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Bleichcremes : Schwarz und Weiß

  • -Aktualisiert am

Aus schwarz mach weiß: was übrig bleibt ist fleckige, vernarbte und verbrannte Haut Bild: Wohlfahrt, Rainer

Viele Afrikanerinnen wollen helle Haut haben. Dafür gibt es Bleichcremes: ein Riesengeschäft für europäische Hersteller. Dabei sind die Produkte extrem schädlich und ein Riesenproblem für Hautärzte.

          Sprache sei eine Waffe, soll Léopold Sédar Senghor 1936 gesagt haben. Kurz darauf schrieb er eine Liebeserklärung an die „Schwarze Frau“. Seiner senegalesischen Heimat rief er zu: Seid stolz auf eure Kultur, auf eure Geschichte, auf eure Hautfarbe. Seine Worte wirkten weit über Senegal hinaus, sie begründeten eine politische Bewegung. Senghor, der Dichter und Philosoph, führte das Land in die Unabhängigkeit, seine Ode an die „Schwarze Frau“ wurde zum Ausdruck afrikanischen Selbstbewusstseins.

          Heute wird die Heimat der Négritude von einer Weißmacher-Kampagne überrollt. „Weiß in 15 Tagen!“ Die Plakate hängen überall in Dakar. Sie werben für eine Creme. Darauf zu sehen ist eine Frau: zuerst schwarz - dann weiß. Sehr weiß. Photoshop-Weiß nennen es manche Senegalesen.

          „Das ist doch Irrsinn!“, sagt Fatimata Ly, Ärztin im Universitätsklinikum Dakar. „Wie kann man uns erzählen, man könnte in fünfzehn Tagen die Hautfarbe wechseln? Und vor allem: Wozu?“ Sie schüttelt den Kopf. Diese Bleichcreme-Werbung raube ihr noch den letzten Nerv. Frau Ly behandelt diejenigen, die der Werbung Glauben schenkten. Sie strecken der Ärztin entgegen, was oftmals übrig bleibt von der Verschönerung: fleckige Haut, vernarbte Haut, verbrannte Haut.

          Epidemische Ausmaße

          Fatimata Ly kämpft schon seit zehn Jahren gegen die sogenannte künstliche Depigmentation. Der Wunsch, die Haut aufzuhellen, ist nicht neu und in weiten Teilen Westafrikas verbreitet. „Weiß sein, heißt schön sein, heißt erfolgreich sein“, sagt die Ärztin. Weiß werden, das heißt aber auch: erhöhte Krebsgefahr, Verbrennungen, Entzündungen, Schädigungen des Drüsengewebes. Das Ganze habe epidemische Ausmaße angenommen, sagt die 45 Jahre alte Ärztin. Die Hälfte aller Frauen, die zu ihr in die dermatologische Abteilung der Uniklinik Cheikh Anta Diop kämen, habe sich die Haut mit Bleichcremes ruiniert.

          Die Cremes werden in westafrikanischen Hinterhöfen hergestellt oder aus dem Ausland importiert. So genau weiß das niemand. Es soll auch niemand genau wissen. Die neue Marke „Khess Petch“ („Ganz weiß“), die seit einigen Monaten auf dem Markt ist, kennt dank der etwa 15.000 Euro teuren Werbekampagne jeder im Senegal - über den Hersteller ist wenig bekannt. Auch das senegalesische Gesundheitsministerium zeigt sich ahnungslos: Es sei nur für den Import von Medikamenten zuständig, nicht für Kosmetika, teilt Gesundheitsministerin Eva Coll Seck der F.A.S. in einer Stellungnahme mit. Und die Hautcremes werden eben als Kosmetika eingestuft.

          „Natürlich handelt es sich dabei um Medikamente“, sagt Fatimata Ly. Die Cremes enthielten Clobetasol, Hydrochinon und Tretinoin. Diese Wirkstoffe sind in Europa in Kosmetika verboten. Im Senegal werden sie weiterhin im großen Stil verkauft, auch von europäischen Firmen.

          Die Haut wird ruiniert

          Tretinoin ist eine Vitamin-A-Säure. Sie beschleunigt das Absterben der oberen Hautschicht. Der Körper stößt die melaninhaltigen Zellen ab. Die Hornhautschicht wird dünner. So kann der zweite Wirkstoff, das Hydrochinon, leichter in die Zellen eindringen - und dort verhindern, dass neues Melanin gebildet wird. Hydrochinon ist ein chemischer Stoff, der auch bei der Entwicklung von Fotos benutzt wird. In Deutschland ist diese Chemikalie in Kosmetika verboten. Erlaubt ist sie lediglich in Haarfärbemittel in der Konzentration von maximal 0,3 Prozent. Die Cremes, die im Senegal verkauft werden, können mehr als das Hundertfache des Wirkstoffs enthalten: Ein Anteil von fünf bis 20 Prozent ist üblich.

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