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Veröffentlicht: 11.05.2013, 12:40 Uhr

Gespräch mit Nigers Präsident „Wir bleiben so lange in Mali, wie es nötig ist“

Das Nachbarland Niger wird seine in Mali stationierten Truppen vorerst nicht abziehen. Nigers Präsident Mahamadou Issoufou spricht über die Mission, den Schutz von Uran-Minen und die Tuareg.

© Lüdecke, Matthias Mahamadou Issoufou

Herr Präsident, Sie haben Frankreich frühzeitig zu einer Intervention in Mali aufgefordert. Niger hat sich dann an der Militäraktion gegen die Dschihadisten im Norden des Landes beteiligt. Sind Sie zufrieden mit der Lage?

Die Situation in der Sahelzone, vor allem in Mali, war vor der Intervention sehr schwierig. Die Terroristen stellten eine große Bedrohung dar. Die Mission hat den Vormarsch der Dschihadisten gestoppt und einen Sieg über die Extremisten errungen. Niger hat mit einem Kontingent dazu beigetragen. Trotzdem besteht noch eine Gefahr durch sogenannte asymmetrische Aktionen, also durch Anschläge.

Wie lange, glauben Sie, müssen Ihre Truppen in Mali bleiben, um dort dauerhaft die Sicherheit zu gewährleisten?

Wir sind mit Soldaten in Gao, aber auch in Ménaka und Asongo vertreten. Unsere Truppen werden so lange bleiben, wie es notwendig ist. Wir müssen unsere Ziele dauerhaft sichern: die Wiederherstellung der staatlichen Integrität Malis und die Organisation von freien und transparenten Wahlen.

Sie selbst hatten die Befürchtung geäußert, dass sich die Dschihadisten im Norden Malis durch die Intervention nach Algerien und auch nach Niger zurückziehen könnten. Ist es dazu gekommen?

Es gab diese Befürchtung. Insgesamt ist die Lage auch in Libyen und Nigeria angespannt. In Niger ist es aber nicht zu Infiltrationen gekommen. Wohin sie geflohen sind, das kann ich nicht sagen. Die Lage in meinem Land ist jedenfalls stabil.

Warum lassen Sie dann die Uran-Minen im Norden Ihres Landes von französischen Soldaten sichern?

Das diente der Vorbeugung. Nachdem Dschihadisten, die nach dem Fall des Gaddafi-Regimes aus Libyen gekommen waren, in Algerien Gas- und Ölanlagen angegriffen hatten, haben wir uns entschlossen, diese Vorsichtsmaßnahme zu treffen.

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Im Norden Malis kam zu dem Problem des Dschihadismus noch die Separationsbestrebungen von Teilen der Tuareg hinzu, die sich benachteiligt fühlen. Wie gehen Sie in Niger mit der Minderheit der Tuareg um?

Die Tuareg werden nicht diskriminiert - weder in Mali noch in Niger. Und auch nicht sonstwo. Natürlich gibt es Entwicklungsprobleme, aber die stellen sich allen Bevölkerungsteilen: den Hausa, den Bambara, den Arabern. Alle Minderheiten sind mit diesen Problemen konfrontiert. Die Rebellen im Norden Malis hatten sich zu Vertretern der Tuareg ernannt. Das sind sie aber nicht. Sie waren zwanzig, dreißig Jahre in Libyen, wo sie in Gaddafis Armee integriert waren. Dann kamen sie zurück und wollten nun ihren eigenen Staat ausrufen. Die Tuareg-Gemeinschaft in Mali fühlte sich nicht von ihnen repräsentiert.

Es gab eine Phase, in der nicht klar schien, auf welche Seite sich die angestammten Tuareg in Mali schlagen würden...

Es ging nicht um ein Problem einer Minderheit in Afrika. Was Afrika braucht, ist Einheit - und nicht eine Balkanisierung. Es ist wichtig, dass die europäische und deutsche Öffentlichkeit weiß: Afrika braucht keine neue Aufspaltung. Wir Afrikaner erinnern uns daran, dass unser Kontinent 1885 hier in Berlin aufgeteilt wurde...

...Sie meinen die Kongo- und Westafrikakonferenz, die von Bismarck ausgerichtet wurde...

Heute kann man von Berlin erwarten, dass Deutschland einen Beitrag zur Einheit der afrikanischen Staaten leistet. Das ist mein Appell an die deutsche Öffentlichkeit.

Die Bundesregierung hat angeboten, in Mali zu vermitteln zwischen den Tuareg und der Regierung in Bamako. Halten Sie das für erstrebenswert?

Nochmal: Die Rebellen sind nicht die legitimen Vertreter der Tuareg. Aber: Wenn diese Leute ihre Waffen niederlegen, dann könnte man mit ihnen reden. In diesem Zusammenhang könnte Deutschland eine Rolle spielen. Voraussetzung ist, dass die territoriale Integrität Malis nicht in Frage gestellt wird.

Das Gespräch mit dem Staatspräsidenten Nigers führte Majid Sattar.

Quelle: F.A.Z.

 

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