05.09.2009 · Im nordafghanischen Kundus sind bei einem Luftangriff der Nato auf zwei von Taliban entführte Tanklastzüge bis zu 90 Personen getötet worden. Das deutsche Einsatzführungskommando hat bestätigt, dass die Bundeswehr Unterstützung aus der Luft angefordert hatte.
In Nordafghanistan sind bei einem Luftangriff der Nato auf zwei von Taliban gekaperten Tanklastzüge Dutzende Personen getötet worden. Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr und des Verteidigungsministeriums bestätigten, dass das deutsche Wiederaufbauteam (PRT) in Kundus zuvor Luftunterstützung erbeten hatte.
Die Bundeswehr gehe von mehr als 50 getöteten Aufständischen aus. „Unbeteiligte sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu Schaden gekommen“, sagte ein Ministeriums-Sprecher. Der Schutz von Zivilisten habe für die Bundeswehr bei Militäroperationen oberste Priorität. Die Untersuchungen dauerten an. „Wir gehen davon aus, dass fast alle gegnerische Kämpfer waren.“ Deutsche Soldaten seien nicht verletzt worden. Einen vergleichbaren Angriff in dieser Dimension habe es im deutschen Verantwortungsbereich noch nicht gegeben.Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) werde sich aber zunächst nicht persönlich äußern. Das Informationsbild sei noch ungesichert.
Die Vereinigten Staaten haben sich besorgt über den Tod von Zivilisten gezeigt. Die Vereinigten Staaten bedauerten es jedes Mal zutiefst, wenn es in einem Konflikt wie diesem zum Verlust von Menschenleben komme, besonders von Zivilisten, sagte Präsidialamtssprecher Robert Gibbs. „Nach meinem Verständnis wird dieser Vorfall Untersuchungen nach sich ziehen.“ Nachdem sich die Schutztruppe Isaf zunächst überzeugt gezeigt hatte, dass bei dem Luftschlag in den frühen Morgenstunden ausschließlich Taliban-Kämpfer ums Leben gekommen seien, teilte die Nato später mit, viele Zivilisten würden in nahe gelegenen Krankenhäusern behandelt.
Die Isaf und afghanische Stellen richteten eine Untersuchungskommission ein. Nach Darstellung des Einsatzführungskommandos, hätten Aufständische gegen 1.50 Uhr Ortszeit in der Nähe von Kundus an einem vorgetäuschten Kontrollpunkt zwei beladene Tanklastzüge einer noch unbekannten zivilen Firma gekapert. Der Treibstoff war vermutlich für die Isaf-Truppen bestimmt. Sechs Kilometer südwestlich des deutschen Wiederaufbauteams in Kundus hätten sie den Fluss Kundus durchqueren wollen und sich auf einer Sandbank festgefahren. Daraufhin sei der Luftangriff gestartet worden. Der Sprecher machte keine Angaben, welche Nato-Nation den Angriff flog, welche Waffen eingesetzt wurden und welche Art der Aufklärung es zuvor gab. Die Nato bestätigte lediglich, dass die internationalen Streitkräfte in dem Gebiet einen Luftangriff geflogen.
Provinz-Gouverneur: Noch mehr Tote
Unterschiedliche Angen gab es über die Zahl der Opfer. Der Gouverneur der Provinz, Mohammed Omar, berichtete von 90 Toten, darunter seien auch zivile Opfer. Nach seiner Darstellung explodierten die Tanklastzüge als die Aufständischen gerade dabei waren, Treibstoff abzuzapfen und an die Bevölkerung zu verteilen. Omar sagte, auch ein ranghoher Taliban-Kommandeur und vier tschetschenische Kämpfer seien getötet worden.
Unlängst hatte der amerikanische Kommandeur der westlichen Truppen, General Stanley McChrystal, gemahnt, die Einsatzführer sollten „die Fälle taktischer Erfolge - aber strategischer Verluste - durch zivile Opfer und hohe Schäden“ vermeiden. Allein zwischen Januar und Mai sind nach UN-Angaben bei Luftangriffen etwa 800 Zivilisten ums Leben gekommen, was einer Zunahme von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Auf die Frage in der Bundespressekonferenz, ob die Bundeswehr an ihrem Sprachgebrauch festhalten wolle, wonach in Afghanistan kein Krieg herrsche, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums: „Es handelt sich um einen Stabilisierungseinsatz, zugegeben um einen recht robusten Stabilisierungseinsatz, der Kampfhandlungen miteinschließt.“
Schon am Donnerstag waren deutsche Soldaten in schwere Gefechte mit Taliban verwickelt, bei dem drei Aufständische getötet wurden. Wie die Bundeswehr mitgeteilt hatte, wurden die deutschen Isaf-Soldaten, die zur Unterstützung afghanischer Sicherheitskräfte eingesetzt waren, 60 Kilometer nördlich von Kundus von einer unbekannten Anzahl Angreifern mit Handfeuerwaffen und Panzerfäusten beschossen. Dabei seien vier deutsche Soldaten verwundet und ins Rettungszentrum von Kundus gebracht worden. Ein Fahrzeug der Bundeswehr sei so schwer beschädigt worden, dass es vor Ort gesprengt werden musste.
Gates offen für Truppenaufstockung
Der amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates schließt unterdessen eine weitere Truppenaufstockung in Afghanistan nicht aus. Sollte General McChrystal, dies empfehlen, stünde er dem Vorschlag offen gegenüber, sagte Gates am Donnerstag. Der Nato-Kommandeur hatte angesichts der zunehmend schlechten Sicherheitslage in Afghanistan eine neue Strategie gefordert. Einzelheiten aus seinem mit Spannung erwarteten Papier wurden zunächst nicht bekannt. Derzeit sind etwa 100.000 Soldaten in Afghanistan, darunter 63.000 amerikanische Soldaten,am Hindukusch stationiert.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach sich gegen eine weitere Truppenaufstockung aus. Deutschland habe die Zahl der Soldaten wegen der Wahl in Afghanistan erst kürzlich auf 4.500 erhöht, sagte er der Zeitung „Neuen Presse“: „Wir haben nicht geplant, weitere Truppen zu entsenden.“ Er sprach sich dafür aus, mit der künftigen afghanischen Regierung „einen verbindlichen Fahrplan für das Ende des militärischen Engagements“ zu erarbeiten.
Brown lehnt Abzug aus Afghanistan ab
Ungeachtet zunehmender Verluste lehnt der britische Premierminister Gordon Brown einen Rückzug aus Afghanistan ab. In einer am Freitag in London vorab verbreiteten Grundsatzrede zum Afghanistan-Einsatz sagte Brown, Großbritannien könne aus dem Land nicht einfach weggehen. „Die Leute fragen, welchen Erfolg wir in Afghanistan haben wollen“, heißt es in den Redetext. „Die Antwort ist, dass wir Erfolg gehabt haben, wenn unsere Soldaten heimkommen, weil die Afghanen den Job selber machen.“
Brown ist nach dem Rücktritt seines Verteidigungsberaters Eric Joycee am Donnerstagabend unter zusätzlichen Druck gekommen, den Afghanistan-Einsatz zu begründen. Joyce, ein früherer Major, hatte Brown öffentlich aufgefordert, mit dem Truppenrückzug aus Afghanistan zu beginnen. Die Gesamtzahl der getöteten Briten am Hindukusch stieg inzwischen auf 211 und liegt damit höher als im Irak.
Der Krieg der Bundeswehr.....
Günter Busse (guenter.b)
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Wer sich in Gefahr begibt...
Andreas Schuster (anschus)
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Bomben auf Autodiebe - Nur so gehts!
Hans-Ulrich Bruhn (HUlrich)
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herr busse...
Bodo Theile-Rasche (Mr.Cool)
- 04.09.2009, 14:17 Uhr
Vielleicht...
Maik Bode (MaikBode)
- 04.09.2009, 14:30 Uhr