr rätselhaft“ bezeichnet. Der vor drei Wochen verstorbene Bürgerrechtler sei ein friedlicher Mensch gewesen. „Seine Kritiken waren viel sanfter als meine, er war mein Freund, nach neun Jahren Haft wurde gesagt, er habe Krebs und plötzlich starb er“, sagte Ai Weiwei am Dienstag bei der Vorstellung einer Ausstellung, die er am 18. November in Buenos Aires eröffnen will.

          Liu sei auch nicht ausreichend im Westen verteidigt worden. „Kurz vor seinem Tod hat Airbus 140 Flugzeuge an China verkauft“, sagte Ai Weiwei. Unter den undemokratischen Zuständen ist es einfach für die westlichen Unternehmen, Geschäfte mit China abzuschließen, wo es an Umwelt- und Menschenrechtsauflagen mangele.

          Ai Weiwei : „Mit Liu Xiaobo stirbt für viele die Hoffnung“

          Seine Kunstwerke suchten poetisch die innere Freiheit des Menschen zu fördern, erklärte Ai Weiwei. Dafür setze er darauf, bei möglichst vielen Menschen anzukommen. „Ein einzelner Mensch kann aber nicht allein eine Gesellschaft ändern, dafür muss die Gesellschaft bereit sein“, erklärte er. In China sei der Einfluss der kommunistischen Regierung und deren Streitmächte so stark, dass ein Wechsel der sozialen und politischen Umstände nicht möglich erscheine.

          Der Künstler, der am 1. September seinen Dokumentarfilm „Human Flow“ über das Flüchtlingsdrama auf den Filmfestspielen von Venedig vorstellt, will im Museum der Proa-Stiftung in Buenos Aires eine Ausstellung mit Bezug auf die lateinamerikanische Kultur aufbauen. Anschließend will er in Chile und Brasilien ausstellen.

          Ai Weiwei war wegen seines politischen Engagements in China wiederholt Repressalien ausgesetzt, wurde inhaftiert, stand unter Hausarrest und wird von den Behörden ständig überwacht.

          Weitere Themen

          „Der Westen wird fallen“

          Viktor Orbán : „Der Westen wird fallen“

          Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán sieht „dunkle Wolken über Europa“. Schuld daran seien Migranten und die Ignoranz westlicher Politiker, sagt er in seiner Rede zur Lage der Nation.

          Topmeldungen

          Die neue SPD-Parteispitze um Andrea Nahles und Olaf Scholz muss schon in ihrer Anfangsphase mit Rückschlägen zurechtkommen.

          Neue Umfrage : AfD erstmals knapp vor SPD

          Während die CDU stabil bleibt, sinken die Umfragewerte der SPD immer weiter. In einer aktuellen Umfrage rutscht sie erstmals hinter die AfD und wird nur noch drittstärkste Kraft.

          AKK-Nachfolge an der Saar : Die zweite Überraschung

          Dass Annegret Kramp-Karrenbauer CDU-Generalsekretärin werden soll, gilt manchem in der Union nicht gerade als der erhoffte Generationswechsel. Den vollzieht die saarländische Ministerpräsidentin dafür zu Hause in Saarbrücken.
          Bild und Ton sind nicht genug, Text soll es sein: Mikrofone bei einer Pressekonferenz

          ARD, ZDF und das Geld : Wirtschaftlich ist das nicht gerade

          Die Finanzkommission Kef hat ausgerechnet, dass ARD, ZDF und Deutschlandradio nicht zu wenig, sondern zu viel Geld haben: eine halbe Milliarde. Droht trotzdem ein höherer Rundfunkbeitrag?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.