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Putschisten greifen Gegner an : Schießerei unter malischen Soldaten in Bamako

Ein malischer Soldat vor einer brennenden Straßensperre, die vor der Kaserne der „Berets rouges“ errichtet wurde. Bild: AP

Bei Kämpfen zwischen Anhängern und Gegnern der Putschisten in Mali sind viele Menschen zum Teil schwer verletzt worden. In Gao sprengte sich erstmals ein Attentäter in die Luft. Französische Truppen erreichten derweil Aguelhok und Tessalit.

          Rivalisierende Einheiten der malischen Armee haben sich am Freitag in der Hauptstadt Bamako eine Schießerei geliefert. Dabei wurden nach ersten Berichten etliche Personen zum Teil schwer verletzt. Die Kämpfe trugen sich rund um die Kaserne der „Berets rouges“ (Roten Barette) zu, einer Eliteeinheit von Fallschirmjägern, die sich vom Militärputsch gegen Präsident Amadou Toumani Touré im März des vorigen Jahres distanziert hatte. Seitdem dürfen die Soldaten der Einheit die Kaserne nur einzeln verlassen. Bei den Angreifern soll es sich um Anhänger des Putschführers Hauptmann Amadou Sanogo handeln. Der Stadtteil, in dem die Kaserne liegt, blieb seit den frühen Morgenstunden abgeriegelt. Für Freitag waren in Bamako die ersten europäischen Soldaten der geplanten EU-Ausbildungsmission für die malische Armee erwartet worden.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Die Kämpfe haben offensichtlich mit dem Versuch des malischen Generalstabschefs Tahirou Dembélé zu tun, das Bataillon aufzulösen. General Dembélé hatte zu Beginn der Woche in einer Fernsehansprache Kampfeinsätze der bislang untätig in Bamako herumsitzenden Fallschirmjäger gegen die Dschihadisten im Norden angekündigt. Dafür sollen die Soldaten aber auf andere Einheiten verteilt werden. Die Auflösung des Fallschirmjägerbataillons sei mit deren Kommandeur verabredet, sagte Dembélé. In der Nacht auf Freitag aber weigerten sich die „Berets rouges“, ihre Kaserne zu verlassen.

          Gao: Reste des Motorrads, mit dem der Selbstmordanschlag verübt wurde

          Sie gaben Warnschüsse ab, woraufhin ihr Lager von anderen Einheiten umstellt und angegriffen wurde. Die Fallschirmjäger verstehen sich als republikanische Einheit, wenngleich ihre Unterstützung für den gestürzten Präsidenten vermutlich mehr mit dessen Werdegang zu tun hat: Touré war vor seiner politischen Karriere selbst Fallschirmjäger-General gewesen. Die „Berets rouges“ hatten rund einen Monat nach seiner Absetzung versucht, den Putschisten die Macht zu entreißen. Bei den zwei Tage dauernden Kämpfen waren mehr als zwanzig Personen ums Leben gekommen. Das Bataillon war danach weitgehend entwaffnet worden. Von den 1200 Soldaten aber haben bislang nur rund 400 einer Versetzung in eine andere Einheit zugestimmt. Die restlichen 800 Soldaten verweigern dem Generalstab nach wie vor den Gehorsam.

          Selbstmordanschlag in Gao

          Am Freitag entkam in der nordmalischen Stadt Gao eine Patrouille der malischen Armee nur knapp einem Bombenanschlag. Nach Angaben der örtlichen Gendarmerie hatte ein Selbstmordattentäter versucht, sich den Soldaten zu nähern, und dabei seinen Sprengstoffgürtel gezündet.

          Der Attentäter sei sofort tot gewesen, auf Seiten der Soldaten sei nur ein Leichtverwundeter zu beklagen. Nach unbestätigten Informationen soll es sich bei dem Attentäter um einen Targi gehandelt haben. Es war das erste Selbstmordattentat seit Beginn des französischen Feldzuges gegen die malischen Dschihadisten vor rund vier Wochen. Zu Beginn der Woche waren bei zwei Zwischenfällen auf der Straße von Gao nach Douentza insgesamt vier malische Soldaten ums Leben gekommen, als ihre Fahrzeuge auf Minen gefahren waren. Die Extremistengruppe „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (Mujao) hatte sich sowohl des Selbstmordattentats als auch der beider Sprengfallen bezichtigt.

          Malische Soldaten mit Gefangenen, die für die islamistischen Rebellen gearbeitet haben sollen

          Derweil rückten französische und tschadische Soldaten am Freitag in Aguelhok und Tessalit an der Grenze zu Algerien ein. Beide Ortschaften liegen in den Ausläufern des Gebirgszuges Adrar des Ifoghas, in dem sowohl die Reste der Islamistengruppen als auch die sieben von ihnen festgehaltenen französischen Geiseln vermutet werden. Bei Ausbruch der Rebellion im Januar des vorigen Jahres war der Militärstützpunkt von Aguelhok der erste, der von den Tuareg und den mit ihnen verbündeten Islamisten überfallen und erobert wurde. Dabei waren 100 malischen Soldaten die Kehlen durchgeschnitten worden, obwohl sie sich längst ergeben hatten. Nach dem Massaker tauchte ein Video aus Aguelhok auf, in dem Führer der Islamistengruppe Ansar al Dine, Iyad ag Ghaly, zu sehen ist, wie er die Leichen der Massakrierten inspiziert. Das Massaker von Aguelhok hatte in der Hauptstadt Bamako zu pogromartigen Ausschreitungen gegen die dort lebenden Tuareg geführt und war der maßgebliche Grund für den kurz darauf erfolgten Militärputsch, weil Teile der Armee dem Präsidenten Unfähigkeit im Kampf gegen die Islamisten vorgeworfen hatten.

          Die algerische Zeitung „El Watan“ meldete am Freitag unter Berufung auf die Armee die Festnahme von zwei mutmaßlichen Mitgliedern der Terrorgruppe „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqim) im Grenzgebiet zu Mali. Die Männer seien in einem mit Munition und Sprengstoff beladenen Geländewagen unterwegs gewesen, als sie von einer Spezialeinheit der Armee gefasst wurden.

          Mali

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