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Angriff auf Museum : Der Zerfall Libyens und der Terror in Tunis

  • -Aktualisiert am

Einflusssphäre immer mehr erweitert: IS-Führer Abu Bakr al Bagdadi in einer Videoaufzeichnung aus dem vergangenen Juli Bild: dpa

Der Islamische Staat ist zum dritten wichtigen Akteur im zerfallenden Libyen geworden. Waffen und Kämpfer gelangen nahezu ungehindert von dort nach Syrien, in den Irak, nach Tunesien – und wieder zurück.

          Die Grenzen sind offen: Waffen und Dschihadisten gelangen nahezu ungehindert von Libyen nach Tunesien. Am Tag vor dem Terroranschlag von Tunis hatte die tunesische Regierung bekanntgegeben, dass der Tunesier Ahmad al Rouissi, der in Libyen eine Einheit des „Islamischen Staats“ (IS) kommandiert hatte, bei Kämpfen nahe Sirte getötet worden war.

          Der IS hat seit dem 19. Februar weite Teile der libyschen Hafenstadt Sirte erobert und sein Machtgebiet weiter vergrößert. Die Terrorgruppe ist neben der islamistischen Regierung in Tripolis sowie der vom Westen und von Ägypten unterstützten Regierung in Tobruk zum dritten wichtigen Akteur im zerfallenden Libyen geworden. Das Machtzentrum des IS liegt in der ostlibyschen Hafenstadt Derna. Dort hatte die Terrorgruppe am 14. Februar an einem Strand 21 ägyptische Christen enthauptet.

          Erstmals waren vor einem Jahr große Gruppen von Dschihadisten aus Syrien und dem Irak nach Libyen zurückgekehrt. Sie ließen sich vor allem in Derna nieder und schlugen bald in ganz Libyen zu – etwa bei Anschlägen in der Hauptstadt Tripolis auf das Hotel Korinthia und bei einem Angriff auf die iranische Botschaft. Das Machtvakuum, das der Sturz des Regimes des früheren Diktators Muammar Gaddafi hinterlassen hat, füllte sich. Die Gewalt hat viele Menschen vertrieben – heute leben knapp zwei Millionen Libyer in Tunesien. Damit hat sich jeder dritte Libyer im sicheren Nachbarland niedergelassen.

          Drei überregionale Machtblöcke

          Währenddessen sind aus der Vielzahl örtlicher Milizen und Kriegsherren drei überregionale Machtblöcke entstanden, von denen jeder versucht, in den Herrschaftsbereich des anderen einzudringen: Obwohl der Westen, Ägypten und Saudi-Arabien die Regierung in Tobruk unterstützen, konnte der IS zuletzt am erfolgreichsten an Macht hinzugewinnen. Das wirkte sich auf Tunesien aus: Dortige Dschihadistengruppen wie Uqba Bin Nafa haben sich mittlerweile ebenfalls dem IS unterstellt. Alle Angriffe durch die Armee der Tobruker Regierung unter ihrem Kommandeur Chalif Haftar konnten den IS und kleinere dschihadistische Milizen bislang nicht zurückdrängen.

          Libyer waren bereits 2011, also kurze Zeit nach dem Beginn der Proteste gegen das Regime von Baschar al Assad, nach Syrien gereist und hatten in den Reihen islamistischer Milizen gekämpft. Viele schlossen sich zur „Brigade Battar“ zusammen, die sich später dem IS unterstellte. Die erste große Welle von Rückkehrern traf im Frühjahr 2014 in Libyen ein, wo die Dschihadisten in Derna ein „Islamisches Emirat“ gründeten und gegenüber dem selbsternannten „Kalifen“ und IS-Anführer Abu Bakr al Bagdadi ein Gelübde ablegten.

          Sie benannten ihr im Osten von Libyen gelegenes „Emirat“ in die „Provinz Barqa“ des „Islamischen Staats“ um. Dort bekämpften sie alle anderen militanten islamistischen Gruppen, die beispielsweise den „Übergangsrat“ duldeten, der nach dem Sturz Gaddafis Libyen neu ordnen wollte. Eine kleine Gruppe leistete allerdings einen Treueeid gegenüber Al Qaida.

          Als Reaktion auf die Angriffe der Armee Haftars sowie der ägyptischen Luftwaffe näherten sich der IS und Al Qaida an. Der ägyptischen Armee ist es bislang nicht gelungen, die Schmugglernetzwerke des IS zu zerstören, über die die Terrorgruppe Dschihadisten und Waffen über den Sinai und die Wüsten Ägyptens nach Libyen schleust – und möglicherweise auch weiter nach Tunesien. So sollen 500 tunesische Dschihadisten ebenfalls über diese Landbrücke aus Syrien und den Irak zurückgekehrt sein. Nicht klar ist indes, wie sich der IS in Libyen finanziert. In Libyen stehen ihm weniger Mittel zur Finanzierung zur Verfügung als in Syrien und im Irak.

          Neben der „Provinz Barqa“ hat der IS jüngst zwei weitere „Provinzen“ ausgerufen: für den Westen Libyens die „Provinz Tarabulus“ – von Sirte aus soll der Sturm auf die Hauptstadt Tripolis erfolgen. Und in der Wüstenregion im Süden die „Provinz Fezzan“, wo der IS seit Anfang 2015 Angriffe durchführt.

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