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Umsturz in Ägypten Aufatmen am Golf

 ·  Die Reaktionen der arabischen Länder auf den Putsch in Kairo sind überwiegend positiv. Großer Verlierer ist Qatar, das die Mursi-Regierung mit mehreren Milliarden Dollar unterstützte.

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© REUTERS Vergrößern Der saudische König dankte dem ägyptischen Militär für seine „Weisheit“.

Ein Zufall war es nicht, dass der erste Glückwunsch an Ägyptens neues Staatsoberhaupt Adli Mansour aus den Golfstaaten kam. Der saudische König Abdullah gratulierte dem vom Militär eingesetzten Übergangspräsidenten, bevor dieser überhaupt vereidigt wurde, und wünschte ihm Erfolg. Die saudische Königsfamilie hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie die Ideologie der Muslimbrüder, die den einzelnen Gläubigen mit der Politik verbindet, als die größte Herausforderung für ihre Herrschaftsform sieht.

Auch die Vereinigten Arabischen Emirate haben aufgeatmet. Dort heißt es seit Jahren, die Muslimbrüder seien die größte Gefahr für das Land, größer selbst als das iranische Atomprogramm. Am Tag vor Muhammad Mursis Sturz endete der erste Massenprozess in der Geschichte der Emirate: 94 Dissidenten wurden nach einem Prozess, den die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch als „fundamental unfair“ bezeichnet, zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Verurteilten gehören der Bewegung „Islah“ (Reform) an, die als emiratischer Ableger der Muslimbruderschaft gilt.

Die Emirate haben mit großem Argwohn auf die kurze Herrschaft der Muslimbrüder in Ägypten geblickt. Das größte Emirat, Abu Dhabi, hatte im Februar 2011 dem gestürzten Husni Mubarak Asyl angeboten, was dieser nicht wahrnahm. Mubaraks letzter Ministerpräsident Ahmad Schafiq zog sich nach seiner Niederlage in der Präsidentenwahl vom Juni 2012 gegen Mursi nach Abu Dhabi zurück, wo er seither in einem Luxushotel am Rande der Stadt residiert. Die Beziehungen zwischen der 1971 gegründeten Föderation der Emirate und Ägypten waren immer sehr eng; so baute der ägyptische Sicherheitsapparat den der Emirate auf.

Qatar hatte Milliarden überweisen

Die ägyptischen Muslimbrüder schickten wiederholt Emissäre in die Emirate, um das Misstrauen zu zerstreuen und um zu beteuern, dass die Bewegung „Islah“ nicht aus Ägypten gesteuert werde. Alle Gespräche scheiterten. Die Emiratis griffen jedoch auf die bestehenden Kanäle und auf Schafiq zurück, um auf die Entwicklung in Ägypten Einfluss zu nehmen. Neben Schafiq ließen sich etwa 300 ranghohe Offiziere der ägyptischen „Staatssicherheit“ in Abu Dhabi und Dubai nieder; die führenden Oppositionspolitiker Ägyptens besuchen seit zwei Jahren regelmäßig Abu Dhabi. Traditionell führt in Ägypten jeder höhere Offizier der Sicherheitsdienste eine Schlägertruppe von meist 50 Jugendlichen, die er finanziert und für seine Zwecke einsetzt. In der Vergangenheit dienten die Gruppen der Einschüchterung von Personen, die gefügig gemacht werden sollten. Seit Mubaraks Sturz aber haben sie Unsicherheit zu verbreiten und bei Demonstrationen für Gewalt zu sorgen. Als Gehalt bekommen sie pro Einsatz umgerechnet bis zu 50 Euro. Seit mehr als einem Jahr klagen die ägyptischen Muslimbrüder, dass das Geld für die Banden der 300 in den Emiraten ansässigen ägyptischen Offiziere, aber auch die Banden von deren Kollegen in Ägypten sowie für Demonstrationen von Mitgliedern der Herrscherfamilie in Abu Dhabi stamme.

Verlierer der Entwicklung ist Qatar, das die Muslimbruderschaft offen unterstützt hatte. Qatar hatte als einziges arabisches Land Mursis Kairo Mittel in Höhe von mehreren Milliarden Dollar nicht nur versprochen, sondern auch überwiesen. Am Donnerstag stürmten Einheiten der ägyptischen „Staatssicherheit“ die Studios des qatarischen Senders Al Dschazira in Kairo.

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