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Afghanistan Taliban greifen Regierungsviertel in Kabul an

18.01.2010 ·  Ein Taliban-Kommando hat das Regierungsviertel von Kabul mit Sprengsätzen und automatischen Waffen angegriffen. Erst am Nachmittag teilte Präsident Karzai mit, die Lage sei wieder unter Kontrolle; vereinzelt waren auch danach Schüsse zu hören.

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Ein Taliban-Kommando hat das Regierungsviertel von Kabul mit Sprengsätzen und automatischen Waffen angegriffen. Die Angreifer lieferten sich stundenlang Gefechte mit afghanischen Sicherheitskräften, die zeitweise von Nato-Soldaten unterstützt wurden. Erst am Montagnachmittag wendete sich Präsident Hamid Karzai an die Kabuler und teilte mit, die Lage sei unter Kontrolle; vereinzelt waren auch danach noch Schüsse zu hören. Angaben über die Zahl der Toten schwankten zwischen vier und mehr als zwanzig Personen, unter ihnen mindestens zwei Selbstmordattentäter.

Offenbar war es dem Terrorkommando am Morgen gelungen, mit Hilfe gestohlener Panzerwagen die Kontrollposten am Eingang zum Regierungsviertel zu überlisten. Die Terroristen griffen das Verteidigungs- sowie das Justiz- und das Finanzministerium an, wo in den vergangenen Tagen internationale Treffen zur Vorbereitung der Londoner Afghanistan-Konferenz abgehalten wurden. Ziele waren auch zwei in der Nähe liegende Einkaufszentren, ein Kino und das Hotel „Serena“.

Taliban bezichtigen sich des Angriffs

Die Terroraktion begann, als im Präsidentenpalast - in unmittelbarer Nähe zu den angegriffenen Ministerien - mehrere Kabinettsmitglieder vereidigt wurden. Über Stunden hinweg blieb die Lage unübersichtlich. Aus einem der Einkaufszentren schlugen Flammen. Rauchschwaden hingen über dem Viertel. Augenzeugen berichteten von bis zu sieben Detonationen, die von Autobomben und Selbstmordattentätern herrühren sollen. Am Nachmittag verschanzten sich Angreifer in einem der Einkaufszentren und lieferten sich weitere Gefechte mit der Polizei. Ein Teil des Terrorkommandos soll sich in den Süden der Hauptstadt abgesetzt haben.

Die Taliban bezichtigten sich des Angriffs. Mehr als zwanzig Selbstmordattentäter seien im Einsatz, behauptete ein Sprecher der radikalen Islamisten noch während der Gefechte. Im Internet gab ein Talibansprecher an, auch der Präsidentenpalast sei Ziel der Angriffe gewesen. Die britische Zeitung „The Guardian“ zitierte einen Talibanvertreter mit der Angabe, es hätten sich auch drei Terroristen im „Serena“ verschanzt.

Das Hotel „Serena“, in dem viele Ausländer absteigen, war in den vergangenen Jahren wiederholt Ziel von Anschlägen gewesen. Am Montag wurden die Gäste im Keller in Sicherheit gebracht.

Verdacht auf Beteiligung ausländischer Terroristen

Der Leiter der Anti-Terror-Einheit im Innenministerium, Abdul Manan Farahi, sagte gegenüber der F.A.Z., die Taktik der Angreifer deute auf eine Beteiligung ausländischer Terroristen hin. Ähnliche Kommandoaktionen habe es in Kooperation mit dem afghanischen Haqqani-Netzwerk schon im vergangenen Jahr gegeben. Diese seien von Wasiristan in Pakistan aus unterstützt worden. „Es zeigt, dass die Angreifer von diesen Netzwerken trainiert wurden“, sagte Farahi. Zugleich gestand er Schwächen der afghanischen Sicherheitskräfte ein: „Leider haben wir einige Probleme. Wir brauchen einen besseren Geheimdienst und mehr Spezialeinheiten in der Polizei.“

Beobachter werteten die jüngste Machtdemonstration der Taliban auch als Rückschlag für das „Versöhnungsprogramm“ des Präsidenten. Erst am Wochenende hatte ein Regierungssprecher das Gesprächsangebot an verhandlungswillige Taliban erneuert und Kämpfern, die ihre Waffen niederlegen, Finanzhilfen und Arbeitsplätze in Aussicht gestellt. Bislang reagieren aktive Taliban ablehnend auf derartige Vorstöße und verlangen einen Rückzug aller ausländischen Soldaten als Gesprächsbedingung. Gleichwohl, heißt es in Kabul, soll in den vergangenen Wochen Bewegung in die Fronten gekommen sein.

In Afghanistan waren die Phase der von Skandalen erschütterten Präsidentenwahl sowie die folgenden Monate von einer wachsenden Zahl von Anschlägen geprägt, die sich vor allem gegen Ausländer richteten. Im August wurde ein Anschlag auf das Isaf-Hauptquartier verübt, im Oktober stürmte ein Terrorkommando das Gästehaus der Vereinten Nationen; auch das „Serena“ wurde angegriffen. Im vergangenen Monat kam es zudem zu einem Anschlag in der Nähe eines Gästehauses.

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