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Schwulen-Hass in Afrika : Stellvertreterkrieg der Megakirchen

Ugandische Demonstranten für die Todesstrafe: Im Kampf gegen die „schwule Weltverschörung“ Bild: AFP

Amerikanische Evangelikale nehmen immer mehr Einfluss auf die Politik in Afrika. Ihr Programm ist radikal und schwulenfeindlich. Dabei geht es den Hass-Predigern um Einfluss und Macht.

          Es waren zwei denkwürdige Tage in jenem März 2009, als Tausende Ugander in das „Triangle Hotel“ in Kampala strömten, um einem Seminar zu lauschen, das den Titel „Die Agenda der Homosexuellen enttarnen“ trug. Veranstalter war die ugandische Freikirche „Family Life Network“. Das Fazit der Veranstaltung war: Die Homosexuellen seien dabei, eine Weltherrschaft zu errichten.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Hauptredner des Seminars war der bei den Rechtsauslegern unter den amerikanischen Freikirchen bestens bekannte Scott Lively. Der Jurist und Holocaust-Revisionist ist Präsident einer evangelikalen Lobbygruppe namens „Verteidigung der Familie“ und Autor des Buches „Das rosa Hakenkreuz“. Darin erklärt Lively Nationalsozialismus und Holocaust zur schwulen Weltverschwörung. Was er an jenem Tag in Kampala zu sagen hatte, überraschte deshalb niemanden: Die traditionellen Familienwerte Afrikas seien in Gefahr, von der „weltweiten Bewegung“ der Homosexuellen vernichtet zu werden. Diese Botschaft verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch das Land – schließlich ist die Hälfte der 35 Millionen Einwohner Ugandas Mitglied einer Freikirche.

          Todesstrafe für Homosexuelle: Formfehler statt Verfassungsbruch

          Wenige Tage nach dem Seminar traf sich Lively mit ugandischen Parlamentariern und Regierungsvertretern und referierte vier Stunden über den angeblichen schwulen Kulturkampf. Kurz darauf reichte ein ugandischer Hinterbänkler im Parlament einen Gesetzesentwurf ein, der die Todesstrafe für „homosexuelle Handlungen“ forderte.

          Das Gesetzesvorhaben wurde nach internationalem Druck schließlich abgeschwächt und die Höchststrafe auf lebenslänglich begrenzt. Zudem kassierte das ugandische Verfassungsgericht das Gesetz vor zwei Wochen – aber nicht, weil es gegen die Verfassung verstößt, sondern wegen Formfehlern bei der Abstimmung. Lively hat sich seither von dem ersten, drastischen Gesetzesentwurf distanziert. Seine Anti-Homosexuellen-Propaganda aber wollte der evangelikale Lobbyist nicht zurücknehmen.

          Die Episode aus Uganda ist nur ein Beispiel von vielen, wie ultrarechte amerikanische Freikirchen Einfluss auf die afrikanische Politik nehmen. Es geht dabei um die Vermittlung der angeblich wahren Werte, es geht um Einfluss, um das Werben neuer Anhänger. Und es geht dabei nicht zuletzt um sehr viel Geld.

          Megachurches: Schwulen-Hass als Markenkern

          Die Freikirchen boomen in Afrika. Beispiel Kenia: Bis zu 60 Zulassungsanträge gehen den Behörden dort monatlich zu. 10.000 registrierte Glaubensgemeinschaften gibt es dort bereits und angeblich 50.000 Kirchen. Kritiker sprechen von einer „christlichen Industrie“, die Milliardenumsätze erwirtschaftet. Im Gegensatz zum Heilsversprechen im Jenseits, wie es die katholische Kirche predigt, versprechen die Pfingstkirchen Wohlstand im Diesseits – und verlangen dafür finanzielle Beiträge. Die Führer der „Megachurches“ in Nigeria etwa reisen mit privaten Flugzeugen durch das Land.

          Amerikanische Pfingstkirchen hatten lange Zeit kaum Einfluss auf diese mit Gold behängten afrikanischen Prediger, denen es in erster Linie um das Anhäufen des eigenen Vermögens ging. Das hat sich allerdings geändert, seit Leute wie Lively und Rick Warren, der Führer der kalifornischen „Saddleback Church“, den Kampf gegen Homosexualität zu einer Überlebensfrage für die afrikanische Gesellschaft erklärt haben.

          Warren ist das Paradebeispiel für den Einfluss amerikanischer Prediger auf die Politik in Afrika. Laut Kapya Kaoma, einem anglikanischen Priester aus Sambia, der den Einfluss der Freikirchen untersucht hat, genießt Warren in den Ländern, in denen seine Kirche aktiv ist, unmittelbaren Zugang zu den Mächtigen. Warrens enge Beziehung zu der Frau des ugandischen Präsidenten Museveni ist weithin bekannt.

          Gängelung von Schwulen – ein „Leben mit Vision“?

          Dabei hat sich Warren durchaus Verdienste in Afrika erworben. In Uganda, Kenia, Ruanda und Nigeria hat seine „Saddleback Church“, eine der zehn größten Kirchengemeinden der Vereinigten Staaten, hohe Summen in Schulbildung und den Kampf gegen Aids gesteckt. Das macht sie glaubwürdig. Warrens Buch „The Purpose Driven Life“, das auf Deutsch unter dem Titel „Leben mit Vision“ erscheint, ist ein Bestseller auf dem afrikanischen Kontinent.

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