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Mali Nachts kommen die Hubschrauber

 ·  Die Befreiung Diabalis zeigt, wie die Franzosen der malischen Armee aus der Luft den Weg nach Norden freischießen. Die Malier haben Schwierigkeiten, das französische Tempo mitzugehen.

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© AFP Vergrößern Ein französischer Hubschrauber startet von einem improvisierten Startplatz aus in den Einsatz im nördlichen Mali.

Von dem Pick-up ist nur noch ein ausgebranntes und verbogenes Wrack übrig. Der Motorblock ist durch die Wucht der Explosion aus seinen Halterungen gerissen worden, die zwei Läufe des Flugabwehrgeschützes auf der Ladefläche sind grotesk verbogen. Acht solcher Gerippe stehen in den engen Gassen von Diabali, darunter ist auch ein Fahrzeug, das ein Kennzeichen der malischen Armee trägt und offenbar von den radikalen Islamisten zuvor erbeutet worden war. Auf dem Boden verstreut liegen 60-Millimeter-Geschosse, verbogene Panzerfäuste, Kisten mit Gewehrpatronen. „Wir sind heilfroh, dass die Islamisten endlich weg sind“, sagt Sidi Ba, der zusammen mit einem Dutzend anderer Dorfbewohner die verkohlten Pritschenwagen begutachtet.

Eine Woche lang war Diabali rund 400 Kilometer nördlich der malischen Hauptstadt Bamako Frontverlauf. Vier Tage lang hatten sich die Islamisten in Diabali verschanzt, sich in den Häusern der Bewohner und der Kirche versteckt. Sie hatten ihre Fahrzeuge unter Planen getarnt, unter Bäumen versteckt und in Hinterhöfen. Bis sie Ende vergangener Woche nach drei Tagen dauernden Angriffen französischer Kampfhubschraubern abzogen. Wie viele es waren? Sidi Ba weiß es nicht. „500 Mann, vielleicht auch 800“, sagt der Lehrer. Am Montagmorgen vergangener Woche waren sie mit rund 100 Fahrzeugen in Diabali aufgetaucht, hatten den Posten der malischen Armee am Ortsausgang in Richtung Niono angegriffen und die Soldaten in die Flucht geschlagen. Und ein paar Tage lang sah es so aus, als ob die Dschihadisten tatsächlich in der Lage wären, neben Konna weiter westlich eine zweite Front in Diabali zu eröffnen. Die französische Armee, die eigentlich noch in Konna beschäftigt war, brachte hastig 60 Radpanzer und gepanzerte Truppentransporter der im Rahmen der „Opération Licorne“ in der Elfenbeinküste stationierten Einheiten nach Mali, um die Extremisten an einer Überquerung des Niger zu hindern.

Diabali ist eines jener typischen Saheldörfer, von denen es Hunderte entlang des Niger-Flusses gibt: Kleine, geduckte Lehmhäuser ohne Fenster, schattige Innenhöfe, staubige Gassen, kein Strom. 3000 Einwohner leben in diesem Kaff, dessen Namen man vermutlich schon an der Ortsausfahrt wieder vergessen hätte. Doch Diabali liegt strategisch günstig. Weiter südlich, in Markala, führt eine Eisenbrücke über den Niger-Fluss. Dahinter ist die Straße frei bis Bamako.

„Sie haben uns gesagt, wir sollen uns ruhig verhalten“, erinnert sich der Lehrer Sidi an die Ankunft der Islamisten. Und damit das auch jeder begriff, hatten sie noch in den ersten beiden Stunden ein paar Einwohner erschossen. Sidi Ba weiß nicht, ob die Dschihadisten, zur Gruppe „Ansar al Dine“ oder Al Qaida gehörten. Er zuckt mit den Schultern und sagt:. „Ich glaube, die waren alle vermischt“. Waren es Araber, Tuareg, Schwarze? „Wie gesagt, alles gemischt: Araber und Tuareg, aber auch schwarze Sanghoi, Mossi und Bambara“, sagt der Lehrer. Dann zuckt er wieder mit den Schultern. „Ich habe sie nicht gefragt, ob sie von Al Qaida sind“. Ob er gehört habe, dass der Namen Abu Zaid gefallen sei, dem Anführer von „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqim)? Der soll angeblich die Eroberung von Diabali persönlich kommandiert haben. Sidi Ba wird jetzt ein bisschen wütend. „Abu Dingsda, von dem habe ich weder etwas gehört noch etwas gesehen. Hier wurde vier Tage lang geschossen, ich habe den Kopf unten gehalten“, sagt er. Die ersten Hubschrauberangriffe begannen, kaum dass die Islamisten in Diabali angekommen waren. Die Angriffe erfolgten immer nachts. „Da konntest Du die Uhr nach stellen, von 23 Uhr an flogen hier die Fetzen“, erzählt Sidi.

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