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Somalia Fataler Führungsstreit

Die Shabaab-Miliz reibt sich zunehmend selbst auf. Nach Auseinandersetzungen innerhalb der Extremisten setzte sich Sheik Hassan Dahir Aweys ab. Nun sitzt er in einem Gefängnis in Mogadischu.

© REUTERS Vergrößern In Gewahrsam: Aweys in Adado vor dem Abflug nach Mogadischu

Die internen Auseinandersetzungen innerhalb der islamistischen somalischen Terrorgruppe al Shabaab haben ein prominentes Opfer gefordert: Sheik Hassan Dahir Aweys, einer der bekanntesten Führer der Extremisten, sitzt seit Montag in einem Gefängnis in der Hauptstadt Mogadischu. Aweys war vor Kämpfen rivalisierender Shabaab-Fraktionen zunächst in die Stadt Adado in der autonomen Region Himan and Heeb geflohen und am Wochenende nach Mogadischu geflogen, wo er prompt festgenommen wurde.

Der Festnahme folgten Zusammenstöße zwischen Angehörigen seines Clans, der Hawye, und Sicherheitskräften. Der Clan der Hawye zählt zu den mächtigsten in Somalia und es hatte zuvor offenbar intensive Verhandlungen zwischen den Clanältesten und der somalischen Regierung über freies Geleit für Aweys gegeben.

Innerhalb der Shabaab-Miliz tobt seit gut einem Monat ein Richtungsstreit, der mit den militärischen Niederlagen der radikalen Islamisten gegen die Eingreiftruppe der Afrikanischen Union, Amisom, und die reguläre somalischen Armee zu tun hat. Die Shabaab-Miliz ist inzwischen aus allen ihren Hochburgen im Süden und im Zentrum des Landes vertrieben worden. Der Führer der Truppe, Ahmed Abdi Godane, versucht seither, die mit Al Qaida verbündete Shabaab-Miliz in eine international operierende Terrorgruppe umzuwandeln. Zahlreiche einflussreiche Shabaab-Führer, unter ihnen Aweys, lehnen dies indes ab und plädieren mittlerweile für Verhandlungen mit der Regierung in Mogadischu. Diese Fraktion stört sich anscheinend auch an der Präsenz von Ausländern in den Reihen von al Shabaab.

Eskalation in Barawe

Aweys hatte in den vergangenen zwölf Monaten Godanes Führung immer wieder kritisiert. Vor zwei Wochen eskalierte der Streit, als die verschiedenen Fraktionen in der Hafenstadt Barawe aufeinander losgingen. Zwei bekannte Kommandeure der Miliz, Ibrahim Haji Jama Mead, genannt „der Afghane“, und Abul Hamid Hashi Olhayi, sollen bei den Kämpfen getötet worden sein. Laut anderen Quellen wurden die beiden von Godanes Gefolgsleuten gefangengenommen und erst am vergangenen Wochenende getötet.

Der knapp 80 Jahre alte Aweys galt als der „politische Kopf“ von al Shabaab. Bekannt wurde er zu Beginn der neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Gründer der Terrorgruppe „Al Ittihad al Islamija“, deren Angriffe sich vor allem gegen Äthiopien richteten, dem Aweys vorwarf, die von Somaliern besiedelte Region Ogaden illegal besetzt zu halten. Ende 2006 stieg er zum Vorsitzenden der Scharia-Gerichtshöfe auf, denen es im Frühjahr desselben Jahres gelungen war, die zahlreichen Kriegsfürsten aus Mogadischu zu vertreiben und für so etwas wie Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Die amerikanische Regierung reagierte auf die Machtergreifung der Scharia-Richter mit Waffenlieferungen an die Kriegsfürsten. An Weihnachten 2006 marschierte die äthiopische Armee in Somalia ein und verjagte die Scharia-Gerichtshöfe. Dieser Einmarsch gilt als Geburtsstunde von al Shabaab. Aweys unterhielt anschließend zwar eine Zeitlang eine eigene Truppe namens Hizb al Islam, die mutmaßlich aus Eritrea finanziert wurde. In 2010 fusionierte Hizb al islam mit al Shabaab. Die äthiopische Invasion Ende 2006 war vor allem der Tatsache geschuldet, dass ausgerechnet Aweys den Scharia-Richtern vorstand - der Mann, den der äthiopische Geheimdienst damals schon seit Jahren jagte. Im Juli 2004 hatte sich Aweys in einem Gespräch mit dieser Zeitung an einem geheim gehaltenen Ort in Mogadischu weniger als hartgesottener Fundamentalist, sondern vielmehr als somalischer Nationalist zu erkennen gegeben, dessen Antrieb es sei, die von Somaliern besiedelten Gebiete im Norden Kenias und auch den Ogaden wieder Somalia zuzuschlagen. Von der Umwandlung Somalias in ein Kalifat, wie es al Shabaab heute anstrebt, war damals nicht die Rede gewesen. „Eine islamische Republik mit dem Koran als Verfassung, das reicht uns“, hatte Aweys gesagt.

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Quelle: F.A.Z.

 
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