Auch am Freitag sind wieder Tausende Afghanen auf die Straße gegangen, um gegen die Präsenz westlicher Soldaten zu protestieren. Wegen erhöhter Sicherheitsmaßnahmen schienen die Proteste aber bis zum Abend nicht zu eskalieren.
In Pakistan rief Premierminister Jussuf Gilani die afghanischen Taliban und andere Aufständischengruppen auf, Verhandlungen mit der Regierung von Hamid Karzai aufzunehmen. Er werde alles tun, was nötig sei, um den Prozess zu unterstützen, teilte er in Islamabad mit.
Nach einem offenbar aufheizenden Freitagsgebet in Kabul kam es abermals zu Auseinandersetzungen in der Hauptstadt. An mehreren Orten brüllten Menschen „Tod für Amerika“. Steine flogen, und Sicherheitskräfte gaben Warnschüsse ab.
Mindestens ein Demonstrant wurde getötet. Über die Zahl der Verletzten gab es unterschiedliche Angaben. Weitere Proteste wurden aus den Provinzen Bamijan, Ghazni and Nangarhar gemeldet. Auch im Einsatzgebiet der Bundeswehr, in den Provinzen Baghlan and Kundus.
Bundeswehr verlagert Soldaten aus Taloqan nach Kundus
Das deutsche Regionalkommando zog die Bundeswehrsoldaten schneller als geplant aus dem Außenposten in Taloqan. Die Soldaten seien „im Rahmen der Sicherheitsvorsorge“ in das größere, befestigte Feldlager Kundus gebracht worden, sagte ein Sprecher. Der Posten, ein sogenanntes „Provincial Advisory Team“ von gewöhnlich rund drei Dutzend Mann, sollte ohnehin bis März im Zuge der Truppenreduzierung aufgegeben werden. Er liegt in der Provinzhauptstadt Taloqan, wo schon vor einem Jahr Proteste gegen die westlichen Truppen eskaliert waren.
Die Soldaten hätten alle Fahrzeuge, Waffen und Munition mitgenommen, sagte ein Sprecher. Es sei aber geplant, die Räumung noch zu beenden – „nach Lage durch deutsche Soldaten“. Einstweilen werde das Lager – wie bisher schon – durch afghanische Wachleute gesichert, die weiter bezahlt würden und in der Pflicht stünden. Er gehe daher davon aus, dass man das übrige Material noch vorfinden werde, sagte der Sprecher weiter. Die Soldaten hätten schon seit Mitte Februar in Taloqan keinen militärischen Auftrag mehr gehabt, sonst wären sie nicht abgezogen worden, versicherte er.
In der nordafghanischen Provinz Baghlan versuchten Aufrührer ein ungarisch geführtes Feldlager zu stürmen. Der stellvertretende Polizeichef der Provinz sagte, ein Angreifer sei dabei getötet worden. Mehr als 1000 Demonstranten hätten sich vor dem ungarischen „Provincial Reconstruction Team“ versammelt, wo auch Soldaten aus Albanien, Kroatien und Montenegro stationiert sind. Einigen sei es gelungen, hinter die Stacheldrahtabsperrung des Feldlagers vorzudringen. Die Polizei habe Warnschüsse abgegeben, um die Menge aufzulösen.
Die Proteste, bei denen inzwischen an die zwanzig Menschen getötet wurden, begannen am Dienstag, nachdem Afghanen verkohlte Koran-Exemplare in der Nähe einer Müllverbrennungsanlage am amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Bagram gefunden hatten. Mehrere Entschuldigungen der amerikanischen Regierung, darunter die des Präsidenten, haben die Gemüter nicht beruhigen können. Der amerikanische Kommandeur der Nato-Schutztruppe Isaf, John Allen, rief die Afghanen am Freitag zu Geduld und Zurückhaltung auf. Derzeit werde der Vorfall untersucht, hieß es in einer Stellungnahme. Die Zusammenarbeit mit der afghanischen Führung sei „der einzige Weg für uns, diesen schweren Fehler zu korrigieren und dafür zu sorgen, dass er nie wieder passiert“. Wie am Freitag auch bekannt wurde, besuchte Allen amerikanische Truppen in der Provinz Nangarhar, um sie zu ermahnen, keine Vergeltungsakten für die zwei am Mittwoch getöteten amerikanischen Soldaten zu verüben.
Hegt Staatsapparat Sympathie für Demonstranten?
Präsident Karzai hat alle Beteiligten zur Zurückhaltung aufgerufen; es wird jedoch vermutet, das Teile des Staatsapparats Sympathien für die Demonstranten hegen. Die Taliban haben die Afghanen wiederholt dazu aufgerufen, westliche Ausländer zu töten und die „Schändung“ des Korans zu rächen.
Der pakistanische Regierungschef Gilani reagierte mit seinem Aufruf an die Taliban zur Unterstützung des Friedensprozesses auf eine offizielle Anfrage, die der afghanische Präsident Karzai vor drei Tagen gestellt hatte. Gilani appellierte namentlich an die Taliban und die Hizb-e-Islami, an Friedensgesprächen teilzunehmen. „Es ist nun an der Zeit, die Stärken des afghanischen Volkes im wahren Geiste unserer noblen Religion, dem Islam, mit den glorreichen Traditionen der Afghanen zusammenzuführen, Frieden und Wohlstand in Afghanistan zu schaffen“, hieß es in der Mitteilung.
Der Friedensprozess, sagte Gilani, solle von den Afghanen gesteuert und auch angeführt werden. Die Führung der Taliban, die seit ihrem Sturz vor mehr als zehn Jahren in Pakistan untergetaucht ist, hat zwar Bereitschaft signalisiert, mit den Vereinigten Staaten Gespräche aufzunehmen, weigert sich aber bislang, mit dem „Marionetten-Regime“ in Kabul zu verhandeln. Bemühungen, ein Verbindungsbüro in Qatar zu eröffnen, werden von diesen Unklarheiten erschwert.
Äußerung Gilanis positiver Schritt auf dem Weg zu substantiellen Gesprächen
Optimisten erkennen in der Äußerung Gilanis einen positiven Schritt auf dem Weg zur schwierigen Anbahnung substantieller Gespräche. Afghanistan erhofft sich von Pakistan unter anderem Zugang zu dort residierenden oder auch festgehaltenen Taliban-Kommandeuren. Ob Islamabad Kabul in dieser und in anderen Angelegenheiten nun entgegenkommen wird, bleibt abzuwarten. Zwischen offiziellen Stellungnahmen und Taten klafft in Pakistan oft eine Lücke. Zudem ist der Einfluss der Regierung auf die Extremisten ungeklärt. Der wichtigere Spieler ist hier die Armee, die wiederum mit der zivilen Führung in zentralen Fragen über Kreuz liegt.
Unterdessen wurden in der nordwestpakistanischen Provinzhauptstadt Peshawar weitere Bombenanschläge verübt. Drei Selbstmordattentäter stürmten am Freitag eine Polizeistation und töteten vier Sicherheitskräfte; mehrere Personen wurden dabei verletzt. Eine zweite Bombe detonierte in der Nähe eines Polizeipostens und verletzte einen Passanten. Erst am Donnerstag waren durch eine Autobombe in der Stadt 13 Personen getötet und mehr als 30 verletzt worden.
Dumm und stark, das war schon in der Schule so!
Roman Gerhard Urbanek (romangerhard)
- 25.02.2012, 16:45 Uhr
einfach
Sabi Alberto (Sabi9999)
- 25.02.2012, 14:47 Uhr
Als ich aufwuchs...
Lothar Troeller (Lo.Troeller)
- 25.02.2012, 00:28 Uhr
Viel Luft um nichts! Werdet erwachsen liebe Muslime
stephan ursuleac (aktionaer1)
- 24.02.2012, 23:25 Uhr
immer wenn ich diese bilder sehe...
Armin Geißler (navras)
- 24.02.2012, 18:05 Uhr
