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Aktualisiert: 06.06.2017, 10:39 Uhr

Nach Anschlag in Kabul Zahl der Todesopfer steigt auf über 150

Afghanistans Hauptstadt wird auch nach dem Anschlag im Diplomatenviertel weiter von Gewalt erschüttert. Die Zahl der Opfer erhöht sich drastisch. Präsident Ghani stellt den Taliban ein Ultimatum.

© EPA Afghanische Sicherheitskräfte stehen nach dem Anschlag von Kabul an einem Checkpoint in Herat, im Westen des Landes.

Die Zahl der Todesopfer nach dem Anschlag im Diplomatenviertel von Kabul am vergangenen Mittwoch hat sich nach Angaben der afghanischen Regierung drastisch erhöht. Mehr als 150 Menschen seien getötet und mehr als 300 weitere schwer verletzt worden, sagte Präsident Aschraf Ghani am Dienstag bei einer Friedenskonferenz in der afghanischen Hauptstadt.

Bislang waren die Behörden davon ausgegangen, dass bei dem Anschlag mindestens 90 Menschen getötet wurden. Dem afghanischen Innenministerium zufolge sprengte sich ein Selbstmordattentäter mit einem mit 1500 Kilogramm Sprengstoff beladenen Tanklaster mitten im hochgesicherten Diplomatenviertel in die Luft. Die afghanische Regierung machte das mit den Taliban verbündete Haqqani-Netzwerk für die Tat verantwortlich. Bei der Explosion wurde auch die deutsche Botschaft erheblich beschädigt.

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Auch in den Tagen nach dem Anschlag wurde die afghanische Hauptstadt von Gewalt erschüttert. Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften wurden am Freitag vier Menschen getötet. Die Regierungskritiker waren aus Ärger über den verheerenden Anschlag vom Mittwoch auf die Straße gegangen. Am Samstag wurden bei einem Anschlag auf die Trauerfeier für eines der Opfer mindestens sieben Menschen getötet.

Kurz nach Beginn einer internationalen Friedens- und Sicherheitskonferenz in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist am Dienstag unweit des Konferenzortes eine Rakete eingeschlagen. Es sehe so aus, als ob sie einen Grünbereich der italienischen Botschaft getroffen und keinen Schaden angerichtet habe, sagte der Kabuler Polizeibeamte, Mohammed Saher Okab, am Dienstag. In Medienberichten hieß es, die Rakete sei in der daneben liegenden indischen Botschaft oder nahe dem benachbarten Nato-Hauptquartier eingeschlagen.

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Der afghanische Präsident Aschraf Ghani stellte den radikalislamischen Taliban zu Beginn der Konferenz ein Ultimatum für Friedensgespräche. „Wir bieten eine Chance auf einen Frieden, aber das ist kein unbefristetes Angebot“, sagte Ghani am Dienstag. „Dies ist die letzte Chance, ergreift sie oder tragt die Konsequenzen.“

An der multinationalen Friedenskonferenz  nehmen Vertreter aus rund zwei dutzend Staaten teil, darunter die Vereinigten Staaten, Indien, China sowie Pakistan, dem Kabul seit langer Zeit Unterstützung der radikalislamischen Taliban vorwirft.

© AP, reuters Proteste nach Anschlag in Kabul

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