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Afghanistan Zwei südkoreanische Geiseln frei

14.08.2007 ·  Nach dreieinhalb Wochen Geiselhaft haben die Taliban erstmals zwei der von ihnen entführten Südkoreanerinnen freigelassen. Von dem entführten Deutschen Rudolf B. gibt es neue Lebenszeichen.

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Die Taliban haben zwei der entführten südkoreanischen Geiseln freigelassen. Das bestätigte die südkoreanische Regierung. Die beiden Frauen befänden sich an einem sicheren Ort, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Seoul. Die beiden 32 und 37 Jahre alten Frauen seien krank, ihr Zustand sei aber nicht ernst, sagte der Gouverneur der südostafghanischen Provinz Ghasni, Mehrajuddin Patan, der Deutschen Presse-Agentur. Sie befänden sich nun auf dem Weg in die Stadt Ghasni. (Siehe auch Video: Taliban lassen zwei Südkoreanerinnen frei)

Ein Taliban-Sprecher sagte, über das Schicksal der verbliebenen Geiseln werde nach dem Ende der Verhandlungen mit Südkorea entschieden.
Der Gouverneur der Provinz Ghasni, Maradschudin Pathan, schloss erneut den geforderten Austausch mit inhaftierten Rebellen aus. „Unsere Haltung ist unverändert.“ Es würden keine Aufständischen freigelassen. Die Taliban wollen 21 Gesinnungsgenossen freipressen, die in afghanischen Gefängnissen und im amerikanische Stützpunkt in Bagram einsitzen.Taliban-Sprecher Ahmadi bekräftigte aber, dass den verbliebenen 19 Geiseln - 14 Frauen und 5 Männern - nichts geschehen werde, solange die am Freitag begonnenen Verhandlungen mit den südkoreanischen Unterhändlern andauerten. Die Extremisten haben bereits zwei männliche Geiseln erschossen.

Lebenszeichen von deutscher Geisel

Von dem vor knapp vier Wochen in Afghanistan entführten deutschen Bauingenieur Rudolf Blechschmidt hat es am Montag ein aktuelles Lebenszeichen gegeben. In einem Telefongespräch mit dem Büro der Nachrichtenagentur AP in Kandahar sagte er, dass er sehr krank und sein Leben in großer Gefahr sei. Das Gespräch kam zu Stande, indem die Taliban am Morgen aus eigenen Stücken bei Associated Press anriefen und dann ihre Geisel ans Telefon holten.

Die stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amts, Julia Gross, erklärte auf Nachfrage am Montag in Berlin: „Wir haben Medienberichte über Kontakte mit dem in Afghanistan entführten Deutschen zur Kenntnis genommen. Der Krisenstab des Auswärtigen Amts setzt seine Bemühungen mit aller Kraft fort, die Freilassung des Deutschen zu erreichen.“

Mit den Taliban in den Bergen

In dem Telefongespräch identifizierte sich Blechschmidt zunächst mit Namen und Wohnort. „Bitte geben Sie diese Nachricht an die deutsche Botschaft und an meinen Sohn Markus weiter“, sagte er dann. Er lebe mit den Taliban in den Bergen und befinde sich in großer Gefahr, da er sehr krank sei. Seine Geiselnehmer wollten mit der Regierung in Kabul über ein Ende seiner Gefangenschaft verhandeln, sagte Blechschmidt weiter. Sie seien aber auch bereit, ihn zu töten.

Blechschmidt sprach in gebrochenem Englisch. Die Stimme des Ingenieurs schien den Schluss nahe zu legen, dass er unter enormen psychischen Druck stand. Die Grammatik und der Tonfall seiner Aussagen geben Anlass zu der Vermutung, dass es sich um eine vorbereitete Erklärung handeln könnte. Die Taliban haben in den vergangenen Wochen wiederholt Interviews mit ausländischen Geiseln angeboten, offenbar um auf diese Weise öffentlichen Druck in deren Heimatländern zu erzeugen und die afghanische Regierung unter Druck zu setzen. Blechschmidt war am 18. Juli zusammen mit einem Kollegen entführt worden. Dieser wurde von den Geiselnehmern erschossen.

Berlin will Taliban in Aufbau einbinden

Unterdessen hat sich die Bundesregierung für eine Einbindung der Taliban in den Aufbau Afghanistans ausgesprochen. Die Versöhnung in dem kriegszerstörten Land könne nicht durch einen Ausschluss der Taliban erreicht werden, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Steg am Montag in Berlin. Vielmehr müssten „moderate, vernünftige“ Vertreter, die am Wiederaufbau und an Aussöhnung interessiert seien, einbezogen werden. Schon jetzt spreche die afghanische Regierung mit einzelnen Vertretern der radikal-islamischen Gruppe.

Die Rolle der Taliban bei der Friedenssicherung in Afghanistan ist heftig umstritten. So war der SPD-Vorsitzende Beck Anfang April mit heftiger Kritik auch aus der eigenen Partei bedacht worden, als er vorschlug, gemäßigte Taliban zu einer Friedenskonferenz einzuladen.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes äußerte nun die Hoffnung auf mehr Sicherheit in Afghanistan, nachdem sich zahlreiche einflussreiche Stammesführer aus der pakistanisch-afghanischen Grenzregion zum Abschluss der Friedens-Dschirga am Wochenende erstmals zu einer gemeinsamen Verantwortung im Kampf gegen den Terrorismus bekannt hatten.

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