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Veröffentlicht: 03.07.2013, 11:02 Uhr

Nelson Mandela Erbenstreit am Totenbett

Während Nelson Mandela im Krankenhaus mit dem Tod ringt, beschäftigen sich seine Kinder und Enkel schon mit der Zeit danach. Sie wollen mit dem Namen ihres berühmten Verwandten Geld verdienen - und ziehen vor die Gerichte.

von , Pretoria
© REUTERS Ein Poster mit Genesungswünschen für Nelson Mandela vor der Klinik in Pretoria, in dem er behandelt wird

Lucky Dube, der viel zu früh verstorbene südafrikanische Reggae-Star, sang einst in einem seiner Lieder: „Du suchst dir deine Freunde aus, für deine Familie kannst Du nichts“. Ob der 2007 in Johannesburg von Räubern ermordete Dube damit den Mandela-Clan meinte, ist nicht überliefert. Wundern würde dies allerdings nicht angesichts des Streits innerhalb der „Mandela Inc.“, der von Menschen mit überhöhtem Selbstbewusstsein und handfesten wirtschaftlichen Interessen befeuert wird. Inzwischen streitet die Familie vor Gericht, wo Nelson Mandela dereinst begraben werden soll, während der gleichzeitig mit dem Tod ringt. Konkret geht es bei dem Streit um die Gebeine von drei verstorbenen Kindern Mandelas - Thembekile, Makaziwe und Makgatho -, die in Mandelas Heimatort Qunu beigesetzt worden waren und die dessen Enkel Mandla Mandela vor Jahresfrist in das benachbarte Mveso umbetten ließ. Die älteste Tochter des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten, Mandlas Tante Makaziwe (Mandela hat zwei Töchter dieses Namens), klagt inzwischen auf Herausgabe dieser Gebeine.

Thomas Scheen Folgen:

Mandla Mandela arbeitet seit geraumer Zeit an der Vermarktung des großen Familiennamens. In Mvezo baut er gegenwärtig ein kleines Museum für seinen Großvater, ein Hotel ist ebenfalls in Planung. Am wichtigsten ist es Mandla aber, das Grab seines Großvaters und damit die zu erwartenden Pilgerströme zu kontrollieren. Nelson Mandela hat offenbar testamentarisch verfügt, sein künftiges Grab mit seinen verstorbenen Kindern zu teilen. Da Mandlas Versuche, am Grab der Kinder in Qunu Land zu kaufen, am Widerstand der Dorfältesten scheiterten, holte er die Gebeine kurzerhand nach Mvezo.

Ende vergangener Woche erwirkte Makaziwe Mandela im Namen des Restes der Großfamilie einen richterlichen Eilbeschluss, der ihren Neffen Mandla dazu zwingt, die Gebeine zurück nach Qunu zu bringen. Als Rechtsbeistand hat Makaziwe ausgerechnet Wesley Hayes ausgesucht, der einst Mandlas erste Frau, Tando Mabunu-Mandela, bei der Scheidung vertrat. Mandla musste daraufhin unter anderem die Hälfte des Hochzeitsgeschenk seines Großvaters, nämlich 300.000 Euro in bar, an „lovely Tando“ abtreten, wobei niemand die naheliegende Frage zu stellen wagte, woher Nelson Mandela eigentlich so viel Geld hatte.

Privatbesitz, Staatsbesitz, ganz egal

Die Zustellung des richterlichen Beschlusses aber scheiterte am Dienstag an einem Zaun, den Mandla über das Wochenende um die Grabstätten seiner Familienmitglieder hatten ziehen lassen und hinter dem er sich jetzt verschanzt. Dabei gehört ihm das Land nicht einmal. Es ist vielmehr im Besitz des Mveso Development Fund und damit Regierungseigentum. Mandla Mandela ist Vorsitzender dieser Stiftung, verwechselt aber offenbar fremdes Eigentum mit dem eigenen.

Mandela Funeral © Getty Images Vergrößern Trauer um den eigenen Sohn: Die Beerdigung von Makgatho Mandela im Januar 2005. Um seine Gebeine streiten sich nun Mandelas Verwandte.

Diese Eigenart aber ist auch seiner streitbaren Tante Makaziwe nicht ganz fremd, dem einzigen überlebenden Kind aus Mandelas erster Ehe mit Evelyn Mase. Zusammen mit ihrer Halbschwester Zenani Madikizela-Mandela, einer Tochter aus der Ehe mit Winnie Madikizela und derzeit südafrikanische Botschafterin in Argentinien, klagt Makaziwe auf die Herausgabe der Einlagen des Nelson-Mandela-Funds, die auf zwei Holdings verteilt sind, die Harmonieux Investment Holding und die Magnifique Investment Holding. Sie haben ein geschätztes Volumen von rund einer Million Euro. Die beiden Holdings aber werden von ehemaligen Weggefährten Mandelas verwaltet. Darunter ist der 84 Jahre alte Rechtsanwalt George Bizos, der Mandela einst vor Gericht verteidigte. „Diese Frau verlangt ohne spezifische Begründung Geld, um es an Familienmitglieder zu verteilen“, sagte Bizos über das Ansinnen Makaziwes und erhob eine Widerklage gegen Mandelas älteste Tochter.

Flut von Genesungswünschen

Makaziwe braucht Geld. Sie ist Teilhaberin einer Weinhandlung namens „House of Mandela“. Sie musste gerade feststellen, dass auch ein großer Name auf dem Etikett nicht von der schlechten Qualität des Weins ablenken kann.

Derweil schwillt vor dem Hospital in Pretoria, in dem Mandela seit Anfang Juni auf der Intensivstation liegt, die Flut der Genesungswünsche nicht ab. Mal ist es die Bereitschaftspolizei von Pretoria, die dem großen alten Mann ein Liedchen singt, dann wieder taucht ein Vertreter der Metallindustrie auf, um Blumen niederzulegen. Der südafrikanische Präsident Jacob Zuma sagte am Dienstag, das Land solle sich auf Mandelas 95. Geburtstag am 18. Juli vorbereiten. Warum er das sagt, erschließt sich indes kaum noch jemandem. Mandela wird seit neun Tagen künstlich beatmet und an seinem Gesundheitszustand hat sich seither nichts geändert. Der gilt nach wie vor als „kritisch“.

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Quelle: F.A.Z.

 

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