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Afghanistan : Vor der großen Neuverteilung

„Nachbarschaftswache mit AK-47“? Mitglieder der „Afghanischen Lokalen Polizei“ Anfang Dezember vorigen Jahres in der Provinz Paktika südlich von Kabul Bild: dapd

Immer mehr ausländische Soldaten verlassen Afghanistan. Heimische Kräfte sollen die Lücke füllen. Die Isaf lobt deren Beitrag. Doch viele Afghanen fürchten die Kämpfer - etliche sind alte Bekannte.

          Nach drei Stunden Fahrt hat die Bundeswehr Imam Sahib erreicht. Zwei Panzer und ein halbes Dutzend Kampfwagen sind nötig, um die beiden Gesandten des Feldlagers Kundus siebzig Kilometer durch den eiskalten afghanischen Winter zum neuen Bezirksgouverneur zu bringen. Dort wollen sie über "die Lage" und Entwicklungsprojekte sprechen. Der alte Gouverneur war im August wegen allzu großer Nähe zu den Aufständischen entlassen worden: Sein Bruder war Kommandeur der Taliban, die Imam Sahib infiltriert hatten. Der Bezirk gehört zur Provinz Kundus, dem Verantwortungsbereich der Deutschen in Afghanistan. Die Deutschen stoppen ihre Fahrzeuge im Schutz der Amerikaner, die hier seit dem vergangenen Jahr einen staubigen Außenposten unterhalten.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Der „Combat Outpost Fortitude“ ist nicht viel mehr als ein befestigter geschotterter Parkplatz, den ringsum Sandsäcke in mannshohen Drahtgestellen schützen. Er liegt in der Innenstadt von Imam Sahib, der gleichnamigen Bezirkshauptstadt. Hier, wenige Kilometer vor der Grenze zu Tadschikistan, hat sich eine amerikanische Kompanie eingegraben: rund hundert Soldaten mit gut einem Dutzend Fahrzeuge, Zelten zum Schlafen und einem schlammverkrusteten Container mit Toiletten und Duschen. Die Einfahrt zur Sandstraße hin versperrt lediglich ein Kampfwagen mit aufmontiertem Maschinengewehr. Die Amerikaner sind hier, um den Bezirksgouverneur und den örtlichen Polizeichef zu schützen und um die Ausbildung weiterer afghanischer Sicherheitskräfte abzusichern.

          Zwischen den Sandsäcken verläuft ein schmaler Durchgang direkt zum afghanischen Polizeigelände. Die meisten Polizisten tragen graublaue Uniform. Manche haben Uniformteile an, andere nur eine Polizeimütze auf. Auch eine Handvoll Kräfte der „Afghanischen Lokalen Polizei“ (ALP) sind hier, sie stehen um einen weißen Geländewagen vor dem Tor. Sie tragen dunkelgraue Uniformteile, der eine hat eine Hose in dieser Farbe an, der andere eine Jacke; die Farben sind in Afghanistan nicht einheitlich. In Imam Sahib gibt es mittlerweile 300 ALP-Kräfte, mehr als reguläre Polizisten der Afghanischen Nationalpolizei (ANP) - von diesen sind nur 217 hier, von denen 85 stets im Polizeihauptquartier bleiben.

          Sultan Muhammad Nazar, Vizegouverneur des Distrikts Imam Sahib

          Die ALP ist vor allem ein amerikanisches Projekt. Es wurde 2010 vom afghanischen Innenministerium und amerikanischen Einheiten aufgebaut. Drei Wochen lang werden die Rekruten von amerikanischen Spezialkräften ausgebildet. Mit Hilfe lokaler Kämpfer soll verhindert werden, dass Aufständische weiterhin ländliche Gebiete infiltrieren. Gleichzeitig gilt die ALP als Arbeitsbeschaffungsprogramm für Waffenträger, die sonst dann und wann die Seiten zu wechseln pflegten.

          Für die beiden deutschen Panzer ist im amerikanischen Außenposten kein Platz mehr. Der Kommandant könnte auf dem Hof der Polizeistation parken. Er lehnt ab: "Zu viele afghanische Polizisten", sagt er. Die Sorge vor einem "Innentäter" begleitet die Truppe jeden Tag. Die Panzer bleiben auf der Straße.

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