Home
http://www.faz.net/-gq5-764qc
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 29.01.2013, 11:49 Uhr

Mali-Konflikt Hollande: Jetzt können die Afrikaner uns ablösen

Frankreichs Präsident Hollande will seine Truppen so schnell wie möglich aus Mali abziehen. Auf der Geberkonferenz in Addis Abeba wurden 337 Millionen Euro für den Einsatz der Afrikaner zugesagt. Deutschland will den Einsatz mit 75 Soldaten logistisch unterstützen.

© AP Französische Truppen in Timbuktu: Erleichterung bei den Einwohnern

Der französische Präsident François Hollande will die Truppen seines Landes so schnell wie möglich aus Mali abziehen. Das bekundete er nach den militärischen Erfolgen in Timbuktu und Gao. „Wir sind dabei, die Schlacht für Mali zu gewinnen“, sagte Hollande am Montagabend im Elysée-Palast. „Wir, damit meine ich die malische Armee und die Afrikaner, die von den Franzosen unterstützt werden.“ Frankreich sei „nicht berufen in Mali zu bleiben“.

Der Präsident schloss aus, dass französische Truppen die in den schwer zugänglichen Norden Malis geflüchteten Terroristen in ihren Verstecken aufspürten und bekämpften. „Jetzt können die Afrikaner uns ablösen“, sagte Hollande. Die wichtigsten Städte des Landes seien befreit. Die Pflicht Frankreichs sei es nun, der afrikanischen Einsatztruppe zu erlauben, eine „dauerhafte Stabilität“ in Mali herzustellen. Die französische Armee werde sich deshalb künftig auf die Ausbildung und Koordinierung der afrikanischen Einsatztruppe konzentrieren. „In dem gleichen Tempo, in dem wir unsere Truppenstärke erhöht haben, können wir diese auch wieder verringern“, sagte Hollande.

Verteidigungsminister Yves Le Drian bezeichnete die zwei wichtigsten Aufgaben der französischen Armee in einem Gespräch im Fernsehsender TF1 als „erfüllt“. „Der erste Auftrag war es, den Vormarsch der Islamisten nach Süden zu stoppen. Der zweite war, den afrikanischen Truppen zu helfen, die großen Städte des Nordens zurückzuerobern. Das ist geschafft, die Mission ist erfüllt“, sagte Le Drian. Am Dienstag kündigte der Minister in der Nationalversammlung in Paris an, dass in Mali ein „Fahrplan zur politischen Versöhnung und nationalen Einheit“ auf den Weg gebracht werden solle. In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, wo am Dienstag eine Geberkonferenz für die afrikanische Mali-Eingreiftruppe stattfand, kündigte der malische Übergangspräsident Dioncounda Traoré an, bis spätestens 31. Juli „freie, faire und glaubhafte“ Wahlen in seinem Land abhalten zu wollen. Mali hat seit dem Sturz von Amadou Toumani Touré bei einem Militärputsch im März vergangenen Jahres keinen demokratisch gewählten Präsidenten mehr.

Dlamini-Zuma: Zusagen über 337 Millionen Euro

Bei der Geberkonferenz gab die Ratsvorsitzende der Afrikanischen Union (AU), die Südafrikanerin Nkosazana Dlamini-Zuma, bekannt, dass sie Zusagen über umgerechnet 337 Millionen Euro in bar erhalten habe. Das lag nur knapp unter den von der AU geschätzten Gesamtkosten für den Einsatz der 5700 westafrikanischen Soldaten und der 2000 Tschader von 342 Millionen Euro. Auf die Frage, wie viel von dem zugesagten Geld reine Finanzhilfe für die Militärmission und wie viel konditionierte humanitäre Hilfe sei, gab Frau Dlamini-Zuma indes keine Antwort. Das größte Einzelangebot ist das der japanischen Regierung über 89 Millionen Euro; es soll für „Internationale Organisationen, die sich um die Stabilität im Sahel bemühen“, verwendet werden und ist damit sehr weit gefasst. Die Europäische Union sagte 50 Millionen Euro zu, die für die Eingreiftruppe bestimmt seien. China und Indien sagten in Addis Abeba jeweils nur 750.000 Euro zu, eben so viel wie das kleine afrikanische Land Sierra Leone.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Sudan Der Sudan öffnet erstmals seine Grenzen zum Süden

Die Beziehungen zwischen dem Sudan und dem seit 2011 unabhängigen Nachbarstaat entspannen sich. Nun hat Khartum die Grenzen öffnen lassen. Mehr

28.01.2016, 14:53 Uhr | Politik
Afrikanische Union Mugabe schläft bei Gipfeltreffen ein

Der simbabwische Langzeit-Präsident Robert Mugabe ist beim Treffen der Afrikanischen Union in Addis Abeba zunächst auf der Bühne eingeschlafen und danach auf dem Weg zum Rednerpult gefährlich gestolpert. Der 91-Jährige ist das weltweit älteste Staatsoberhaupt. Mehr

30.01.2016, 19:15 Uhr | Gesellschaft
Verteidigung Von der Leyen will Bundeswehr mit 130 Milliarden Euro sanieren

Schlechte Ausrüstung und mangelnde Einsatzbereitschaft: Der Wehrbeauftragte kritisiert die Mangelwirtschaft bei der Bundeswehr. Verteidigungsministerin von der Leyen plant Investitionen in Milliardenhöhe. Mehr

26.01.2016, 16:22 Uhr | Politik
Valfréjus in den Alpen Fünf Soldaten sterben bei Lawinenunglück

Bei einem Lawinenabgang in den französischen Alpen sind mindestens fünf Soldaten ums Leben gekommen. Insgesamt sollen 50 Soldaten bei einem Training im Skigebiet gewesen sein. Mehr

19.01.2016, 11:04 Uhr | Gesellschaft
Asylkompromiss Bayern will auch ein Bürgerkriegsland zur sicheren Herkunft machen

Gerade hat sich die Bundesregierung auf einen Asylkompromiss geeinigt, da legt Horst Seehofer nach: Er will elf weitere Länder als sichere Herkunft klassifizieren. Dazu zählen auch Staaten, in denen Bürgerkrieg herrscht. Mehr

29.01.2016, 17:26 Uhr | Politik

Kritik ist erlaubt!

Von Reinhard Müller

Die Bundesregierung begehe in der Flüchtlingskrise Rechtsbruch, sagen Kritiker. Diese Kritik zu äußern ist legitim. Sie sollte aber nicht dazu dienen, den Staat zu delegitimieren. Mehr 2 122