Als Reaktion auf den umstrittenen Mohammed-Schmähfilm aus Amerika hat eine Selbstmordattentäterin in Kabul einen mit Ausländern besetzten Kleinbus in die Luft gesprengt. Zwölf Personen wurden dabei nach Polizeiangaben getötet; sieben der Todesopfer waren Russen und Südafrikaner. Für den Anschlag will die Extremistengruppe Hesb-e-Islami verantwortlich sein, die bislang nicht mit derartigen Taten in Erscheinung getreten ist.
Die Gruppe bezeichnete das Attentat als Antwort auf den in den Vereinigten Staaten produzierten anti-muslimischen Amateurfilm, der seit einer Woche zu gewaltsamen Protesten in der islamischen Welt geführt hat.
Tat eines Al-Qaida-Ablegers?
Der Anschlag in der afghanischen Hauptstadt ereignete sich in der Nähe des Flughafens. Der Kleinbus hatte zum Tanken angehalten, als der Sprengsatz detonierte. Die meisten Insassen waren Piloten, die für ein internationales Kurier-Unternehmen arbeiteten, wie aus Polizeikreisen verlautete. Mehrere Afghanen wurden verletzt. Es war der erste Selbstmordanschlag in Kabul, der von einer Frau verübt wurde. Hesb-e-Islami („Islamische Partei“) ist eine extremistische Gruppe, die ihre ausländer- und regierungsfeindlichen Tendenzen mit den radikal-islamischen Taliban teilt.
Der nordafrikanische Al-Qaida-Ableger forderte Muslime zu Angriffen auf amerikanische Regierungsvertreter in der Region auf. Gleichzeitig begrüßte die Extremistengruppe den tödlichen Anschlag auf den amerikanischen Botschafter in Libyen in der vergangenen Woche. Eine wegen des Schmähvideos aufgebrachte Menge hatte das amerikanische Konsulat im libyschen Benghasi gestürmt; der tödliche Anschlag auf den Botschafter sowie drei weitere Diplomaten war offenbar von langer Hand geplant worden.
Youtube-Seiten in vielen Staaten gesperrt
Um eine abermalige Ausweitung der gewaltsamen Proteste wegen des Schmähvideos zu verhindern, haben mehrere muslimische Staaten, darunter Afghanistan, Pakistan und Bangladesch, die Internetseite von Youtube gesperrt, auf der der Film veröffentlicht worden war. In dem Video wird der Religionsbegründer Mohammed als blutrünstiger Kinderschänder, Schürzenjäger und Homosexueller dargestellt.
In Deutschland wird inzwischen darüber diskutiert, ob der Film öffentlich vorgeführt werden darf, wie es die rechtsextreme „Bürgerbewegung pro Deutschland“ angekündigt hat. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) drang auf ein Aufführungsverbot des jüngsten islamfeindlichen Videos in Deutschland. „Es handelt sich hier um eine politische
Demonstration. Deshalb halte ich es für angemessen, dass wir alle
rechtlichen Möglichkeiten des Versammlungsrechts, des Ordnungsrechts prüfen“, sagte der CSU-Politiker am Dienstag im Nachrichtensender „Phoenix“. Die öffentliche Sicherheit und Ordnung dürfe nicht gestört werden, die Meinungsfreiheit werde dadurch nicht eingeschränkt, sagte Friedrich. Mehrere Politiker, unter ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), haben sich ebenfalls dafür ausgesprochen, eine öffentliche Aufführung des gesamten Films in Deutschland zu verhindern. Das Bundesinnenministerium prüft derzeit die rechtlichen Möglichkeiten.
Jeder Vorwand scheint zu legitimieren
Mario Meier (Tell_me)
- 19.09.2012, 10:27 Uhr
Fetisch Meinungsfreiheit.
Wolfgang Krug (Undiplomat)
- 19.09.2012, 09:13 Uhr
