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Trauermarsch für Oppositionspolitiker : Tausende versammeln sich in Tunis

  • Aktualisiert am

In Vorhalte: Ein maskierter Demonstrant hält bei den Protesten in Tunis eine Computertatstatur wie ein Gewehr vor seinen Körper Bild: AP

Tausende Menschen versammeln sich in Tunis zur Trauerfeier für den ermordeten Oppositionspolitiker Chokri Belaïd. Begleitet wird sie vom ersten Generalstreik seit der Revolution. „Kampf dem Terrorismus“ lautet das Motto.

          Zwei Tage nach der Ermordung des Oppositionspolitikers Chokri Belaïd sind in Tunesien Tausende Menschen dem Aufruf zu einem Generalstreik gefolgt. Der Verkehr stand in vielen Städten des Landes still, Geschäfte, Supermärkte und Cafés blieben geschlossen. Im Zentrum der Hauptstadt Tunis marschierte die Armee aus Angst vor weiteren Ausschreitungen auf. Die Protestaktion zur Beisetzung des 48 Jahre alten Politikers galt bereits vor ihrem Ende als größte seit der Revolution vor rund zwei Jahren.

          Neben der mehr als 500.000 Mitglieder zählenden Gewerkschaft UGTT hatten mehrere Oppositionsparteien zu dem Streik unter dem Motto „Kampf dem Terrorismus“ aufgerufen. Lediglich die Minimalversorgung der Bevölkerung sollte aufrechterhalten werden. Am Flughafen der Hauptstadt wurden alle Flüge gestrichen.

          Zu dem Trauerzug mit dem Leichnam Belaïds versammelten sich am Vormittag Tausende Menschen an einem Kulturzentrum in der Hauptstadt Tunis. Er startete gegen Mittag in Richtung eines Friedhofs. Die Regierung in Paris hatte bereits im Vorfeld aus Furcht vor Gewalt die Schließung französischer Schulen angekündigt. Auf den Straßen der Hauptstadt waren zahlreiche Sicherheitskräfte im Einsatz.

          Am Rande des Trauerzugs kam es zu Zwischenfällen. Jugendliche warfen Fensterscheiben ein und plünderten Geschäfte. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Randalierer vor. Größere Ausschreitungen gab es zunächst nicht. Auch in den Städten Zarzis im Süden, in Gafsa im Zentrum sowie in Sidi Bouzid, dem Ausgangspunkt der Revolte gegen die Regierung im Jahr 2011, fuhr das Militär aus Furcht vor gewaltsamen Ausschreitungen auf. Ein Polizist war bei den Protesten der vergangenen Tage getötet worden, ein weiterer lag am Freitag im Koma, nachdem er in der Nacht in Gafsa von Demonstranten verprügelt worden war.

          Trauerzug: Soldaten und Demonstranten begleiten am Freitag in Tunis den Sarg des ermordeten Oppositionspolitikers Chokri Belaid zum nahe gelegenen Friedhof El-Jellaz Bilderstrecke
          Trauerzug: Soldaten und Demonstranten begleiten am Freitag in Tunis den Sarg des ermordeten Oppositionspolitikers Chokri Belaid zum nahe gelegenen Friedhof El-Jellaz :

          Sowohl am Mittwoch als auch am Donnerstag war es bei Demonstrationen von Regierungsgegnern zu Ausschreitungen gekommen. Sie machen die führende islamistische Partei Ennahda für den Tod Belaïds verantwortlich und fordern eine neue Regierung. Der am Mittwoch erschossene Jurist galt in Tunesien als einer der schärfsten Ennahda-Kritiker. Von seinen Mördern fehlt bislang jede Spur.

          Das Regierungslager weist jegliche Verantwortung für das Attentat zurück. Zugleich streitet es aber heftig über mögliche politische Konsequenzen. Ennahda-Ministerpräsident Hamadi Jebali hatte am Mittwochabend die Bildung einer neuen Regierung mit parteilosen Experten vorgeschlagen. Die Führung seiner eigenen Partei lehnt dies aber entschieden ab.

          Angesichts der Unruhen forderte Bundesaußenminister Guido  Westerwelle (FDP) Regierung und Opposition auf, die Demokratie zu  verteidigen. „Nach dem schrecklichen Mord an Chokri Belaïd sind wir in großer Sorge um Tunesiens inneren Frieden“, sagte Westerwelle  der Tageszeitung „Die Welt“ vom Freitag. Alle politisch Handelnden sollten die Errungenschaften der Revolution von vor zwei Jahren  nicht aufs Spiel zu setzen. „Vor allem der bereits weit voran  geschrittene Verfassungsprozess darf nicht gefährdet werden“, sagte  Westerwelle.

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