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Reichste Frau Afrikas : Das Märchen von der Prinzessin, die Eier verkaufte

  • -Aktualisiert am

„Erstmal bin ich einfach Isabel“: Isabel dos Santos, die älteste Tochter des angolanischen Präsidenten Bild: James Oatway/PANOS/VISUM

Isabel dos Santos ist die reichste und mächtigste Frau Afrikas. Wenn man die Tochter des angolanischen Präsidenten fragt, wie sie so reich und mächtig wurde, lächelt sie fein. Und erzählt eine Geschichte.

          Es gibt eine Sache, die Isabel dos Santos der Weltöffentlichkeit über sich mitteilen will. Je näher ein Gespräch dieser Sache kommt, desto heller wird der Glanz ihres Lächelns. Und je weiter ein Gespräch davon wegführt, desto dunkler wird ihr Blick. So war es zum Beispiel, als sie einmal zu Gast auf einer Wirtschaftskonferenz im zentralafrikanischen Gabun war. Isabel dos Santos saß auf der Bühne, und ein Moderator interviewte sie; ein Video davon steht im Netz. Vorsichtig tastete der ältere Herr sich durch die Begrüßungsworte. Isabel dos Santos, Milliardärin und Tochter des angolanischen Präsidenten, gerüstet mit schwarzem Hosenanzug und hohen Absätzen, blickte abwartend. Doch dann gelang dem Moderator gleich zu Anfang eine Frage, die ihr gefiel. „Wie würden Sie sich selbst beschreiben?“ Sie lächelte. Es war kein Business-Lächeln, wie man es von Paris Hilton kennt, sondern besonders nett. „Als erstes mal“, sagte Isabel dos Santos, „bin ich Isabel.“

          Das ist der Kern dessen, was sie der Welt über sich sagen will: dass man es mit einer normalen, netten, nicht weiter aufregenden Frau zu tun hat, die – und das war der zweite Teil ihrer Antwort – eben als Unternehmerin arbeitet. Als der Moderator sie fragte, wer ein Vorbild für sie sei, nannte sie ihre Großmutter. Die sei morgens früh aufgestanden, habe dafür gesorgt, dass die Kinder frühstückten und zur Schule gingen, und habe dann Obst und Gemüse auf dem Markt verkauft.

          Aber Isabel dos Santos verkauft keine Früchte auf dem Markt. Sie steht an der Spitze eines Wirtschaftsimperiums, dessen Größe von außen nur geschätzt werden kann. Denn ihre Geschäfte gehören zu den Dingen, über die Isabel dos Santos der Welt wenig mitteilen will.

          Geschätzte drei Milliarden Dollar Vermögen

          Auf der Wirtschaftskonferenz vor zwei Jahren trat sie als Chefin des Mobilfunkunternehmens Unitel Angola auf. Auch an einer angolanischen Supermarktkette soll sie beteiligt sein. Aber in den vergangenen Jahren machte Isabel dos Santos immer mehr Geschäfte in Portugal; sie ist an portugiesischen Banken, Medien, Energieversorgern und Telekommunikationsfirmen beteiligt. Und sie will noch mehr: Als kürzlich die spanische Investmentgesellschaft CaixaBank das viertgrößte portugiesische Geldinstitut BPI übernehmen wollte, schritt Isabel dos Santos ein. Sie hält knapp zwanzig Prozent Anteile an BPI – und schlug kurzerhand eine Fusion mit Portugals zweitgrößter Bank vor. Deals dieser Größenordnung sind es, die Isabel dos Santos beschäftigen. Forbes schätzt ihr Vermögen auf drei Milliarden Dollar.

          Das ist überall auf der Welt viel Geld – aber in Angola unvorstellbar viel. Die Menschen dort sind bitterarm, nicht einmal die Hälfte kommt an ausreichend sauberes Trinkwasser heran. In keinem Land auf der Welt ist das Risiko für ein Kind größer, dass es stirbt, bevor es fünf Jahre alt ist. Der Normalbürger Angolas hat in der Regel zwei Wünsche. Erstens: bloß keinen Bürgerkrieg mehr. Denn Bürgerkrieg herrschte, mit Unterbrechungen, von 1975 bis 2002, er ruinierte das Land. Und zweitens: irgendwie durch den Tag kommen, etwas zu essen haben, leben.

          Es fällt also schwer, die Karriere von Isabel dos Santos, 41, für eine harmlose angolanische Aufstiegsgeschichte zu halten. Schon eher passt sie zu den Superreichen, die im gepanzerten Edel-Jeep durch die Hauptstadt Luanda gleiten, um dann schnell in der Einfahrt ihrer Luxuswohnanlage zu verschwinden. Diese Menschen sind reich geworden durch Öl, Diamanten oder Korruption. Oder alles zusammen.

          Mit dem Verkauf von Eiern wird man nicht milliardenschwer

          Isabel dos Santos möchte der Welt aber eine andere Geschichte erzählen. Eine schönere. Darum gestattete sie vor zwei Jahren einem Journalisten der „Financial Times“, sie in London zum Lunch zu treffen. Sie trank Wein, aß Fisch und warf dem Mann ihr Lächeln zu, das er „entwaffnend“ fand. Als er entwaffnet genug schien, erzählte sie ihm, dass sie eine ganz normale Unternehmerin sei. Sie habe einfach einen Sinn fürs Geschäft, schon von klein auf. Beweis: „Ich habe Eier verkauft, als ich sechs war.“ Von dem Geld habe sie sich Zuckerwatte gegönnt. Und so weiter.

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