Home
http://www.faz.net/-gq5-t352
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Afrika Somali-Milizen drohen Äthiopien

21.07.2006 ·  Äthiopien hat anscheinend Truppen in die somalische Stadt Baidoa verlegt, in welchem Umfang ist aber noch unklar. Die somalischen Scharia-Milizen haben dem Nachbarland indes einen „Heiligen Krieg“ angedroht.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Nach der mutmaßlichen Ankunft äthiopischer Truppen in der somalischen Stadt Baidoa haben die Scharia-Milizen aus Mogadischu mit einem „heiligen Krieg“ gegen das Nachbarland gedroht. Der Vorsitzende des „Exekutivrates des Obersten Islamischen Rates“ - der Versammlung der Vorsitzenden der Scharia-Gerichtshöfe -, Scheich Shariff Ahmed, forderte den sofortigen Rückzug der Äthiopier und ein Ende der „Einmischung Äthiopiens in innersomalische Angelegenheiten“. Anderenfalls, so Ahmed, sei ein Krieg unvermeidlich.

Äthiopische Regierungsstellen bestritten ebenso wie die somalische Übergangsregierung unter Präsident Abdullahi Yussuf Ahmed, die ihren Sitz in Baidoa hat, die Präsenz äthiopischer Truppen in der Stadt. Gleichwohl hatten Augenzeugen sowohl der britischen BBC als auch der Nachrichtenagentur AFP das Eintreffen der Äthiopier bestätigt.

„Äthiopische Invasion herbeireden“

Demnach sollen in den vergangenen Tagen bis zu 100 Militärlastwagen mit angehängten Artilleriegeschützen in Baidoa eingetroffen sein und in einer verlassenen Kaserne außerhalb der Stadt Positionen bezogen haben. Allerdings liegen keinerlei verläßliche Angaben über die Anzahl äthiopischer Soldaten vor.

Die gewöhnlich gut über die Vorgänge in Somalia unterrichtete AFP spekulierte, die Äthiopier hätten lediglich Material nach Baidoa gebracht, um im Falle eines Angriffes der Scharia-Milizen schnell handeln und die somalische Übergangsregierung schützen zu können, was die Islamisten ihrerseits als „Propaganda der Übergangsregierung“ abtaten, die nur den Zweck habe, eine „äthiopische Invasion herbeizureden“, so Scheich Ahmed.

Gleichwohl zeigt die jüngste Eskalation, daß mit dem Sieg der Islamisten über die Kriegsfürsten in Mogadischu im Juni der Krieg in Somalia nicht beendet ist, sondern vermutlich gerade erst anfängt. Die von Äthiopien initiierte, finanzierte und trotzdem weitgehend machtlose somalische Übergangsregierung hatte zwar vor kurzem einen Waffenstillstand mit den Islamisten geschlossen. Ansonsten aber lehnt Präsident Ahmed jeden Kompromiß mit den neuen Herren aus Mogadischu ab und fordert statt dessen ausländische Truppen zur Befriedung Somalias. Letzteres wird von den Islamisten vehement abgelehnt.

Islamisten: Region Ogaden „heimholen“

Äthiopien hatte wiederholt seine Besorgnis über das Erstarken des radikalen Islams im Nachbarland kundgetan. Hintergrund ist die erklärte Absicht maßgeblicher Islamistenführer, darunter ihres Chefideologen Scheich Hassan Dahir Aweys, die heute zu Äthiopien gehörende, aber zu 90 Prozent von Somaliern bewohnte Region Ogaden „heimzuholen“.

Aweys ist Mitbegründer der somalischen Terrorgruppe „Al Itihad al Islamia“, die in den neunziger Jahren zahlreiche Anschläge in Äthiopien verübte und vorgab, für eine vereintes Somalia zu kämpfen. Zusätzliche Brisanz erhält der sich abzeichnende Konflikt zwischen Äthiopien und Somalia durch die Einmischung Eritreas, das sich zu Beginn des Jahrtausends einen blutigen Grenzkrieg mit Äthiopien lieferte und seitdem jeden unterstützt, der gegen Addis Abeba vorgehen will. Nach Angaben der Vereinten Nationen kommt der Großteil der Waffen der Scharia-Milizen mittlerweile aus Asmara.

Quelle: tos. / Frankfurter Allgemeine Zeitung
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr