19.07.2009 · Der iranische Vizepräsident Maschaie ist zurückgetreten, obwohl er erst am Freitag von Präsident Ahmadineschad in sein neues Amt berufen worden war. Schon das kritische Freitagsgebet Rafsandschanis hatte auf einen erbitterten Machtkampf innerhalb der Führung der Islamischen Republik hingewiesen.
Der iranische Vizepräsident Esfandiar Rahim Maschaie ist nach heftiger Kritik an seiner Berufung zurückgetreten. Dies meldete am Sonntag der staatliche Fernsehsender Press-TV.
Maschaie war erst am Freitag von Präsident Ahmadineschad in sein neues Amt berufen worden. Fundamentalistische Kleriker hatten seine Berufung kritisiert, weil Maschaie vor einem Jahr geäußert hatte, Iran sei „ein Freund des israelischen Volkes“ und in den Vereinigten Staaten lebe „eines der besten Völker der Welt“.
Empörung über Predigt Rafsandschanis
Maschaie gilt - trotz seiner Einstellungen - als enger Vertrauter Ahmadineschads; seine Tochter ist mit dessen Sohn verheiratet.
Der frühere iranische Präsident Rafsandschani traf unterdessen am Sonntag mit führenden Klerikern in Maschad zu Beratungen zusammen. Am Freitag hatte der einflussreiche Ajatollah beim Freitagsgebet in Teheran scharfe Kritik an der Regierung geübt und sich mit der Opposition solidarisiert. Er sagte, Iran stecke in einer Krise.
Die Ansprache löste in der politischen und religiösen Führungselite des Landes einen erbitterten Streit aus. Diejenigen, die den amtierenden Präsidenten Ahmadineschad unterstützen, zeigten sich entrüstet über Rafsandschani. Er habe das Gebet zur Unterstützung von Oppositionsführer Mussawi missbraucht.
Machtkampf zwischen Chamenei und Rafsandschani
Die Opposition zweifelt die Niederlage Mussawis in der Präsidentenwahl vor fünf Wochen weiter an und spricht von Fälschung. Ermutigt durch den Auftritt Rafsandschanis waren am Freitag in der Hauptstadt wieder hunderttausend Anhänger der Opposition zu neuen Protesten auf die Straße gegangen.
Dabei kam es auch wieder zu Zusammenstößen mit der Polizei und Festnahmen. Der religiöse Führer Chamenei hat sich in der Kontroverse um den Wahlausgang hinter Ahmadineschad gestellt. Das Freitagsgebet Rafsandschanis scheint die Theorie eines Machtkampfes zwischen diesem und Chamenei zu bestätigen.
Derweil gingen die Bemühungen um die Freilassung eines britischen Botschaftsangestellten weiter. Der letzter noch inhaftierter Mitarbeiter soll gegen Zahlung einer Kaution freikommen, hieß es. London wird vorgeworfen, an den Protesten gegen das Regime beteiligt gewesen zu sein.
Risse sind gut
Rene Meyer (matrix1329)
- 19.07.2009, 20:20 Uhr
Keine Anerkennung dieser "Wahlputsch"Regierung
Christian Zimmermann (menschenrechtsbuero)
- 19.07.2009, 21:23 Uhr
Kluge Stellung Rafsandschanis
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 19.07.2009, 21:35 Uhr
Henry Kissinger erscheint mir glaubwürdig...
Walter Schlichtenbrede (FAZ.Kritiker)
- 19.07.2009, 22:26 Uhr
Demokratie wie sie "leibt und lebt"
Karin Schulz (muerfel)
- 19.07.2009, 22:57 Uhr