Home
http://www.faz.net/-gq5-16e82
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Afghanistan Tote bei Anschlag in Kabul

18.05.2010 ·  Bei der Detonation einer Autobombe in Kabul wurden 18 Menschen getötet, darunter sechs Nato-Soldaten. Dutzende Menschen wurden verletzt. Die Taliban bezichtigten sich des Anschlags.

Artikel Bilder (1) Video (1) Lesermeinungen (0)

Bei einem Selbstmordanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Dienstag 18 Menschen getötet worden, darunter sechs Soldaten der Internationalen Schutztruppe Isaf. 47 Zivilisten wurden verletzt. Ein Attentäter hatte sein Auto in der Nähe eines Isaf-Konvois während des morgendlichen Berufsverkehrs im Westen Kabuls in die Luft gesprengt. Durch die Explosion wurden fünf Fahrzeuge der Nato und etwa ein Dutzend Zivilfahrzeuge beschädigt. Die radikal-islamische Taliban bezichtigen sich des Anschlags.

Die meisten der Opfer seien nach Angaben des afghanischen Innenministeriums in einem Bus unterwegs gewesen, als die Bombe detonierte. Zu ausländischen Opfern äußerte sich das Ministerium nicht.

Der Anschlag fand in der Nähe des Militärcamps Julien statt, in dem die Akademie zur Aufstandsbekämpfung untergebracht ist. Die „Counterinsurgency Academy“ wurde von der amerikanischen Armee gegründet. Im Camp Julien seien amerikanische und afghanische Soldaten stationiert, sagte der deutsche Brigadegeneral Josef Blotz als Sprecher der Isaf.

Karzai wirbt für Versöhnungskurs mit den Taliban

Präsident Karzai war am vergangenen Sonntag von einer Amerika-Reise zurückgekehrt. Bei seinem Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama war es auch um mögliche Gespräche mit den Taliban gegangen.

Zum letzten schweren Zwischenfall in Kabul war es vor knapp drei Monaten gekommen. Am 26. Februar hatte ein Selbstmordkommando der Taliban im Zentrum der afghanischen Hauptstadt ein Hotel und zwei Gästehäuser angegriffen und dabei 17 Menschen getötet. Unter den Toten waren mehrere Inder und ein Franzose.

Karzai wirbt für Versöhnungskurs mit den Taliban

Am 29. Mai soll in Kabul eine sogenannte Friedens-Dschirga beginnen. Auf der dreitägigen Ratsversammlung will sich Karzai breite Unterstützung der Bevölkerung für seinen Versöhnungskurs mit den Taliban sichern.

Die Aufständischen machen allerdings den Abzug aller ausländischen Truppen zur Voraussetzung für Gespräche, was Karzai strikt ablehnt.

Auch die internationalen Truppen in Afghanistan leben zunehmend gefährlich. Seit Jahresbeginn starben 208 Isaf-Soldaten und damit mehr als im gleichen Zeitraum in den Vorjahren. Seit Sommer 2009 sind im Schnitt täglich ein bis zwei Nato-Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen.

Bundeswehrsoldaten in Kundus beschossen

In der nordafghanischen Provinz Kundus wurden unterdessen erneut Bundeswehr-Soldaten mit Handwaffen und einer Panzerfaust beschossen. Auf Seiten der Bundeswehr gab es keine Verwundeten, über Verluste der Angreifer wurde zunächst nichts bekannt. Der Angriff ereignete sich nach Angaben der Bundeswehr im Wiederaufbaulager etwa drei Kilometer westlich von Kundus-Stadt und sieben Kilometer nordwestlich des Feldlagers. Demnach beschossen die Angreifer den Konvoi an der in dem Gebiet einzigen Brücke über den Kundus-Fluss, als ein Schützenpanzer die Furt zu durchqueren versuchte und dort wegen eines technischen Defekts liegen blieb. Die Brücke kann von Kettenfahrzeugen nicht genutzt werden. Deutsche Kräfte setzten die Bergung fort und erwiderten das Feuer. Das Gefecht dauerte knapp zwei Stunden, alle Fahrzeuge der Bundeswehr konnten das Feldlager wieder erreichen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr