16.09.2004 · Auf dem Weg zu einem Wahlkampfauftritt ist der Hubschrauber des afghanischen Präsidenten Karzai beschossen worden. Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Am 9. Oktober sollen die ersten freien Präsidentenwahlen stattfinden.
Der afghanische Präsident Hamid Karzai ist am Donnerstag auf dem Weg zu einem Wahlkampfauftritt im Südosten des Landes nur knapp einem Attentat entgangen. Während der Präsidenten-Hubschrauber in der Stadt Gardes landen wollte, schlug in der Nähe eine Rakete ein.
Zu dem Anschlag bekannten sich die radikal-islamischen Taliban. Sie hatten in den vergangenen Wochen mehrfach gedroht, die für den 9. Oktober geplante erste direkte Präsidentenwahl des Landes zu stören. Karzis Mitbewerber hatten gefordert die Wahl um mindestens einen Monat zu verschieben, da angesichts der anhaltenden Gewalt ein Wahlkampf kaum möglich sei.
Geheime Reisepläne
Die Rakete flog über Karzais Hubschrauber hinweg und schlug nach Angaben von Augenzeugenetwa 300 Meter von einer Schule nahe dem Landeplatz ein. Auf dem Schulgelände hätten sich etwa 400 Anhänger des Präsidenten versammelt. Verletzt wurde niemand.
Karzai brach den Landeversuch nach dem Beschuß sofort ab und brachte den in die afghanische Hauptstadt Kabul zurück. Dort kündigte Karsai auf einer Pressekonferenz an: „Das nächste Mal halte ich meine Reisepläne geheim. Ich werde es niemanden erzählen".
Bereits im September 2002 war Karsai in Kandahar im Süden Afghanistans einem Attentat entgangen. Seither hat sich der Präsident nur noch selten außerhalb seines schwer gesicherten Amtssitzes gezeigt. Er war 2002 zum Übergangs-Präsidenten ernannt worden.
Taliban drohen mit weiteren Anschlägen
Taliban-Kommandeur Mulla Abdur Rauf sagte nach dem Attentatsversuchs der Nachrichtenagentur Reuters: „Weil wir zu wenig Zeit hatten, konnten wir nur eine Rakete abfeuern. Sie wurde über einen Fernzünder ausgelöst.“
Die Taliban hatten zum Auftakt des Wahlkampfes mit Anschlägen auf alle Präsidentschafts- und Parlamentsanwärter sowie alle Wähler gedroht. Anhänger der 2001 gestürzten Taliban sind vor allem im Süden und Osten Afghanistans aktiv.
In den vergangenen zwölf Monaten sind bei Anschlägen und Übergriffen mehr als 1000 Menschen getötet worden. Neben dem von den Vereinigten Staaten unterstützten Favoriten Karzai bewerben sich 17 weitere Kandidaten um das Präsidentenamt. Für die Wahl haben sich mehr als 10,5 Millionen der schätzungsweise bis zu 28 Millionen Afghanen registriert.