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Veröffentlicht: 15.05.2015, 19:07 Uhr

Burundi Der gescheiterte Putsch

Burundis Präsident Nkurunziza ist zwar weiter im Amt - doch der Preis dafür ist hoch. Der Putschversuch war von der Bevölkerung nicht als Bedrohung, sondern als Befreiung von einem Regime verstanden worden.

von , Johannesburg
© Reuters Anhänger des burundischen Präsidenten Kkurunziza tragen sein Konterfei durch die Straßen der Hauptstadt Bujumbura, nachdem der Putsch gegen ihn gescheitert ist.

Nicht einmal 24 Stunden haben sich die Putschisten in Burundi an der Macht halten können. Am Donnerstagabend musste deren Nummer zwei, der General und ehemalige Verteidigungsminister Cyrille Ndayirukiye, die Niederlage gegen regierungstreue Truppenteile eingestehen. „Ich gebe zu, unsere Bewegung ist gescheitert, weil es innerhalb der Armee einen großen Willen gibt, das System am Leben zu halten“, sagte Ndayirukiye. Trotzdem wollte er kurz vor seiner Festnahme am Donnerstag dem Putschversuch auch eine gute Seite abgewinnen: „Wir haben bewiesen, dass die Armee nichts weiter als ein Anhängsel der Regierungspartei ist.“ Die Offiziere hatten Präsident Pierre Nkurunziza durch den Putschversuch an einer dritten Amtszeit hindern wollen, die ihrer Meinung nach verfassungswidrig ist.

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Während der Anführer des Putsches, General Godefroid Niyombare, offenbar untertauchen konnte, sitzt Ndayirukiye mit zwei weiteren Putschoffizieren in Haft. Die Polizei in der Hauptstadt Bujumbura beeilte sich am Freitag zu versichern, dass den Festgenommenen kein Haar gekrümmt worden sei und dies auch nicht geschehen werde. „Sie werden sich vor einem Gericht verantworten müssen“, zitierte die Nachrichtenagentur AFP einen Polizeioffizier.

Das Letzte, was Präsident Nkurunziza jetzt gebrauchen kann, sind Märtyrer. Denn der Putschversuch war in Bujumbura nicht als Bedrohung, sondern als Befreiung von einem Regime verstanden worden, das sich unter allen Umständen an der Macht halten will. Nkurunziza, der sich zum Zeitpunkt des Putschversuches im Ausland aufgehalten hatte, war bereits am Donnerstagabend offenbar mit einem Hubschrauber aus Tansania nach Burundi zurückgekehrt.

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Die politische Krise bedroht den im Jahr 2000 eingeleiteten Friedensprozess, aus dem auch Nkurunzizas Präsidentschaft hervorgegangen ist. Er war im Jahr 2005 vom Parlament zum Staatschef gewählt worden und hatte 2010 allgemeine Wahlen gewonnen. Vor Nkurunzizas Amtszeit hatten sich ein Tutsi und ein Hutu das Präsidentenamt geteilt, und diese Teilung war der Grundstein gewesen für die zaghafte Versöhnung der verfeindeten Volksgruppen. Das mühsam aufgebaute Vertrauen hat Nkurunziza zerstört und Burundi damit um zehn Jahre zurückgeworfen. Dennoch hielten die Regierungen der benachbarten Staaten und auch Washington in den vergangenen beiden Tagen an dem Präsidenten fest. Nkurunziza sei aus Sicht Amerikas der „legitime Präsident“, erklärte am Freitag ein Sprecher des State Department. Zu Beginn dieser Woche hatte Washington den Präsidenten noch aufgefordert, auf eine dritte Amtszeit zu verzichten.

Die burundische Zivilgesellschaft rief am Freitag dazu auf, die Massenproteste gegen Nkurunziza wiederaufzunehmen. „Wir haben diese nur unterbrochen, weil auf den Straßen die Kugeln flogen. An unserer Absicht, Nkurunziza loszuwerden, hat das nichts geändert“, sagte der Aktivist Vital Nshimirimana. Einen ersten Versuch, abermals gegen den Präsidenten zu demonstrieren, beendete die Polizei am Freitag mit Warnschüssen. Mehr als 100.000 Burundier sind seit Beginn der Auseinandersetzungen vor rund einem Monat außer Landes geflohen.

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