Home
http://www.faz.net/-gq5-76z84
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 17.02.2013, 10:32 Uhr

Mali Im Krieg

Der französische Einsatz in Mali hat schnelle Erfolge gebracht. Diese Phase ist nun vorbei und längst nicht alles läuft nach Plan. Der zermürbende Guerrillakampf hat begonnen.

© AFP Noch in der „guten“ Phase: Französische Fallschirmjäger sind über dem Flughafen von Timbuktu abgesprungen

Deutlicher konnte es der französische Präsident nicht formulieren: „Es wird keine Bodentruppen geben, französische Soldaten werden nicht in die Kämpfe eingreifen“, sagt François Hollande am 11. Oktober 2012 mit Blick auf die Krise in der früheren französischen Kolonie Mali. Drei Islamistengruppen haben dort seit Beginn des Jahres nahezu das halbe Land unter ihre Kontrolle gebracht. Am 7. Januar erreicht den Elysée-Palast dann die Nachricht, dass die Verhandlungen zwischen dem malischen Übergangsregime und der größten der Islamistengruppen, Ansar al Dine, „vorerst“ gescheitert seien. Die Dschihadisten rückten nun nach Süden vor. Die malische Armee, durch einen Putsch und interne Streitigkeiten stark geschwächt, hat dem nichts entgegenzusetzen.

Thomas Scheen Folgen: Michaela Wiegel Folgen:

Am 10. Januar folgt die Nachricht, dass die strategisch wichtige Stadt Konna in die Hände der islamistischen Kämpfer von Al Qaida im islamischen Maghreb (Aqim) und Ansar al Dine gefallen ist. Der Weg in die malische Hauptstadt Bamako, in der 6000 Franzosen leben, scheint frei. Es ist der 11. Januar, gegen 18 Uhr, als Hollande, an den der malische Interimspräsident Dioncounda Traoré zwei Tage zuvor ein Hilfsgesuch gerichtet hat, verkündet: „Die französischen Streitkräfte haben heute Nachmittag die malischen Einheiten in ihrem Kampf gegen die Terroristen unterstützt.“

Nicht alles läuft nach Plan

Zu diesem Zeitpunkt sind französische Truppen längst in Konna. Um 18.15 Uhr Ortszeit sind am 10. Januar die ersten beiden französischen Transportmaschinen mit „Forces speciales“ in Sévaré gelandet, einem Flughafen unweit der Stadt. Ihnen folgen zwei Kampfhubschrauber vom Typ „Gazelle“, die mit Panzerabwehrraketen und schweren Maschinengewehren bewaffnet sind und seit Wochen im Nachbarland Burkina Faso bereitstehen. Noch in der Nacht vom 10. auf den 11. Januar dringen „Forces speciales“ nach Konna vor und kundschaften die Gegner aus. Am 11. Januar um 16 Uhr, einem Freitag, beginnen die Hubschrauberangriffe. Nicht alles läuft nach Plan. Der Pilot eines der beiden Hubschrauber wird durch eine Gewehrkugel tödlich verletzt, sein Kopilot kann die Maschine notlanden. Der zweite Hubschrauber wird durch das Sperrfeuer der Dschihadisten so schwer beschädigt, dass er von seiner Besatzung aufgegeben und gesprengt wird. Die Stärke der Islamisten in Konna wird auf mehr als 1200 Mann geschätzt.

In Paris erläutert Verteidigungsminister Le Drian, die „Opération Serval“ diene dazu, das malische Regime vor dem Zusammenbruch zu retten und die französischen Staatsbürger in Bamako zu schützen. Ziel sei es, die islamistischen Einheiten hinter die Demarkationslinie zurückzudrängen, die in einer Ortschaft namens Douentza nördlich von Konna verläuft. Praktisch geht es darum, die Islamisten an der Überquerung des Niger-Flusses zu hindern. Die Stellungen der Dschihadisten in Konna, aber auch in Douentza und in Gao werden von Mirage-2000-Kampfflugzeugen angegriffen, die zuvor im 2500 Kilometer entfernten N’Djamena in Tschad aufgestiegen sind.

1 | 2 | 3 | 4 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Frankreich Nationalversammlung beschließt Verfassungsänderung

Die Debatte um die Verankerung des Ausnahmezustands in der Verfassung wird erbittert geführt – denn die Neuregelung greift tief in die Grundrechte der Bürger ein. Mehr

08.02.2016, 23:24 Uhr | Politik
Berlin Algerier sollen Anschlag geplant haben

Die deutschen Sicherheitsbehörden haben möglicherweise einen Anschlag in Berlin vereitelt. In der Bundeshauptstadt sowie in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen durchsuchten am Donnerstag rund 450 Beamte die Wohnungen und Arbeitsstellen von vier mutmaßlichen algerischen Islamisten. Mehr

04.02.2016, 18:05 Uhr | Politik
Frankreich Nationalversammlung stimmt für Notstandsgesetze

Das französische Parlament nimmt das Gesetz zum Schutz der Nation zwar an, eine breite Mehrheit für die Verfassungsänderung gibt es aber nicht. Vor allem bei einem Punkt gibt es heftigen Streit. Mehr Von Michaela Wiegel

10.02.2016, 17:17 Uhr | Politik
Frankreich Hollande fordert Ende von Amerikas Sanktionen gegen Kuba

Der französische Staatschef empfing den kubanischen Präsidenten Raul Castro zu einem Staatsbesuch in Paris. Dabei forderte er ein Ende der amerikanischen Sanktionen gegen Kuba. Mehr

02.02.2016, 08:55 Uhr | Politik
Militärausgaben Der Vorsprung schmilzt

China und Russland modernisieren ihre Streitkräfte. Amerika und Europa geben immer weniger Geld für das Militär aus. Eines aber ändert sich nicht. Ein Überblick. Mehr Von Julia Egleder

11.02.2016, 10:56 Uhr | Politik

Der Westen will keinen kalten Krieg

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Es wäre wünschenswert, wenn es zu einem neuen west-östlichen Frühling käme. Und wenn man sich vertrauen könnte. Der russische Ministerpräsident hat in München beteuert, Moskau wolle genau das. Es könnte ja etwas dafür tun. Mehr 62 45