30.05.2006 · Einen Tag nach den schweren Ausschreitungen herrscht in der afghanischen Hauptstadt Kabul gespannte Ruhe. Im Norden des Landes haben Kämpfer der Taliban drei Frauen getötet, die dort für eine internationale Hilfsorganisation unterwegs waren.
Taliban-Kämpfer haben Behörden zufolge drei afghanische Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisation Action Aid im Norden Afghanistans getötet. Die drei Frauen seien auf dem Weg in den Nordosten der Stadt Schiberghan gewesen, als die Rebellen sie angegriffen hätten, sagte der Gouverneur der Provinz Dschowsdschan am Dienstag.
Die Taliban hätten den Wagen mit Motorrädern überholt und im Vorbeifahren das Feuer eröffnet. Dabei sei neben den Frauen auch deren Fahrer getötet worden. Schiberghan ist die Hauptstadt der Provinz Dschowsdschan, in der die radikal-islamischen Taliban zwar präsent sind, jedoch nur selten Anschläge verüben.
Gespannte Ruhe in Kabu
Einen Tag nach den schweren Ausschreitungen in Kabul herrschte in der afghanischen Hauptstadt gespannte Ruhe. Strategisch wichtige Punkte in der Stadt wurden von Soldaten und Polizisten kontrolliert. Das Hauptquartier der amerikanischen Streitkräfte blieb abgeriegelt, die Büros der Vereinten Nationen blieben geschlossen. Der Straßenverkehr war schwächer als an normalen Tagen.
Der Zusammenstoß eines amerikanischen Militärlastwagens mit Zivilfahrzeugen hatte am Montag die schwersten Ausschreitungen in der afghanischen Hauptstadt seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 ausgelöst. Angaben der Regierung vom Montag zufolge starben bei dem Unfall sieben Afghanen. Eine offizielle Bestätigung über Tote bei den anschließenden Unruhen gab es auch am Dienstag zunächst nicht.
„Opportunisten und aufständische Elemente“
Der afghanische Präsident Hamid Karzai sagte am Montag abend in einer im Staatsfernsehen übertragenen Ansprache, die Randalierer würden verfolgt und bestraft. Die Aufrührer seien „Opportunisten und aufständische Elemente“ gewesen, die einen Verkehrsunfall zum Vorwand genommen hätten, um das Land zu zerstören. Afghanistan werde das unter keinen Umständen dulden.
Karzai sagte, der amerikanische Botschafter in Afghanistan habe sein Bedauern über den Unfall ausgedrückt. Die amerikanischen Streitkräfte hatten am Montag mitgeteilt, mindestens aus einem Armeefahrzeug heraus sei über die Menge hinweg in die Luft geschossen worden, als diese begann, sich am Unfallort feindlich zu verhalten. Ein Augenzeuge sagte dagegen, die Soldaten hätten in die Menge geschossen.