http://www.faz.net/-gq5-7ry9p

40 Tote bei Doppelanschlag : Neue Dimension des Terrors in Nigeria

In Nigerias Millionenstadt Kaduna explodierten zwei Bomben Bild: dpa

Im Norden Nigerias sind mindestens 42 Menschen bei zwei Anschlägen umgekommen. Die Bomben galten einem prominenten muslimischen Prediger und einem Oppositionspolitiker. Wollte Boko Haram die Ohnmacht des Staates demonstrieren?

          Bei einem doppelten Bombenanschlag in der nordnigerianischen Millionenstadt Kaduna sind am Mittwoch nach ersten Meldungen mindestens 42 Menschen ums Leben gekommen. Die beiden Angriffe hatten einen prominenten muslimischen Prediger sowie den Führer der nigerianischen Opposition zum Ziel, die beide unverletzt blieben.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Die erste Bombe explodierte, als der weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Imam Dahiru Bauchi nach einer Predigt in einem offenen Wagen durch das Stadtzentrum fuhr, um seine Anhänger zu grüßen. Bei dem mutmaßlich von einem Selbstmordattentäter verübten Anschlag sollen 25 Menschen ums Leben gekommen sein.

          Der zweite Angriff ereignete sich 90 Minuten später nur wenige Kilometer entfernt, als der Konvoi des Oppositionspolitikers Muhammadu Buhari angegriffen wurde, wobei 15 Menschen getötet worden sein sollen. Buhari ist ein ehemaliger General der nigerianischen Armee, der in den achtziger Jahren kurz der Militärjunta vorstand, die damals Nigeria regierte. Bei den Wahlen im Jahr 2011 war er der wichtigste Konkurrent des jetzigen Präsidenten Goodluck Jonathan gewesen und hatte angekündigt, bei den Wahlen im kommenden Jahr abermals gegen ihn kandidieren zu wollen.

          Anschläge 100 Tage nach Entführung von Schulmädchen

          Bislang bekannte sich niemand zu dem Doppelanschlag. Für die nigerianischen Sicherheitskräfte steht eine Täterschaft der radikal-islamischen Sekte Boko Haram allerdings außer Frage. Sollte das zutreffen, markiert der Doppelanschlag von Kaduna eine neue Qualität des Terrors in Nigeria. Noch nie zuvor waren zwei so bekannte öffentliche Personen nahezu gleichzeitig angegriffen worden.

          Die Frage ist zudem, ob Boko Haram mit diesen Angriffen nicht darauf abzielt, die Ohnmacht der nigerianischen Sicherheitsdienste zu demonstrieren: Die Bomben explodierten auf den Tag genau 100 Tage nach der Entführung von 219 Schulmädchen aus Chibok, von denen nach wie vor jede Spur fehlt.

          Weitere Themen

          Die Rikscha mit Stil Video-Seite öffnen

          VIP-Service : Die Rikscha mit Stil

          Mit einem eleganten VIP-Service will ein nigerianischer Jungunternehmer die weit verbreiteten Vorurteile über Rikscha-Fahrer abbauen.

          Links, Frau, Muslima

          Amerikanische Demokratin : Links, Frau, Muslima

          Rashida Tlaib wird im November als erste muslimische Frau in den amerikanischen Kongress einziehen. Die Demokratin aus Michigan ist Teil eines Trends – der viel mit Donald Trump zu tun hat.

          Topmeldungen

          Eingestürzte Brücke : Plötzlich weggesackt

          Das schwerste Brückenunglück seit Jahrzehnten dürfte die hitzige politische Debatte über den Zustand der Infrastruktur in Italien zusätzlich anheizen. Viele Straßen und Brücken sind nach Jahren der Wirtschaftskrise marode.
          Einmal holte Erdogan doch aus: Er verkündete den Boykott von elektronischen Geräten aus Amerika.

          Erdogan begeistert Anhänger : Seelenmassage und Durchhalteparolen

          Bei einem Auftritt in Ankara anlässlich des Jahrestages der AKP-Gründung provoziert Erdogan zwar weniger als sonst. Einen Plan zur Entschärfung der Krise präsentiert er aber nicht. Bejubelt wird er dennoch.
          Pendeln Sie auch jeden Tag zur Arbeit?

          Der lange Weg zur Arbeit : Die Deutschen pendeln weiter denn je

          Die Mieten in den Städten werden teurer und somit die Wege für viele Berufstätige länger – im Schnitt müssen diese 10,5 Kilometer fahren. Aber es gibt auch einen Trend von der Stadt in Richtung Peripherie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.