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Mali-Konflikt Hollande: Jetzt können die Afrikaner uns ablösen

Frankreichs Präsident Hollande will seine Truppen so schnell wie möglich aus Mali abziehen. Auf der Geberkonferenz in Addis Abeba wurden 337 Millionen Euro für den Einsatz der Afrikaner zugesagt. Deutschland will den Einsatz mit 75 Soldaten logistisch unterstützen.

© AP Vergrößern Französische Truppen in Timbuktu: Erleichterung bei den Einwohnern

Der französische Präsident François Hollande will die Truppen seines Landes so schnell wie möglich aus Mali abziehen. Das bekundete er nach den militärischen Erfolgen in Timbuktu und Gao. „Wir sind dabei, die Schlacht für Mali zu gewinnen“, sagte Hollande am Montagabend im Elysée-Palast. „Wir, damit meine ich die malische Armee und die Afrikaner, die von den Franzosen unterstützt werden.“ Frankreich sei „nicht berufen in Mali zu bleiben“.

Der Präsident schloss aus, dass französische Truppen die in den schwer zugänglichen Norden Malis geflüchteten Terroristen in ihren Verstecken aufspürten und bekämpften. „Jetzt können die Afrikaner uns ablösen“, sagte Hollande. Die wichtigsten Städte des Landes seien befreit. Die Pflicht Frankreichs sei es nun, der afrikanischen Einsatztruppe zu erlauben, eine „dauerhafte Stabilität“ in Mali herzustellen. Die französische Armee werde sich deshalb künftig auf die Ausbildung und Koordinierung der afrikanischen Einsatztruppe konzentrieren. „In dem gleichen Tempo, in dem wir unsere Truppenstärke erhöht haben, können wir diese auch wieder verringern“, sagte Hollande.

Verteidigungsminister Yves Le Drian bezeichnete die zwei wichtigsten Aufgaben der französischen Armee in einem Gespräch im Fernsehsender TF1 als „erfüllt“. „Der erste Auftrag war es, den Vormarsch der Islamisten nach Süden zu stoppen. Der zweite war, den afrikanischen Truppen zu helfen, die großen Städte des Nordens zurückzuerobern. Das ist geschafft, die Mission ist erfüllt“, sagte Le Drian. Am Dienstag kündigte der Minister in der Nationalversammlung in Paris an, dass in Mali ein „Fahrplan zur politischen Versöhnung und nationalen Einheit“ auf den Weg gebracht werden solle. In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, wo am Dienstag eine Geberkonferenz für die afrikanische Mali-Eingreiftruppe stattfand, kündigte der malische Übergangspräsident Dioncounda Traoré an, bis spätestens 31. Juli „freie, faire und glaubhafte“ Wahlen in seinem Land abhalten zu wollen. Mali hat seit dem Sturz von Amadou Toumani Touré bei einem Militärputsch im März vergangenen Jahres keinen demokratisch gewählten Präsidenten mehr.

Dlamini-Zuma: Zusagen über 337 Millionen Euro

Bei der Geberkonferenz gab die Ratsvorsitzende der Afrikanischen Union (AU), die Südafrikanerin Nkosazana Dlamini-Zuma, bekannt, dass sie Zusagen über umgerechnet 337 Millionen Euro in bar erhalten habe. Das lag nur knapp unter den von der AU geschätzten Gesamtkosten für den Einsatz der 5700 westafrikanischen Soldaten und der 2000 Tschader von 342 Millionen Euro. Auf die Frage, wie viel von dem zugesagten Geld reine Finanzhilfe für die Militärmission und wie viel konditionierte humanitäre Hilfe sei, gab Frau Dlamini-Zuma indes keine Antwort. Das größte Einzelangebot ist das der japanischen Regierung über 89 Millionen Euro; es soll für „Internationale Organisationen, die sich um die Stabilität im Sahel bemühen“, verwendet werden und ist damit sehr weit gefasst. Die Europäische Union sagte 50 Millionen Euro zu, die für die Eingreiftruppe bestimmt seien. China und Indien sagten in Addis Abeba jeweils nur 750.000 Euro zu, eben so viel wie das kleine afrikanische Land Sierra Leone.

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