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Salva Kiir gegen Riek Machar : Putschversuch in Südsudan

Juba: Präsident Salva Kiir gibt den Putschversuch bekannt. Bild: REUTERS

Die südsudanesische Regierung hat offenbar einen Putschversuch vereitelt. Präsident Kiir sagte, sein ehemaliger Kampfgefährte und Stellvertreter Riek Machar habe ihn stürzen wollen.

          Der südsudanesische Präsident Salva Kiir hat am Montag eigenen Angaben zufolge einen Putschversuch seines ehemaligen Stellvertreters, Riek Machar, abgewehrt. „Es hat einen Putschversuch gegeben, er ist gescheitert und wir kontrollieren die Situation“, sagte Kiir am Montagmorgen im Staatsfernsehen. Gleichzeitig ordnete er „bis auf weiteres“ eine Ausgangssperre in der Hauptstadt Juba an.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Die ganze Nacht zum Montag über waren in Juba schwere Gefechte zu hören gewesen, die sich offenbar auf militärisch wichtige Einrichtungen wie Kasernen und Versorgungsdepots konzentrierten. Die Gefechte, bei denen nach Angaben von Mitarbeiter der UN-Mission in Juba offenbar auch schwere Waffen bis hin zu Artillerie eingesetzt wurden, ebbten erst gegen Mittag an. Wie viele Opfer die Kämpfe gefordert haben, ist unklar. Nach Angaben von Kiir hatten Gefolgsleute des ehemaligen stellvertretenden Präsidenten Machar das Hauptquartier der südsudanesischen Armee bereits am Sonntagabend angegriffen.

          Eine der schillerndsten Figuren Sudans

          Über den Verbleib von Machar liegen keine Angaben vor.  In der erst 2011 unabhängig geworden Republik Südsudan ist seit geraumer Zeit ein Machtkampf im Gange, der sich auf Präsident Kiir und seinen ehemaligen Stellvertreter Machar zu konzentrieren scheint. Im Frühjahr hatte Machar angekündigt, bei den Wahlen 2015 gegen Kiir kandidieren zu wollen. Als Reaktion darauf hatte Kiir im Juli das gesamte Kabinett entlassen, darunter auch Machar. Offiziell wurde die Auflösung der Regierung mit mangelnder Kompetenz der Minister erklärt.

          Riek Machar ist eine der schillerndsten Figuren Sudans. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern der ehemaligen Rebellengruppe „Sudan People’s Liberation Movement“ (SPLM), die 1983 den Sezessionskrieg gegen das Regime in Khartum aufnahm. 1991 aber stellte sich Machar gegen den damaligen Rebellenführer John Garang, dem er autoritäre Züge unterstellte, und schloss sich mit seinen Kämpfer Khartum an. Machar wollte damals die Unabhängigkeit Südsudans, während Garang glaubte, der beste Weg zur Aussöhnung mit dem Norden sei eine Föderation mit Khartum.

          Dahinter steckte aber die alte Rivalität der beiden größten Ethnien in Südsudan, Dinka und Nuer. Die Dinka beanspruchen seit jeher eine Führungsrolle, sowohl damals in der Rebellenbewegung, als auch heute innerhalb der südsudanesischen Regierung. Garang war ein Dinka, ebenso wie Kiir einer ist. Machar hingegen gehört dem Volk der Nuer an, die sich von den Dinkas benachteiligt fühlen. Unter anderem wird Machar für das „Massaker von Bor“ verantwortlich gemacht, bei dem seine Kämpfer im Jahr 1991 etwa 2000 Dinka-Zivilisten ermordeten. Nach dem Friedensschluss zwischen Nord- und Südsudan im Jahr 2000, der fünf Jahre später in die Unabhängigkeit münden sollte, schloss sich Machar allerdings wieder der SPLM an. Sowohl Garang als auch sein Nachfolger Kiir wollten damit demonstrieren, dass Südsudan ethnisch geeint ist. Genau das hatte Khartum immer bestritten und als Vorwand benutzt, Südsudan keine Autonomie zu gewähren.

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