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Afrika EU: Sudans Regierung bombardiert Zivilisten

13.09.2006 ·  Die sudanesische Armee bombardiert nach Erkenntnissen der EU wehrlose Zivilisten in der Krisenregion Darfur. Hilfsorganisationen und die UN beklagen eine dramatische Verschlechterung der Sicherheitslage. „Darfur befindet sich im freien Fall.“

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Sudanesische Regierungstruppen bombardieren nach Erkenntnissen der Europäischen Union wehrlose Zivilisten in der Krisenregion Darfur. Der EU-Sondergesandte Pekka Haavisto sagte am Dienstag nach einem dreitägigen Besuch in der Region, er habe Kinder im Alter von unter drei Jahren gesehen, die von Bomben verletzt worden seien. Mit eigenen Augen habe er außerdem beobachtet, wie Soldaten Flugzeuge vom Typ Antonov mit Bomben beladen hätten und diese dann gestartet seien.

„Es gibt Angriffe, die Zivilisten treffen. Die Bomben werden über Dörfern abgeworfen, in denen Zivilisten leben“, sagte Haavisto. „Das erinnert mich sehr stark an die ersten Bilder aus Darfur von 2003.“

„Ständig in Gefahr, angegriffen zu werden“

Die anhaltenden Kämpfe in der westsudanesischen Provinz Darfur begannen 2003, als die Regierung arabische Milizen bewaffnete, um einen Aufstand vorwiegend nicht arabischstämmiger Rebellen niederzuschlagen. Den Milizen werden Vergewaltigungen, Plünderungen und Mord vorgeworfen. Durch die Gewalt in Darfur sind bereits 200.000 Menschen getötet und 2,5 Millionen zu Flüchtlingen gemacht worden.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatte vor kurzem gegen den Willen der sudanesischen Regierung eine Friedenstruppe für Darfur beschlossen. Sie soll 7000 Soldaten der Afrikanischen Union ablösen, deren Mandat für den Einsatz in Darfur Ende des Monats ausläuft.

Hilfsorganisationen beklagen unterdessen eine dramatische Verschlechterung der Sicherheitslage in Darfur. „Die Situation hat sich seit Beginn des Jahres immer weiter verschlimmert, vor allem in den vergangenen Monaten“, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Dienstag in Nairobi mit. Rund um den Vulkan Dschebel Marra in der Mitte der Krisenregion habe das IKRK seine Arbeit eingestellt, nachdem dort im August ein Mitarbeiter ums Leben gekommen war. Zu anderen Regionen sei der Zugang nur sporadisch möglich. „Die Einwohner sind ständig in Gefahr, angegriffen zu werden oder ihre Herden zu verlieren. Beides wird zu weiteren Vertreibungen führen“, teilte das IKRK mit.

„Darfur befindet sich im freien Fall“

Nach UN-Informationen sind am vergangenen Wochenende im Norden Darfurs mindestens sieben Dörfer bombardiert worden. Dabei seien Militärmaschinen vom Typ Antonow im Einsatz gewesen, berichtet die UN-Nachrichtenagentur Irin. Der Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen Jan Egeland sagte: „Darfur befindet sich im freien Fall.“ Niemand wisse, wie hoch die Opferzahlen tatsächlich seien, da es aus Sicherheitsgründen keine verläßlichen Schätzungen gebe.

Die sudanesische Regierung hat indes die massive Kritik von UN-Generalsekretär Kofi Annan als Angriff auf die Souveränität abgetan. Annan hatte die sudanesische Militäroffensive im Norden Darfurs als „eine klare Verletzung des Darfur-Friedensabkommens“ bezeichnet.

Quelle: FAZ.NET mit Reuters und dpa
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