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Innenminister überlebt Anschlag Der Terror erreicht Kairo

Ägyptens Innenminister Muhammed Ibrahim hat einen Anschlag in Kairo unversehrt überlebt. Eine Autobombe war in der Nähe seines Konvois detoniert. Die Polizei erschoss zwei mutmaßliche Angreifer. Dutzende Menschen wurden verletzt.

© dpa Vergrößern Untersuchungen am Anschlagsort: Die für Ibrahim gedachte Autobombe explodierte nahe seines Wohnsitzes

Auf den Konvoi des ägyptischen Innenministers Muhammad Ibrahim ist am Mittwoch ein Anschlag verübt worden. Er trat etwa zwei Stunden später im Staatsfernsehen auf und sprach von einem „feigen“ Mordversuch, der fehlgeschlagen sei. Zugleich warnte er vor einer „Welle des Terrorismus“, die er schon befürchtet habe.

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Deswegen habe er Mitte August die Protestlager der Anhänger des gestürzten islamistischen Präsidenten Muhammad Mursi auflösen lassen. Der Anschlag ereignete sich im Vorort Nasser City, wo Ibrahims Sicherheitskräfte das große Protestlager der Muslimbrüder geräumt und dabei ein Blutbad mit Hunderten von Toten angerichtet hatten. Umliegende Gebäude wurden zum Teil schwer beschädigt, Autos brannten aus. Nach ersten Berichten wurde ein Polizist getötet, insgesamt 73 Personen wurden verletzt. Der Hergang des Anschlags war bis zum Donnerstagabend unklar. Berichte der Staatspresse zufolge war ein Sprengsatz aus einem nahen Gebäude auf den Konvoi des Ministers geworfen worden. Ibrahim selbst sagte im Staatsfernsehen, die Bombe sei wahrscheinlich ferngezündet worden.

Mohammed Ibrahim © AP Vergrößern Der ägyptische Innenminister Mohamed Ibrahim in einer Aufnahme vom 15. August

„Feldzug gegen den Terrorismus“

Seit dem Sturz Mursis Anfang Juli führt die vom Militär eingesetzte Regierung einen „Feldzug gegen den Terrorismus“. Mehr als 2000 führende Mitglieder der Muslimbruderschaft sind seitdem verhaftet worden. Innenminister Ibrahim führt gemeinsam mit der Armeeführung unter General Abd al Fattah al Sisi den Kampf gegen die Islamisten an. Mursi hatte ihn bei seiner ersten Regierungsumbildung im Winter in sein Kabinett geholt. Dem staatlichen Repressionsapparat gehörte der Polizeioffizier jedoch schon unter Mubarak in unterschiedlicher Funktion an.

Erst am Mittwoch hatte Ibrahim eine Umbildung des Sicherheitsapparats verkündet, der offenbar auch der Muslimbruderschaft nahestehende Kräfte zum Opfer fielen. So wurde der erst im Juni ernannte Leiter der staatlichen Gefängnisbehörde, Mustafa Baz, entlassen, weil er angeblich Gespräche zwischen inhaftierten Muslimbrüdern und ihren Gesinnungsgenossen außerhalb der Gefängnisse zugelassen hatte. „Die Absetzung fand statt, um den Kurs zu korrigieren und eine qualifiziertere Führung zu ernennen“, sagte Ibrahim. Auch in der Provinz Minya, wo aus Unmut gegen die Absetzung Mursis zuletzt Regierungsgebäude angegriffen wurden, kam es zu Neubesetzungen in der Führung der Sicherheitskräfte.

In verschiedenen Vierteln Kairos, in Oberägypten und in den Städten am Suez-Kanal war es schon in den vergangenen Wochen zu bewaffneten Angriffen auf Polizeistationen und Kirchen gekommen. Am Mittwoch wurde ein Polizist in der südlichen Provinz Assuan von mutmaßlich islamistischen Angreifern erschossen.
Zu dem Attentatsversuch bekannte sich zunächst niemand.

Dschihadisten-Führer festgenommen

Die Festnahme des Führers der Dschihadisten auf dem Sinai könnte ein Motiv gewesen sein. Der Extremist Adel Mohammed Ibrahim, genannt Adel Habara, war jüngst von einer Spezialeinheit in einem Farbengeschäft in der Stadt Al Arisch überwältigt worden. Er soll die Schuld am Tod von mindestens 42 Soldaten und Polizisten tragen. Nach dem Sturz Mursis hatte zudem die Gewalt auf der Sinai-Halbinsel zugenommen.

Dschihadisten haben dort seit Juli Dutzende Polizisten getötet; vor zwei Wochen kamen beim Angriff auf zwei Polizeibusse 25 Sicherheitskräfte nahe der Grenze zu Israel um. Muhammad al Beltagi, ein Führer der Muslimbrüder, hatte unlängst gesagt, die Gewalt auf dem Sinai werde „in der Sekunde enden, in der Mursi wieder zurück ist“. Die Muslimbruderschaft hat Verbindungen, die bis in das Extremistenmilieu auf dem Sinai reichen, diese dürften allerdings nicht so gut sein, dass die Islamisten Terrorangriffe anordnen können.

Die Sorge, der Terror könnte vom Sinai auf den Rest des Landes übergreifen, hat sich nun als berechtigt erwiesen. Racheakte für das harte Vorgehen der Kräfte des Innenministeriums gegen die Dschihadisten sowie die Anhänger der Muslimbruderschaft und ihre islamistischen Verbündeten waren schon länger befürchtet worden.

Mansur: „Aggressiver Krieg von Extremisten“

Am Dienstag hatte die Armee ihren bislang größten Angriff auf bewaffnete Islamisten auf dem Sinai verkündet; acht Kämpfer sollen beim Bombardement mehrerer Dörfer nahe Rafah, der Grenzstadt zum Gazastreifen, getötet worden sein.

Die terroristische Gruppe Al Salafi al Dschihadijah bestritt in einer Stellungnahme die Angaben und bezeichnete die staatlichen Medien und die Armee als „Lügner“, die „Scheinsiege auf dem Sinai feiern“.

Am Mittwoch hatte Übergangspräsident Adly Mansur im ersten Fernsehinterview seit seinem Amtsantritt gesagt, es gebe Kräfte, die planten, „Ägypten anzuzünden“. Er verteidigte die Verhängung des Ausnahmezustands: „Akte von Terrorismus und ein aggressiver Krieg von Extremisten haben uns zu dieser Entscheidung gezwungen“, sagte Mansur. Er wies Vorwürfe zurück, Ägypten sei auf dem Weg zurück in einen Polizeistaat. Das Land befinde sich auf dem Weg von „autoritärer Herrschaft zu demokratischer Herrschaft“, sagte er.

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Quelle: FAZ.NET

 
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