22.10.2008 · Die Bundeswehr hat am Mittwoch in Kundus Abschied von den zwei bei einem Selbstmordattentat getöteten deutschen Soldaten genommen. Unterdessen gab der Bundeswehrverband der Bundesregierung eine Mitschuld am jüngsten Anschlag.
Die Bundeswehr im nordafghanischen Kundus hat am Mittwoch mit einer Trauerfeier Abschied von den zwei deutschen Soldaten genommen, die bei einem Selbstmordattentat ums Leben kamen. Anschließend startete ein Flugzeug mit den Särgen der 25 und 22 Jahre alten Soldaten zum Luftwaffenstützpunkt Termes in Usbekistan.
Von dort aus sollten die Leichen mit einem Luftwaffen- Airbus zum deutschen Standort Zweibrücken in der Pfalz gebracht werden, die Ankunft wurde für Mittwochabend erwartet. Ein bei dem Anschlag verletzter Soldat sollte ebenfalls im Laufe des Tages in die Bundesrepublik ausgeflogen werden.
„Perfider Terror“
Angehörige und Soldaten des Fallschirmjäger-Bataillons 263 nehmen an diesem Freitag bei einer Trauerfeier in Zweibrücken Abschied. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan werden daran teilnehmen. Bei dem Attentat am vergangenen Montag waren auch fünf afghanische Kinder getötet worden. Die islamistischen Taliban hatten sich zu der Tat bekannt.
Der Befehlshaber der Nordregion der internationalen Schutztruppe Isaf, der deutsche Brigadegeneral Jürgen Weigt (50), sagte bei der Trauerfeier in Kundus, die beiden Soldaten hätten um die Gefahr ihres Einsatzes gewusst. Es sei ihr Auftrag gewesen, Kameraden bei der Durchsuchungsaktion zu sichern. Dafür hätten sie ihr Leben riskiert. Den Anschlag bezeichnete er als „perfiden Terror“, der auch nicht davor haltmache, Kinder mit in den Tod zu reißen.
Bundeswehrverband wirft Bundesregierung Versäumnisse vor
Der Bundeswehrverband hat der Bundesregierung eine Mitschuld am jüngsten tödlichen Anschlag auf deutsche Soldaten in Afghanistan gegeben. „Die Bundesregierung trägt eine Mitverantwortung. Die heutige Situation hätte durch mehr ziviles Engagement verhindert werden können“, sagte der stellvertretende Verbandsvorsitzende Ulrich Kirsch der „Passauer Neuen Presse“ vom Mittwoch. Zwar habe der Bundestag das Bundeswehrmandat gerade verlängert und um 1000 Soldaten aufgestockt. Doch sei es versäumt worden, im gleichen Zuge den zivilen Aufbau zu verstärken.
„Die große Koalition betont zwar, dass unsere Aufgabe in Afghanistan zu 80 Prozent durch zivilen Aufbau gelöst werden muss. Nur: 80 Prozent der deutschen Gelder fließen in den Militäreinsatz“, kritisierte Kirsch. „Das ist eine Schieflage.“ Es sei unverantwortlich, jetzt den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan zu fordern. „Unverantwortlich handelt jedoch auch, wer nicht dafür sorgt, dass der zivile Aufbau endlich in Gang kommt.“
Offensive im Osten Afghanistans
Im Krieg gegen die Taliban ist es wieder zu einem tödlichen Irrtum gekommen. Ein Flugzeug der von den Vereinigten Staaten geführten Streitkräfte griff am Mittwoch in Afghanistan eine Kontrollstelle der afghanischen Armee an. Dabei wurden acht afghanische Soldaten getötet und vier verletzt, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums mitteilte.
In der Umgebung von Sajed Cheil in der ostafghanischen Provinz Chost führen amerikanische und afghanische Truppen nach Angaben des Ministeriums seit mehr als einer Woche eine gemeinsame Offensive. Die Kontrollstelle sei die ganze Zeit an einem festen Ort eingerichtet gewesen, sagte der Sprecher. Der amerikanische Oberst Julian sagte, es habe in der Region einen Zwischenfall gegeben, der mit dem Verteidigungsministerium besprochen werde. Einzelheiten nannte er nicht.