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Verurteilte Präsidentengattin : Kein Anhängsel ihres Mannes

Selbstbewusst und geradeaus: Simone Gbagbo wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt. Bild: AP

Simone Gbagbo, die Ehefrau des früheren ivorischen Präsidenten, muss für 20 Jahre ins Gefängnis. In der Elfenbeinküste verschärft das Urteil die Spannungen.

          Es war eine flüchtige Begegnung, die aber eine bleibende Erinnerung hinterließ: Kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten der Côte d’Ivoire im Dezember 2000 hatte sich Laurent Gbagbo zu einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Abidjan bereiterklärt. Und ließ seinen Gesprächspartner dann stundenlang warten. Als der ivorische Präsident endlich den Raum betrat, war der Frust sofort vergessen. Denn Gbagbo ist ein begnadeter Charmeur. Von seiner Begleitung an jenem Morgen im Januar 2001 konnte das allerdings nicht behauptet werden.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Simone Gbagbo verzog keine Miene, beim Handschlag wendete sie den Blick ab, und zum Schluss ermahnte sie den Journalisten: „Schreiben Sie die Wahrheit. Nicht das, was die Franzosen Ihnen einflüstern. Haben Sie den Mut dazu?“ So war sie, die Première Dame; immer geradeaus, diplomatisch so geschickt wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen und nie darum verlegen, anderen Lektionen zu erteilen.

          Simone Gbagbo, die am Dienstag wegen „Angriffs auf die Autorität des Staates“, „Teilnahme an einem staatsstreichartigen Unternehmen“ und „Störung des öffentlichen Friedens“ zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde, war damals auf dem Höhepunkt ihrer persönlichen Macht. Sie war nie ein Anhängsel ihres Mannes wie so viele andere Präsidentengattinnen in Westafrika, die Simone Gbagbo öffentlich als „Kleiderständer“ verhöhnte. Der Front Populaire Ivoirien (FPI), der 2000 die Wahlen gewonnen hatte, war nicht zuletzt ihr Baby.

          Opfer in Kauf genommen

          Für diese im Untergrund gegründete sozialistische Partei hatte sie im Gefängnis gesessen, als sie mit Zwillingen schwanger war. Deshalb schien es nur natürlich, dass Simone Gbagbo sich mit ihrem eigenen Stab in die Tagespolitik einmischte, als ihr Mann zum Staatschef gewählt worden war. Seine Gattin liebte die Macht, und sie wähnte sich auf einer Mission. Diese bestand unter anderem darin, der Elfenbeinküste eine „echte Unabhängigkeit“ von der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich zu bringen, die das Wirtschaftsleben des Landes beherrschte.

          Und sie bestand nicht zuletzt darin, die Dominanz des Christentums gegenüber den Muslimen im Norden der Elfenbeinküste zu zementieren. Als eines ihrer weiblichen Vorbilder bezeichnet Simone Gbagbo gerne Winnie Mandela, die mehrfach vorbestrafte ehemalige Frau von Nelson Mandela. Die Seelenverwandtschaft zwischen der Ivorerin und der Südafrikanerin ist tatsächlich verblüffend: Wie Winnie Mandela hat auch Simone Gbagbo stets geglaubt, dass das Ziel die Opfer am Wegesrand rechtfertigt.

          Siegerjustiz gegen Gbagbo?

          Das Gericht, das Simone Gbagbo am Dienstag in der Handelsmetropole Abidjan zu 20 Jahren Haft verurteilte, verfügte ein Strafmaß, das zehn Jahre höher liegt als von der Staatsanwaltschaft beantragt. Unter anderem soll Simone Gbagbo über ihren persönlichen Leibwächter die Todesschwadrone gebildet haben, die auf dem Höhepunkt des ivorischen Bürgerkrieges von 2002 bis 2007 politischen Gegnern in Abidjan nachstellten.

          Simone Gbagbo soll Waffen an Jugendliche verteilt haben, als die Rebellen des jetzigen Präsidenten Alassane Ouattara 2011 kurz vor Abidjan standen, und sie soll zur Jagd auf Ausländer aufgerufen haben, weil der Krieg in der Elfenbeinküste von Burkina Faso ausgegangen war. Die 65 Jahre alte Simone Gbagbo bestreitet alle Vorwürfe. Ihr Anwalt spricht von „Siegerjustiz“.

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