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Ägypten Getrieben

Präsident Mursis Tage sind gezählt. Schuld sind eine ganze Reihe von Fehlern der ägyptischen Muslimbruderschaft.

In Ägypten tritt der Machtkampf zwischen den Gegnern und den Unterstützern des Präsidenten Mursi in eine entscheidende Phase. Zu keinem anderen Zeitpunkt seit dem Sturz Husni Mubaraks im Februar 2011 lagen die Nerven so blank wie in dieser Woche. Die Front gegen Mursi und die Muslimbruderschaft tritt zunehmend geschlossen auf, und die Chance, dass sich Mursi halten kann, schwindet.

Rainer Hermann Folgen:  

Nach einer Reihe von Fehleinschätzungen, etwa über das Ausmaß der Unzufriedenheit im Lande, beging die Muslimbruderschaft am Mittwoch einen weiteren Fehler, als sie eine Einladung des Militärs ausschlug, um über die „Roadmap“ zur Lösung der Krise zu sprechen. Damit isoliert sich die Muslimbruderschaft und beraubt sich selbst der Gelegenheit, die Ereignisse mitzugestalten. Mursi und die Muslimbrüder werden zu Getriebenen. Mursi kündigte an, sein Blut zu opfern, und die Muslimbruderschaft stellte klar, mit der Absetzung Mursis durch die Armee würde eine „rote Linie“ überschritten. Jeder Weg, der die Muslimbruderschaft zu Verlierern machte, würde zu einer gefährlichen Eskalation der Gewalt führen. Die Muslimbruderschaft würde sich nicht nehmen lassen, was sie rechtmäßig in einer Wahl bekommen hat. Auch würden ihre Mitglieder fürchten, dass sie nach einem Sturz Mursis Opfer einer Rachekampagne der neuen Sieger werden könnten.

Um Mursi wird es einsamer. Minister treten zurück, Abgeordnete geben auf, auch enge Berater. Die Polizei hat gegen ihn Stellung bezogen, und nach der Absage an das Militär wird ihn dieses kaum mehr als Oberbefehlshaber akzeptieren. Sollte Mursi nicht rasch ein Angebot aus dem Hut zaubern, das alle überrascht, sind seine Tage gezählt. Die Armee drängt sich nicht in eine neue politische Verantwortung. Sie hat deshalb den Ablauf des Ultimatums verstreichen und die Gesprächskanäle offen gelassen. Die Armee entzieht sich aber auch nicht ihrer Verantwortung als der einzigen Institution, der die Ägypter laut einer Umfrage vertrauen, und sieht dem Zusammenstoß der zwei Lager nicht tatenlos zu. Sollte zutreffen, dass die Armee, wie vermutet wird, in ihrer „Roadmap“ Mursis Absetzung und die Annullierung der Verfassung anstrebt, hätte sie sich auf die Seite der Opposition geschlagen - und hätte die Muslimbruderschaft ein weiteres Mal die Lage falsch eingeschätzt.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 03.07.2013, 17:55 Uhr

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Von Rainer Hermann

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