06.12.2007 · Mit dem Einsatz in Tschad will die EU zur Lösung der Krise in Darfur beitragen. Er sollte im Dezember beginnen, doch bislang ist kein Soldat in das zentralafrikanische Land verlegt worden - es fehlt auch an Hubschraubern.
Von Nikolas Busse, BrüsselDer EU ist es nicht gelungen, ihre geplante Militärmission in Tschad wie geplant Anfang Dezember beginnen zu lassen. Wie von Diplomaten in Brüssel jetzt zu erfahren war, ist noch kein Soldat in das zentralafrikanische Land verlegt worden.
Grund sind Probleme bei der Logistik, die sich bereits seit einiger Zeit abgezeichnet haben. Es fehlen insbesondere Hubschrauber, um Personal und Material ins Einsatzgebiet zu bringen. In der EU ist man nach eigenem Bekunden aber guter Hoffnung, dass es sich nur um eine Verzögerung von „einigen Wochen“ handelt. Ein völliges Scheitern der Mission, die der Beitrag der EU zur Bewältigung der Darfur-Krise sein soll, wird für unwahrscheinlich gehalten.
Es fehlen vor allem Hubschrauber
Der Vorsitzende des EU-Militärausschusses, der französische General Henri Bentégeat, hatte kürzlich in Brüssel berichtet, dass die Mitgliedstaaten zwar genug Soldaten für Infanterie, Pioniere, Führung und Kommunikation sowie die Hauptquartiere abgestellt hätten; es fehlten jedoch Transportmittel und Sanitätskräfte. Während sich bei den Sanitätern nach Auskunft von Diplomaten eine Lösung abzeichnet, sucht die EU immer noch nach Hubschraubern.
Auf die kann in Tschad nicht verzichtet werden, weil das Einsatzgebiet völlig unzugänglich ist und die Truppen zu einem erheblichen Teil aus der Luft versorgt werden müssen. Die EU muss sogar eigens Landebahnen bauen. Der Mangel an Hubschraubern in fast allen westlichen Armeen führt immer wieder zu Engpässen bei Auslandseinsätzen, so auch in Afghanistan. In Tschad kommt erschwerend hinzu, dass wegen der klimatischen Bedingungen, vor allem wegen der Hitze, ohnehin nicht jeder Hubschraubertyp einsatzfähig ist.
Zivile Hubschrauber als Ausweg?
General Bentégeat deutete an, dass die Anmietung von zivilem Fluggerät die Lücken füllen könnte. Den Verantwortlichen in Brüssel ist aber auch nicht entgangen, dass Frankreich bereits Hubschrauber in Tschad stationiert hat. Frankreich unterhält in seiner früheren Kolonie seit längerem Truppen und war auch die treibende Kraft hinter der Einsetzung der Tschad-Mission.
Frankreich liefert mit gut 1500 Soldaten bisher den größten Beitrag, zu den Haupttruppenstellern gehören außerdem Irland und Polen. Die Truppe steht unter dem Befehl des irischen Brigadegenerals Patrick Nash, der zuletzt stellvertretender Befehlshaber für Einsätze in der Armee seines Heimatlandes war; er diente im Libanon, Bosnien und im Kosovo.
Deutschland hat keine Einsatzkräfte für die EU-Mission zur Verfügung gestellt, die im September vom UN-Sicherheitsrat ein Mandat für Tschad und die Zentralafrikanische Republik erhielt. Sie soll insbesondere einen Beitrag zur Sicherung und Versorgung von Flüchtlingslagern in Osttschad leisten (deren Insassen teilweise aus Darfur stammen) und das dort eingesetzte UN-Personal schützen. Die Dauer des Einsatzes ist auf ein Jahr begrenzt. (Siehe auch: In Tschad Kämpfe an allen Fronten)
Armutszeugnis
Josef Bujtor (Mramorak)
- 07.12.2007, 08:00 Uhr
Nikolas Busse Jahrgang 1969, politischer Korrespondent für die Nato und die EU mit Sitz in Brüssel.
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