29.09.2007 · Deutsche Politiker begrüßen das Verhandlungsangebot des afghanischen Präsidenten Karzai an Taliban-Führer Mullah Omar und Rebellenführer Gulbuddin Hekmatjar. Doch müsse vor einer Regierungsbeteiligung geprüft werden, ob Omar und Hekmatjar der Gewalt glaubwürdig abschwörten.
Angesichts der Eskalation der Gewalt in Afghanistan hat sich Präsident Hamid Karzai am Samstag zu persönlichen Friedensgesprächen mit Taliban-Führer Mullah Omar bereiterklärt. Auch mit Rebellenführer Gulbuddin Hekmatjar wolle er sprechen. „Wenn ich ihre Adresse habe, brauchen sie nicht zu mir kommen, ich werde persönlich dorthin gehen und mich bei ihnen melden“, sagte Karzai, der die Taliban in den vergangenen Wochen wiederholt zu Verhandlungen aufgefordert hatte. Am Samstag stellte er ihnen sogar Posten in seiner Regierung in Aussicht und bot ihnen an, an den Wahlen 2009 teilzunehmen.
Bei einem der blutigsten Anschläge seit dem Sturz der Taliban hatte ein Selbstmordattentäter in Kabul kurz zuvor dreißig Menschen mit in den Tod gerissen. Dutzende wurden verletzt, als der Attentäter vor einem Bus der Streitkräfte einen gewaltigen Sprengsatz zündete. Zu dem Anschlag bekannten sich die Taliban. Sie haben in diesem Jahr schon mehr als hundert Selbstmordattentate verübt.
Vier Geiseln wieder frei
Unterdessen sind vier bei den Bemühungen um die Freilassung des Deutschen Rudolf Blechschmidt verschleppte Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) wieder auf freiem Fuß, wie die Polizei am Samstag mitteilte. Den Männern – ein Burmese, ein Mazedonier und zwei Afghanen – gehe es gut. Über das Schicksal Blechschmidts gebe es keine weiteren Informationen, sagte ein Gewährsmann.
Berliner Politiker aus Regierung und Opposition begrüßten das Angebot des afghanischen Präsidenten an die Taliban. Der CDU-Außenpolitiker Andreas Schockenhoff verwies auf das Beispiel des libyschen Präsidenten Muammar al Gaddafi und sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Man muss nicht immer der Outlaw bleiben.“ Doch müsse vor einer Regierungsbeteiligung geprüft werden, ob Omar und Hekmatjar der Gewalt glaubwürdig abschwüren und bereit seien, Verantwortung für den Wiederaufbau Afghanistans zu übernehmen und wirkliche Sicherheitspartner der internationalen Gemeinschaft zu werden. „Wenn der afghanische Staat so langfristig stabiler wird, ist das genau das, wofür unsere deutschen Soldaten in dem Land stationiert sind“, sagte Schockenhoff. SPD-Verteidigungspolitiker Walter Kolbow stellte fest, das Angebot Karzais sei untrennbar mit einem Gewaltverzicht verbunden. „Es ist nur zu hoffen, dass Omar und Hekmatyar darauf eingehen“, sagte Kolbow.
„Verhandlungsangebot Karzais ist richtig“
Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin merkte an, dass die Situation in Afghanistan nicht allein militärisch überwunden werden könne, sondern es auch politischer Lösungsansätze bedürfe. „In diesem Sinne ist das Verhandlungsangebot Karzais richtig. Voraussetzung aber muss der Verzicht auf Terror gegen die Zvilbevölkerung und der Verzicht auf Gewalt sein“, sagte Trittin. Nach seinem Bekunden hängt der Verbleib der Bundeswehr entscheidend von einer selbst tragenden Sicherheit ab. „Hierzu gehört neben dem Aufbau einer handlungsfähigen afghanischen Armee und Polizei eine politische Lösung. Je schneller dies gelingt, umso eher kann man die internationale Schutztruppe Isaf zurückführen. Ich bin aber skeptisch ob beides sehr schnell gelingt“, sagte Trittin.
In Washington wird unterdessen bezweifelt, ob Präsident George W. Bush bei seinem Treffen mit Karzai in New York der Aufnahme von formalen Verhandlungen mit Omar und Hekmatjar zugestimmt habe. Beide werden von den Amerikanern weiter steckbrieflich gesucht. In Washington scheint es aber noch keinen Konsens darüber zu geben, ob für Afghanistan eher das geglückte irakische oder das gescheiterte pakistanische Modell beim Umgang mit Aufständischen gelten solle. Im Irak konnten sunnitische Aufständische zum Kampf mit den amerikanischen Truppen gegen das Terrornetz Al-Qaida bewegt werden. In Pakistan ist dagegen Präsident Musharraf mit seiner von Washington kritisierten Taktik gescheitert, mit den Stämmen im Norden des Landes, die den Taliban Unterschlupf gewähren, einen Waffenstillstand zu vereinbaren.
Wer glaubt die Welt von Berlin aus ändern zu könnnen...
Sebastian Olbrich (Basti1976)
- 29.09.2007, 22:53 Uhr
Alles für die Katz?
Josef Bujtor (Mramorak)
- 30.09.2007, 02:51 Uhr
Wie wär's mit einer Abbitte an Kurt Beck?
Klaus Meyer (deutschlaender2)
- 30.09.2007, 06:17 Uhr
Afghanistan ist nicht Gelsenkirchen
Friederine Teich-Erdmann (Teich-Erdmann)
- 30.09.2007, 10:16 Uhr
War es nicht Kurt Beck, welcher zuerst vorgeschlagen hatte
Francisco Cortes (FranciscoCortes)
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