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Pannen und Gewalt : Technische Probleme verzögern Wahl in Nigeria 

  • Aktualisiert am

Auch Nigerias Präsident Goodluck Jonathan musste warten, bis er seine Stimme abgeben konnte. Bild: AP

Die von Gewalt überschattete Wahl in Nigeria geht in die Verlängerung. In 300 Wahllokalen wird wegen Schwierigkeiten bei der Wählererfassung erst am Sonntag gewählt. 

          Die von Gewalt und Pannen überschattete Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Nigeria geht am Sonntag in die Verlängerung. In 300 Wahllokalen muss die Abstimmung nachgeholt werden, da das System zur elektronischen Wählerregistrierung am Vortag nicht funktionierte. Bei Anschlägen, die der Islamistenmiliz Boko Haram zugerechnet wurden, starben mindestens sieben Menschen. Am Freitag hatten die Extremisten nach Angaben eines Abgeordneten im Nordosten Nigerias 23 Menschen enthauptet.

          In einigen Wahlbezirken musste die Abstimmung wegen technischer Probleme bei der elektronischen Erfassung von Wählern ausgesetzt werden. In 300 der insgesamt 150.000 Wahllokale kann die Abstimmung erst am Sonntag erfolgen. Nach Angaben der Wahlkommission gab es dort Schwierigkeiten mit den Kartenlesegeräten zur Registrierung der Wähler.

          „Nationale Peinlichkeit“

          Der Chef der Wahlkommission, Attahiru Jega, nannte den Vorfall „bedauerlich und eine nationale Peinlichkeit“. Insgesamt sei der Ablauf der Wahl aber zufriedenstellend, die Beteiligung sei „ziemlich hoch“ gewesen. Die Bekanntgabe des Wahlergebnisses, das eigentlich binnen 48 Stunden nach Schließung der Wahllokale vorliegen sollte, wird sich wegen der technischen Pannen wohl verzögern.

          Neue Anschläge von Boko Haram : Pannen und Gewalt begleiten Wahlen in Nigeria

          Knapp 70 Millionen Menschen hatten sich in die Wahllisten eingetragen. Ernsthafte Chancen wurden nur dem christlichen Amtsinhaber Goodluck Jonathan aus dem Süden und dem Muslim Muhammadu Buhari, einem ehemaligen Putschgeneral aus dem Norden, eingeräumt. Buhari hatte in den Jahren 1983 bis 1985 schon einmal an der Staatsspitze gestanden.

          Sollte der 57 Jahre alte Amtsinhaber Jonathan tatsächlich unterliegen, wäre es der erste Wahlsieg der Opposition seit der Rückkehr des westafrikanischen Lands zur Demokratie 1999.

          360.000 Polizisten im Einsatz

          Nigeria ist mit 173 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Rund um die Wahl waren etwa 360.000 Polizisten im Einsatz, um Zusammenstöße zwischen Anhängern der großen politischen Lager zu
          verhindern. Bei der letzten Wahl 2011 kamen dabei Schätzungen zufolge
          rund 1000 Menschen ums Leben.

          Unter Jonathan stieg Nigeria nach Jahrzehnten politischer Instabilität zwar zu Afrikas größter Wirtschaftsmacht auf, doch gelang es dem Präsidenten nicht, Boko Haram zu stoppen. Der Urnengang musste wegen des Vormarschs der Islamisten im Norden des Landes um sechs Wochen verschoben worden. In den Wochen vor der Wahl meldete die nigerianische Armee allerdings Erfolge im Kampf gegen die Extremisten.

          Gewalt im Nordosten

          Dennoch gab es am Samstag neue Gewalt: Zwei Angriffe ereigneten sich laut Bewohnern und einem Wahlhelfer in den Dörfern Birin Bolawa und Birin Fulani im nordöstlichen Bundesstaat Gombe. Dem Wahlhelfer zufolge riefen die Angreifer: „Wir haben euch davor gewarnt, zur Wahl zu gehen!“ Bei weiteren Anschlägen wurden fünf Menschen getötet. Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau hatte mit Anschlägen auf Wahlbüros gedroht. Die Islamisten halten demokratische Wahlen für „unislamisch“.

          Am Vorabend der Wahl hatten mutmaßliche Boko-Haram-Kämpfer im Nordosten des Landes nach Angaben eines örtlichen Abgeordneten Dutzende Menschen enthauptet.

          Bild: DPA

          Boko Haram kämpft mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit dem Jahr 2009 tötete die Gruppe bei Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 13.000 Menschen. Das nigerianische Militär wird im Kampf gegen Boko Haram mittlerweile von Truppen aus den Nachbarländern Kamerun, Niger und Tschad unterstützt.

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