Home
http://www.faz.net/-gq5-75zsm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Konflikt in Mali Islamistenführer zu Verhandlungen bereit

Die malische Islamistengruppe Ansar al Dine hat sich offenbar gespalten. Alghabasse Ag Intalla, Führer der neuen Gruppe „Islamische Bewegung von Azawad“ (MIA), erklärt angesichts der französischen Offensive seine Bereitschaft, den Konflikt „friedlich“ beizulegen.

© AFP Will offenbar verhandeln: Alghabasse Ag Intalla, Führer der neuen Gruppe Islamische Bewegung von Azawad (Mia)

Angesichts ihrer schweren Verluste seit Beginn der französischen Offensive vor rund zwei Wochen hat sich die malische Islamistengruppe  Ansar al Dine offenbar gespalten. Eine neue Gruppe, die sich „Islamische  Bewegung von Azawad“ (MIA) nennt, kündigte am Donnerstag an, Verhandlungen mit der malischen Regierung für einen „friedliche Beilegung“ des Konfliktes  aufnehmen zu wollen und forderte die französische Armee auf, die Angriffe auf die Region von Kidal, die offenbar von MIA kontrolliert wird, einzustellen. Die Gruppe distanziert sich in einem Schreiben an die malische  Regierung vom Terrorismus und jeder Form des Extremismus und verspricht, diesen  zu bekämpfen.

Es ist nicht ganz klar, wie stark die MIA tatsächlich ist und deshalb auch nicht, ob die Abspaltung tatsächlich das Ende von Ansar al Dine bedeutet. Bei den Abtrünnigen scheint es sich um ehemalige Kämpfer der „Nationalen Bewegung zu Befreiung von Azawad“ (MNLA) zu handeln, die im Januar 2012 die Rebellion im Norden Malis begonnen hatten und von denen sich viele  später Ansar al Dine angeschlossen hatten.

Ein designierter Kronprinz

Der Generalsekretär der neuen Bewegung ist Alghabasse Ag Intalla, der für Ansar al Dine Ende 2012 die Verhandlungen mit dem Vermittler in der malischen Krise, dem burkinischen  Präsidenten Blaise Compaoré, geführt hatte. Intalla gilt als Repräsentant des  moderaten Flügels innerhalb von Ansar al Dine, deren Führer Iyad Ag Ghaly wie Intalla aus der Region um Kidal stammt. Wichtiger in diesem Zusammenhang aber ist zweifelsohne sein sozialer Status unter der Tuareg aus dem Adrar des Iforhas, woher die meisten Rebellen stammen: Intallas Familie gilt als die inoffizielle Königsfamilie der Iforhas und er selbst als designierter Kronprinz.

Seine neue Organisation habe bereits Kontakt mit Vermittlern in Burkina Faso und den algerischen Behörden aufgenommen, sagte Ag Intallah am Donnerstag laut Medienberichten. Von dort sind inzwischen  rund 160 Soldaten aufgebrochen und haben sich der französischen Eingreiftruppe in Mali angeschlossen. Damit ist Burkina Faso der erste westafrikanische Staat, der sich am Militäreinsatz in Mali beteiligt.

22926442 Ein Malier betrachtet die Reste eine Fahrzeuges von islamistischen Rebellen, das am Mittwoch durch einen französischen Luftangriff zerstört wurde. © AFP Bilderstrecke 

Während der Zusammenhalt der Rebellen offenbar schwindet, muss sich die malische Armee Vorwürfen erwehren, in den  zurückeroberten Regionen von Diabali und Konna in Zentralmali Lynchjustiz zu betreiben. So sollen alleine in Sévaré bei Mopti elf Tuareg erschossen worden sein, die im Verdacht standen, mit den Islamisten zusammenzuarbeiten. Aus Niono, Markala und Diabali wurden ähnliche Fälle gemeldet. Ausländische Journalisten haben seit Mittwoch keinen Zugang mehr zu diesen Regionen, ohne dass für diese Restriktionen ein plausibler Grund genannt würde. Der malische Generalstab kündigte eine umfassende Aufklärung der Vorwürfe an.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte angesichts der Vorwürfe bei einem Spanienbesuch am Donnerstag: „Das sind schwerwiegende Vorwürfe, denen gründlich nachgegangen werden muss.“ Racheakte oder Gewalt malischer Soldaten gegen Zivilisten oder ethnische Minderheiten seien in keiner Weise akzeptabel, so Westerwelle weiter, und würden Bemühungen um einen politischen Ausgleich in Mali untergraben.

Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian hatte bereits am Mittwochabend von einem „Risiko“ gesprochen, ohne die Vorwürfe zu bestätigen. Er rief in französischen Medien auf, „extrem wachsam“ in dieser Frage zu sein. Frankreich zähle auf die malischen Offiziere. „Die Ehre steht auf dem Spiel.“

Die für humanitäre Hilfe zuständige EU-Komissarin Kristalina Georgieva sagte in Ouagadougou, der Hauptstadt von Malis südlichem Nachbarstaat  Burkina Fasos, Berichte über „ethnische Kämpfe und aus Rache verübte Übergriffe“ seien „sehr Besorgnis erregend“.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z./FAZ.NET, tos./lohe.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Frankreichs Präsident Hollande will Krieg gegen den Terrorismus führen

Der französische Präsident François Hollande bezeichnete den Krieg gegen den Terror als das wichtigste Thema der französischen Außenpolitik. Von einem Erfolg hänge auch die Eindämmung der Flüchtlingsströme ab. Mehr Von Michaela Wiegel, Paris

25.08.2015, 17:21 Uhr | Politik
Extremisten unter sich Boko Haram schwört IS Treue

Die nigerianische Islamistengruppe Boko Haram will sich einem Internet-Video zufolge der Extremistenmiliz Islamischer Staat anschließen. In der Botschaft wird dem IS-Anführer und selbst ernannten Kalifen Abu Bakr al-Bagdadi Gefolgschaft geschworen Mehr

10.04.2015, 14:59 Uhr | Politik
Angriff im Thalys Zug-Attentäter ist Islamist

Wie aus Pariser Polizeikreisen verlautet, steht die Identität des bewaffneten Mannes, den Reisende in einem französischen Schnellzug überwältigten, fest. Nach F.A.S.-Informationen aus deutschen Sicherheitskreisen hatte der mutmaßliche Täter offenbar Kontakte zum Islamischen Staat. Mehr

22.08.2015, 22:17 Uhr | Politik
Konflikt im Jemen Saudis bombardieren weiter Waffendepots und Konvois der Houthi

Der amerikanische Außenminister John Kerry sagte, es gebe offensichtlich eine Versorgung der Rebellen durch Iran: Die Islamische Republik müsse sich bewusst sein, dass man nicht tatenlos zusehen werde, wie sich die Region destabilisiere. Mehr

09.04.2015, 13:36 Uhr | Politik
Islamischer Staat IS sprengt weiteren Tempel in Palmyra

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat offenbar den wichtigen Baaltempel in Palmyra gesprengt. Er gehört zum größten Komplex des Unesco-Weltkulturerbes. Mehr

31.08.2015, 04:02 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 24.01.2013, 08:24 Uhr

Schuld und Flüchtlinge

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Auch wenn die Regierung Cameron nun ein paar tausend syrische Flüchtlinge aufnehmen will. Eine gemeinsame Strategie hat die EU damit noch nicht. Mehr 37