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Afghanistan Zerstörtes Land

01.10.2007 ·  Präsident Karzais Versöhnungsangebot an die islamistischen Taliban wirkt surreal. Nichts spricht dafür, dass ausgerechnet sie gern ihre Bomben in Entwicklungswerkzeuge tauschen wollten, doch von Fremden daran gehindert würden, meint Klaus-Dieter Frankenberger.

Von Klaus-Dieter Frankenberger
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Es muss die Verzweiflung über einen weiteren Massenmord in Kabul sein, die den afghanischen Präsidenten Hamid Karzai dazu getrieben hat, die Taliban-Führer Mullah Omar und den Kriegsherrn Hekmatyar nicht nur zu Verhandlungen aufzufordern, wie er das schon mehrfach getan hat, sondern ihnen gleich noch Regierungsposten anzubieten. Ausgerechnet Mullah Omar und Hekmatyar - der eine Oberislamist und Landespatron von Al Qaida, der andere einer der schlimmsten Wüteriche im afghanischen Bürgerkrieg während der neunziger Jahre. An diese beiden richtete Karzai sein Versöhnungsangebot, das er allein an einen Gewaltverzicht knüpfte - der war auch das mindeste, worauf er bestehen musste, ohne die Offerte nicht gänzlich zu einem Akt der Selbstdemütigung werden zu lassen.

Und doch erntete der paschtunische Präsident nur Spott, den die umworbenen Anstifter und Hintermänner von Massenmorden bei ihrer Ablehnung dadurch zum Ausdruck brachten, dass sie ihrerseits Bedingungen stellten, vor allem die des Abzugs der ausländischen Truppen. Auf dass man umso ungestörter die Retalibanisierung betreiben, die Autorität Karzais, den sie sowieso nur als Marionette Amerikas sehen, weiter beschränken und den bisher erreichten Aufbau zunichtemachen kann.

Wer schließt aus, dass sie ihre Rivalen ausschalten?

Die Frage ist weniger, ob es besonders klug war, die Regierungsbeteiligung der Taliban ausgerechnet an einem Tag ins Gespräch zu bringen, da sie einen der schlimmsten Anschläge in der Hauptstadt verübten. Aber nichts spricht für die Annahme, dass ausgerechnet diese Leute gern ihre Bomben in Entwicklungswerkzeuge umtauschen wollten, doch von den Fremden daran gehindert würden.

Die Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen, sind die nach dem Zusammenhalt der Taliban und ihrem Rekrutierungsreservoir. Und selbst wenn sich moderate Taliban finden ließen, die Karzais Angebot annähmen - wer könnte ausschließen, dass sie, dann ausgestattet mit Macht, nicht auf diesem Wege ihre Ziele erreichen und ihre Rivalen auszuschalten suchten? Solange die Botschaft der Taliban die des Terrors ist und nicht der glaubhafte Gewaltverzicht, wirken Karzais Versöhnungsangebote an jene, die das Land zerstören, surreal.

Quelle: F.A.Z., 01.10.2007, Nr. 228 / Seite 1
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Jahrgang 1955, verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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