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Krieg in Mali Vormarsch auf Timbuktu

Französische und malische Truppen sind auf dem Vormarsch auf Timbuktu. Ein Großteil der Islamisten soll sich mittlerweile nach Kidal an der algerischen Grenze abgesetzt haben.

© dpa Auf dem Weg nach Norden: Französische und malische Einheiten in Mali

Französische und malische Truppen waren am Sonntag offenbar auf dem Vormarsch auf Timbuktu. Bereits am Samstag hatten sie die Großstadt Gao im Norden des Landes eingenommen. Der Rückeroberung von Gao, wo die Terrorgruppe „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (Mujao) einen großen Stützpunkt unterhielt, waren Einsätze französischer „Forces spéciales“ vorangegangen, die offenbar schon in der Nacht von Freitag auf Samstag den Flughafen der Stadt und eine große Brücke über den Niger-Fluss besetzt hatten. Das Einrücken französischer und malischer Bodentruppen in die Stadt soll sich nach Informationen des französischen Generalstabs ohne größere Kampfhandlungen abgespielt haben. Diese Informationen sind nicht zu überprüfen, da ausländischen Journalisten seit mehr als zwei Wochen systematisch am Zugang zu den Kampfgebieten gehindert werden.

Karte / Gao / Timbuktu / Krise in Mali © DPA Vergrößern

Thomas Scheen Folgen:

Den gleichen Informationen zufolge waren am Sonntag tschadische und nigrische Soldaten auf dem Luftweg nach Gao gebracht worden, um die Stadt zu sichern. Wie stark dieses Kontingent ist, wurde nicht mitgeteilt. Gao hat rund 60.000 Einwohner. Tschad will sich mit insgesamt 2000 Soldaten in Mali engagieren, Niger hat ein Bataillon von 500 Soldaten zur Verfügung gestellt. Ein Großteil davon steckt aber seit Freitag vergangener Woche an der nigrisch-malischen Grenze fest, nachdem die Islamisten dort eine strategisch wichtige Brücke über den Niger gesprengt hatten.

Verhandlungen über Geiselschicksal

Am Freitag hatte die Terrorgruppe Mujao offenbar versucht, den Angriff der Franzosen mit Verhandlungen über das Schicksal einer von der Gruppe als Geisel festgehaltenen Franzosen abzuwenden. Gilberto Rodriguez Leal war im November 2012 im Westen von Mali verschleppt worden. Der französische Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault hatte das Angebot von Mujao als „Logik der Erpressung“ zurückgewiesen. Gleichzeitig hatte Ayrault abermals versprochen, Frankreich werde alles tun, um die insgesamt sieben französischen Geiseln im Sahel lebend zu befreien.

Wie weit sich die französischen Truppe bereits Timbuktu genährt haben, war am Sonntag nicht klar. Der Vormarsch erfolgt offenbar von zwei Seiten: Zum einen über Diabali und Léré im Westen, zum anderen von Sevaré über Saraféré und damit quer durch das Delta des Niger-Flusses. Timbuktu gilt als das Hauptquartier der Islamistengruppe Ansar al Dine. Zudem soll „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqim) in Timbuktu einen wichtigen Stützpunkt unterhalten. Ende vergangener Woche hatten französische Kampfflugzeuge den privaten Palast des ehemaligen libyschen Diktators Gaddafi in Timbuktu zerstört, der angeblich von Aqmi als Kommandozentrale benutzt wurde. Die wenigen Flüchtlinge, die es am Wochenende von Timbuktu bis in die von Regierungstruppen gehaltene zentralmalische Stadt Mopti schafften, berichteten, die meisten Islamisten seien aus der Stadt geflohen. Ein Kameramann des Fernsehsenders Al Dschazira, der sich seit Samstag in Timbuktu aufhält, bestätigte diese Angaben.

Großteil der Islamisten nach Kidal abgesetzt

Nach Informationen aus malischen Sicherheitskreisen habe sich ein Großteil der Islamisten inzwischen nach Kidal abgesetzt, einer Stadt in einem Gebirgszug namens Adrar des Iforhas an der algerischen Grenze. Die meisten der Tuareg-Rebellen stammen aus dem Adrar des Iforhas. In Kidal war in der Nacht zum Montag das Haus des Führers von Ansar al Dine, Iyad Ag Ghaly, von französischen Kampfflugzeugen zerstört worden. Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas beschloss derweil bei einem Krisentreffen am Samstag in der ivorischen Wirtschaftsmetropole Abidjan, ihre geplante Eingreiftruppe von 3300 Soldaten auf 5700 Soldaten aufzustocken. Die Entsendung dieser Truppe aber kommt nach wie vor nicht voran, weil die auf 340 Millionen Euro geschätzten Kosten für deren Einsatz nach wie vor nicht gesichert sind. Lediglich 1000 Soldaten wurden bislang nach Mali verlegt und haben ihr Lager in Bamako aufgeschlagen. Bis auf die Tschader, die außerhalb der Kommandostruktur der Ecowas-Truppen operieren, und den Nigrern in Gao sind gegenwärtig lediglich 150 Soldaten aus Burkina Faso tatsächlich im Einsatz. Sie bewachen die Niger-Brücke in Markala rund 300 Kilometer von Bamako entfernt. Frankreich beziffert die Zahl seiner in Mali eingesetzten Soldaten mit 2500. Alles in allem zählt die „Opération Serval“ inzwischen 3700 französische Militärs.

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Quelle: F.A.Z.

 
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