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Friedliche Präsidentenwahl : Hoffnung für Nigeria

Der Wahlgewinner Muhammadu Buhari am Mittwoch in Abuja. Bild: AFP

Mit dem friedlichen Machtwechsel hat Nigeria einen weiteren Schritt in Richtung einer wahrhaften Demokratie getan. Auch wenn viele weitere nötig sind: Das gibt einem ganzen Kontinent Zuversicht.

          Dreißig Jahre, nachdem er durch einen Militärputsch von der Macht vertrieben worden war, wird Muhammadu Buhari wieder Präsident von Nigeria. Dieses Mal wurde der vormalige General sogar gewählt, und das nach dem Urteil internationaler Beobachter frei und vergleichsweise fair. Der bisherige Amtsinhaber Jonathan vollbrachte die beste Tat seiner Amtszeit: Er gratulierte dem Sieger und gestand seine Niederlage ein. Was anderswo selbstverständlich scheint, ist ein Hoffnungszeichen für das bevölkerungsreichste Land Afrikas, in dem es einen Machtwechsel per Wahl zuvor nie gegeben hatte.

          Womöglich hatte diesmal das Volk das letzte Wort, weil die Wahl nicht in großem Stil gefälscht wurde. Sicher aber lag es auch an der Enttäuschung der Nigerianer über ihren bisherigen Präsidenten und seine seit 16 Jahren regierende Partei. Unter Jonathan hat sich die wirtschaftliche Situation der Bevölkerungsmehrheit nicht verbessert. Boko Haram terrorisiert einen Teil des Landes wie nie zuvor, die Korruption grassiert. Buharis Versprechen, Filz und Verschwendung zu beseitigen, sowie sein bescheidener Lebensstil mögen im Volk gut ankommen. Auch mögen die Nigerianer einem früheren General das Versprechen eher abnehmen, dass er die Armee reformieren und den islamistischen Terror besiegen kann.

          Doch entstammt der 72 Jahre alte frühere Diktator jenem muslimischen Establishment aus dem Norden des Landes, von dem nicht unbedingt ein demokratischer Neuanfang zu erwarten ist. Die Voraussetzung seines Wahlsieges war ein parteiübergreifendes Bündnis, dem auch fragwürdige Figuren angehören. Sie werden nun allesamt Posten für sich und ihre Entourage verlangen. Im ölreichen Süden weckt Buharis Herkunft Misstrauen. Manch einer hat dort geradezu grotesken Reichtum angehäuft.

          Die Androhung von Gewalt aus dieser Richtung wäre noch gefährlicher als das Treiben der Terroristen im Sahel. Eine abermalige Rebellion im Niger-Delta könnte die Wirtschaft des gesamten Landes lähmen. Ohne ein stabiles Nigeria aber kann es in ganz Westafrika keinen Fortschritt geben.

          Jetzt hat das Land einen weiteren Schritt in Richtung einer wahrhaften Demokratie getan. Es ist der zweite nach dem Ende der Militärherrschaft. Viele weitere sind nötig.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

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