http://www.faz.net/-gq5-7adzs

Nelson Mandela ist tot : Ikone der Freiheit

Nelson Mandela (1918-2013) Bild: Frank Röth

Nelson Mandela wurde schon zu Lebzeiten zu einer Legende. In seinem Bemühen um friedlichen Ausgleich und Versöhnung war er nur mit Mahatma Gandhi zu vergleichen. Südafrika hat seinen „größten Sohn“ verloren.

          Nelson Mandela ist tot. Der ehemalige südafrikanische Präsident und Friedensnobelpreisträger starb am Donnerstag im Alter von 95 Jahren in seinem Wohnhaus in der Hauptstadt Johannesburg. „Unsere Nation hat ihren größten Sohn verloren“, sagte Südafrikas Präsident Jacob Zuma am späten Donnerstagabend in Johannesburg in einer landesweit übertragenen Fernsehansprache. Er sei friedlich dahingeschieden. „Nelson Mandela brachte uns zusammen und zusammen nehmen wir Abschied von ihm“, sagte Zuma. „Madiba“, wie Mandelas Clan-Name lautet, soll in seinem Heimatort Qunu im Südosten des Landes beigesetzt werden.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Mandela war in den vergangenen Monaten mehrfach wegen Lungenproblemen, die von einer nie ganz ausgeheilten Tuberkulose aus seiner Zeit als Häftling auf Robben Island herrührten, stationär behandelt worden. Seine letzten Wochen hatte der Friedensnobelpreisträger im Kreis seiner Familie verbracht.

          Anfang Juni hatte sich sein Zustand derart verschlechtert, dass er auf der Intensivstation eines privaten Krankenhauses in Pretoria behandelt werden musste. Als sein Gesundheitszustand Mitte Juni als „kritisch“ bezeichnet worden war, hatte sich das Krankenhaus in eine regelrechte Wallfahrtsstätte verwandelt, vor der Tausende Südafrikaner Genesungswünsche hinterließen.

          © ZDF

          Zwar hatten die diversen Krankenhausaufenthalte von Mandela in den vergangenen Monaten und vor allem die letzten öffentlichen Bilder vom April, die einen schwerkranken alten Mann zeigten, die Bevölkerung darauf vorbereitet, bald von ihrer nationalen Ikone Abschied nehmen zu müssen. Dennoch war die Nachricht seines Todes für viele Südafrikaner ein Schock.

          Regierungspartei ANC: "Nicht verzweifeln"

          Die Führer der Freiheitsbewegung und heutigen Regierungspartei African National Congress (ANC) würdigten Mandela als Giganten. „Er war der Inbegriff von Demut, Gleichheit, Gerechtigkeit, Frieden und der Hoffnung von Millionen, hier und im Ausland“, hieß es in einer von südafrikanischen Medien verbreiteten Erklärung. Der ANC rief die Landsleute auf, nicht zu verzweifeln. „Er lebt in jedem von Euch und in Euren Häusern weiter, weil er sein Leben an uns alle gegeben hat.“

          Gleichzeitig aber zeigten sich viele, auch in sozialen Medien wie Facebook und Twitter, erleichtert darüber, dass Mandelas Leiden nun ein Ende gefunden hat. Mehr als 100 Menschen kamen in der Nacht zum Freitag auf der Straße vor Mandelas Haus im Vorort Houghton zusammen, um Lieder zu singen und zu tanzen. Einige brachten ihre Kinder mit.

          Der lange Weg zur Freiheit: Nelson und Winnie Mandela verlassen das Verster-Gefängnis bei Kapstadt am 11. Februar 1990. Bilderstrecke
          Der lange Weg zur Freiheit: Nelson und Winnie Mandela verlassen das Verster-Gefängnis bei Kapstadt am 11. Februar 1990. :

          Insbesondere die letzten Bilder von ihm, auf denen ein offensichtlich verwirrter Mandela zusammen mit dem feixenden Präsident Jacob Zuma zu sehen ist, hatten zu einem Sturm der Entrüstung im Land geführt, der in der Forderung gipfelte, Mandela solle in Würde sterben dürfen. Als er Anfang Juni abermals in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, hatte eine Gruppe ehemaliger Mithäftlinge aus Mandelas Zeit auf Robben Island an die Familie appelliert, ihn „endlich gehen zu lassen, damit Gott sich um ihn kümmern kann“. Seit dem 20. Juni wurde Mandela künstlich beatmet, was zu Gerüchten geführt hatte, er werde nur deshalb am Leben gehalten, um einen reibungslosen Verlauf des Besuchs des amerikanischen Präsidenten Barack Obama zu gewährleisten. Obama hatte Südafrika vom 28. Juni bis zum 1. Juli besucht.

          Weitere Themen

          Reus zeigt sich in WM-Form

          Borussia Dortmund : Reus zeigt sich in WM-Form

          Der BVB rehabilitiert sich mit einer 4:0-Gala eindrucksvoll für die Derby-Pleite auf Schalke. Vor allem Reus und Sancho glänzen. Selbst Götze nutzt seine Chance. Doch es gibt auch einen Verlierer.

          Topmeldungen

          Technik-Wettlauf : Ein Weckruf für die Zukunft Europas

          Die Bilanz der Vordenker der Europäischen Kommission zum Stand der Künstlichen Intelligenz in der EU fällt ernüchternd aus. China und Amerika haben demnach überholt. Eine Chance gibt es aber noch.

          Amokfahrt in Toronto : Getrieben vom Hass auf Frauen?

          Ermittler haben Hinweise darauf gefunden, dass der Amokfahrer von Toronto von einem kalifornischen Amokläufer fasziniert war. Der hatte Grässliches über Frauen geschrieben.
          „Unchristlich“ nennt Boris Pistorius (SPD), Innenminister von Niedersachsen, das „Feilschen“ um den Zuzug einiger Familienangehöriger von Flüchtlingen.

          Große Koalition : Streit über Familiennachzug spitzt sich zu

          Union und SPD können sich nicht auf Quoten für den Nachzug Angehöriger von subsidiär geschützten Bürgerkriegsflüchtlingen einigen. Niedersachsens Innenminister Pistorius spricht von ermüdenden Spielchen der CSU.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.