30.06.2006 · Einen Monat vor den Wahlen in Kongo sind im Südwesten des Landes bei der Auflösung eines Demonstrationszugs zehn Menschen getötet worden. Eine EU-Truppe mit deutschen Soldaten soll in der Hauptstadt Kinshasa den Urnengang sichern.
Einen Monat vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Kongo haben Sicherheitskräfte bei der gewaltsamen Auflösung einer Demonstration im Südwesten des Landes am Freitag mindestens zehn Menschen getötet. Nach Angaben eines Sprechers der UN-Mission Monuc in Kinshasa wurden bei dem Zwischenfall in der Hafenstadt Matadi, der Hauptstadt der Provinz Bas-Congo, ein Polizist und neun Demonstranten getötet. Fünf Menschen seien schwer verletzt worden.
Die staatliche kongolesische Nachrichtenagentur ACP in Matadi berichtete von zehn getöteten Demonstranten und einem getöteten Polizisten sowie von mindestens zehn Verletzten. Demnach schritten die kongolesischen Sicherheitskräfte ein, nachdem ein Demonstrant einem Militärpolizisten die Waffe entrissen hatte. „Wir wissen noch nicht, was die Sicherheitskräfte veranlaßt hat, die Demonstration aufzulösen“, sagte Monuc-Sprecher Jean-Tobie Okala. Die Nachrichtenagentur ACP berichtete, die Sicherheitskräfte hätten mit scharfer Munition in die Menge aus mehreren hundert Demonstranten geschossen und dabei zehn Teilnehmer und einen Polizisten getötet. Unter den Verletzten waren demnach vier Polizisten.
Religiös motivierte Proteste?
Nach Angaben von Anwohnern war nach den blutigen Zusammenstößen ein Großaufgebot an Sicherheitskräften im Einsatz; die Lage sei wieder ruhig. Zu dem Protestmarsch hatte die politisch-religiöse Bewegung Bundu dia Kongo aufgerufen. Die Demonstranten forderten Augenzeugen zufolge die „Unabhängigkeit“ der Provinz Bas-Congo sowie das Ende des politischen Übergangsprozesses in der Demokratischen Republik Kongo. Außerdem skandierten sie demnach Parolen gegen Fremde, die nicht aus Bas-Congo stammen.
Am Mittwoch hatten Anhänger der Bewegung Bundu dia Kongo Flugblätter verteilt, in denen sie die Fremden aufforderten, die Provinz „vor dem 30. Juli“ zu verlassen. An jenem Tag finden im Kongo Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt. Die Gruppe Bundu dia Kongo zählt zehntausende Anhänger, vor allem in Bas-Congo, und wird von dem spirituellen Führer Ne Muamba Nsemi geleitet. Die Lage in der Demokratischen Republik Kongo ist vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen zunehmend angespannt. 33 Kandidaten streiten sich um das Präsidentenamt; 9707 Kandidaten bewerben sich um die 500 Abgeordnetensitze. Insgesamt 25,6 Millionen Wahlberechtigte sind zur Stimmabgabe aufgerufen.
Jung reist nach Kinshasa
Eine 2.000 Soldaten umfassende EU-Truppe soll in der Hauptstadt Kinshasa und vom nahegelegenen Gabun aus den Urnengang sichern. Die Bundeswehr stellt für die Mission 780 Soldaten. Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) reist am Sonntag zur deutschen Truppe in den Kongo.
Die ersten freien Wahlen seit 45 Jahren gelten als Meilenstein im Friedensprozess des zentralafrikanischen Landes, das derzeit von einer Übergangsregierung unter Beteiligung der großen Konfliktparteien geführt wird. Das an Bodenschätzen reiche ehemalige Zaire leidet unter den Folgen des Bürgerkriegs (1998-2002), in dessen Verlauf mehr als 2,5 Millionen Menschen starben. Nach Angaben der Vereinten Nationen handelte es sich um die schlimmste kriegerische Auseinandersetzung der Gegenwart.
Was macht den Kongo für uns Wessis interessant?
A. Ro-Nori (Steuerzahler)
- 03.07.2006, 11:12 Uhr